Blitzschutzfachkräfte 

Einsatz von Sicherungen im Zusammenhang mit Überspannungsschutzgeräten 

ABB-Merkblatt 6

Frankfurt 

 

 

Dieses Merkblatt ist Teil der ABB-Ver&#246;ffentlichung "<A href="/de/Ausschuesse/Blitzschutz/Publikationen/Empfehlungen-Merkblaetter/Blitzschutzfachkraefte/Seiten/Bestellung-Download.aspx">Der Blitzschutz in der Praxis</A>"

Bei Überspannungsschutzgeräten (ÜSG) Typ 1 auf Funkenstreckenbasis kann eine fehlende oder falsch ausgewählte Vorsicherung dazu führen, dass der nach dem Ende des Blitzstroms über das ÜSG fließende Netzfolgestrom gar nicht oder nicht rechtzeitig gelöscht wird, bevor es zu Schäden in der Anlage kommt.

Die Aufgabe einer Vorsicherung besteht deshalb darin, den prospektiven Netzfolgestrom abzuschalten, wenn das ÜSG diese Funktion nicht mehr selbsttätig ausführen kann. Diese Anforderung kann bestehen, wenn: 

  • bei ÜSG Typ 1 auf Funkenstreckenbasis der Netzfolgestrom größer ist als das selbsttätige Ausschaltvermögen der Funkenstrecken

    oder
     
  • das ÜSG z.B. durch eine zu hohe Blitzstoßstrombelastung überlastet ist.

Um zu verhindern, dass die Vorsicherung bereits durch den Stoßstrom auslöst, ist die größtmögliche Vorsicherung nach Angabe des ÜSG-Herstellers auszuwählen.

Grundsätzlich sind die in Bild 1 bis 3 aufgezeigten Einbauvarianten der Vorsicherungen möglich. Zu beachten sind die jeweiligen Vor- und Nachteile. Die in Bild 3 dargestellte Einbauvariante mit nachgeschalteter Sicherung F1 sollte im industriellen Bereich bevorzugt ausgewählt werden (den Schutz der ankommenden Leitung übernimmt das Überstromschutzorgan, welches in der vorgeordneten Hauptverteilung installiert ist).


Bild 1

Sicherung F1 <= max. Vorsicherung des ÜSG

Vorteil:
- keine separate Vorsicherung des ÜSG
- E-Anlage "dauerhaft" geschützt

Nachteil:
- wenn F1 unterbricht, dann Unterbrechung der Netzversorgung
- Löschverhalten des ÜSG unter Umständen nicht ausgenützt; großer Nachzteil bei "kleinen" Vorsicherungen


Bild 2

Sicherung F1 >= max. Vorsicherung des ÜSG
Sicherung F2 <= max. Vorsicherung des ÜSG

Vorteil:
- F2 entspricht max. Vorsicherung des ÜSG daher max. Ausnutzung des Löschverhaltens

Nachteil:
- wenn F1 unterbricht, dann Unterbrechung der Netzversorgung
- wenn Selektivität (50 Hz) zwischen F1 und F2 gefordert, dann

F1 / F2 = 1,6 / 1 ist ungefähr 2 / 1

Damit tritt der Fall auf:
- F2 wird kleiner als max. zulässige Vorsicherung
- Löschverhalten wird nicth ausgenützt
- Stoßstromverhalten der Gesamtanordnung wird verschlechtert


Bild 3 Sonderfall Industrieanlage o.ä.

F2 <= max. Vorsicherung des ÜSG
Abschaltbedingung nach DIN VDE 0100 Teil 410
Potenzialausgleich nach DIN VDE 0100 Teil 540

Vorteil:
- Versorgungssicherheit der Anlage
- günstiges Stoßstromverhalten der Gesamtanordnung

Nachteil:
- Kontrolle von F2

 

enthalten in: Der Blitzschutz in der Praxis 4. Auflage (2003)