Forum 

Können informationstechnische Systeme ärztliches Handeln ergänzen oder ersetzen?  

3. Ambient Medicine® Forum im Schloss Höhenried

22.06.2010 

 

 

Der Heinz Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik der TU München veranstaltete zusammen mit dem Arbeitskreis Medizintechnik & LifeScience Electronic des VDE Südbayern, der Klinik Höhenried sowie dem ITG Fachausschuss Biomedizinische Informationstechnik am 22. Juni 2010 das 3. Ambient Medicine® Forum im Schloss Höhenried.

 

 

Sensorgestützte informationstechnische Systeme erlangen in den „Life Sciences“ eine zunehmende Bedeutung. Vom Privathaushalt über die Arzt- und Pflegepraxis bis hin zum Krankenhaus werden solche Systeme in den kommenden Jahren unser Gesundheitswesen stark verändern. Dadurch werden medizinische Prozesse transparenter und die informationelle Selbstbestimmung des Nutzers in dem Bereich der medizinischen Kompetenz erweitert.

Die Verknüpfung elektronischer Medien und Systeme mit biomedizinischen Sensoren öffnet den Weg zu einer individualisierten und personalisierten telematischen Medizin. Ähnlich wie im Umfeld anderer Expertensysteme können individuelle medizinische Daten mit übergeordneten Datenbanken zusammengeführt werden, um im Bedarfsfall gezielt personalisierte Informationen zur Verfügung zu stellen. Dies ist besonders hilfreich im Kontext einer älter werdenden Gesellschaft, die zukünftig eine geringere Arztdichte antreffen wird und besonders im ländlichen Raum schon heute auf das Vorhandensein solcher Systeme angewiesen ist.

Verschiedene bereits heute am Markt verfügbare Sensoren, Geräte und telemedizinische Systeme zur diagnostischen und therapeutischen medizinischen Assistenz im Bereich der häufigsten auftretenden Krankheiten wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, COPD, Diabetes wurden in der begleitenden Ausstellung gezeigt und vorgeführt.

Prof. Dr. med. Bernhard Schwaab (Facharzt für Innere Medizin / Kardiologie, Angiologie, Sportmedizin, Sozialmedizin, Rehabilitationswesen),  Ärztlicher Direktor der Klinik Höhenried, eröffnete das Forum mit einer thematischen Einführung aus Sicht der Kardiologie. Den ersten Übersichtsvortrag zu informationstechnischen telematischen Systemen in der Medizin und deren Anwendungsmöglichkeiten hielt Prof. Dr. Bernhard Wolf, Ordinarius Heinz Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik und Leiter des Arbeitskreises Medizintechnik & LifeScience Electronic aus der technisch-wissenschaftlichen Perspektive. Anschließend zeigte Dr. med. Philipp Martius (Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztliches Qualitätsmanagement) Chefarzt Psychosomatik der Klinik Höhenried eindrucksvoll auf, welche Möglichkeiten und Chancen von telemedizinischen Systemen in der Prävention und Rehabilitation stecken.

In der How To Session hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit das ausgestellte SensoBite System, ein drahtloses Messsystem zur Erfassung von Bruxismus-Ereignissen (Zähneknirschen und Zähnepressen) sowie ein miniaturisiertes Sensorsystem von atembezogenen Schlafstörungen (Schnarchen), ein neuartiges telemedizinisches Spirometer zur Messung von Lungenfunktionswerten (Asthma, COPD) sowie die mobile und stationäre Lösung von COMES® - Cognitive Medizinische Systeme selbst zu erproben.

„Können informationstechnische Systeme ärztliches Handeln ergänzen oder ersetzen?“ Diese Frage diskutierten international führende Experten im Round Table Gespräch sowie die Bedeutung und den Nutzen solcher Systeme für das ärztliche Handeln. Der Moderator Prof. Wolf begrüßte auf dem Podium neben den bereits oben genannten Ärzten Prof. Dr. med Johann Steurer, Leiter des Horten-Zentrums für praxisorientierte Forschung und Wissenstransfer in der Schweiz, und Prof. Dr. med. Stefan Sack, Chefarzt der Abteilung Kardiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin vom Klinikum Schwabing und Sprecher der Arbeitsgruppe Telemonitoring der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Es kamen Aspekte zur Datensicherheit, Vertraulichkeit und Akzeptanz bei Ärzten und Anwendern von telemedizinischen Systemen ebenso zur Sprache wie die Finanzierung telemedizinischer Leistungen und Barrieren bei der Einführung solcher Systeme. Es bestand Einigkeit, dass die heutige Technik alle Voraussetzungen für den praktischen Einsatz erfüllt. Einzig die Integration in den medizinischen Versorgungsprozess sowie Fragen zur Abrechnung sind für die erfolgreiche Umsetzung noch zu lösen.

Anlässlich des 3. Ambient Medicine® Forums klang der Abend bei einem Konzert "Il vero Orfeo" mit Sonaten für Viola da gamba von Johann Schenck, Georg Friedrich Händel und Arcangelo Corelli unter der Leitung von Friederike Heumann, Viola da gamba  im Kaminzimmer des Schloss Höhenried stimmungsvoll und gemütlich aus. Weiterhin musizierten Patrick Sepec, Violoncello, Eduardo Egüez, Theorbe und Dirk Börner, Cembalo. Die fachlichen und musikalischen Eindrücke konnten beim abschließenden Empfang ausgiebig diskutiert werden.

Die Gesamtthematik wird auf dem Heinz Nixdorf Symposium Bioelektronische Diagnose- und Therapiesysteme der TU München am 12.-13.10.2010 in der BMW Welt in München in der Session „Evidenzbasierte telemedizinische Intervention“ weitergeführt und vertieft.

Dr.-Ing. Petra Friedrich  

 

Die Podiumsteilnehmer von links nach rechts: Prof. Dr. med. Johann Steurer - Leiter des Horten-Zentrums für praxisorientierte Forschung und Wissenstransfer am Universitätsspital Zürich, Prof. Dr. Bernhard Wolf  (Moderation) - Ordinarius Heinz Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik der TU München, Dr. Philipp Martius - Chefarzt Psychosomatik der Klinik Höhenried, Prof. Dr. med. Stefan Sack - Chefarzt der Abteilung Kardiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin vom Klinikum Schwabing, Prof. Dr. med. Bernhard Schwaab - Ärztlicher Direktor der Klinik Höhenried

 

Eine Bildnachlese ist unter  http://www.lme.ei.tum.de/akm3.html   zu finden.
Weiterführende Links:
www.lme.ei.tum.de
www.comes-care.net
www.ime-muenchen.de
www.pasife.de
www.senseinside.com
www.sendsor.de
www.hoehenried.de