In der Nähe des Landtages, im Hotel am Schlossgarten in Stuttgart, fand Anfang Februar der erste parlamentarische Abend des VDE mit Abgeordneten aller Fraktionen des Landesparlaments statt. Der Landessprecher des VDE Baden-Württemberg, Günther Volz, hatte den Abend initiiert. Die erfolgreiche Veranstaltung war das Ergebnis einer monatelangen Vorarbeit, bei der Themen abgestimmt, Präsentationen vorbereitet und Vortragende ausgewählt wurden.
Der Abend startete zunächst mit einem Empfang, an dem vorab nur die VDE-Teilnehmer und deren Gäste teilnahmen. Später stießen dann die Parlamentarier hinzu, nachdem sie die ausgiebigen Diskussionen zum Landeshaushalt gefolgt von einer namentlichen Abstimmung hinter sich gebracht hatten.
Günther Volz begrüßte die 15 Abgeordneten und die geladenen Gäste des VDE sowie die Vertreter der Bezirksvereine. Mit Fakten und Zahlen zu den Mitgliedern, kooperativen Mitgliedern sowie Experten aus Bildung und Wirtschaft stellte er den VDE vor. Die Beschreibung der Betätigungsfelder des VDE Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik und Medizintechnik sowie deren Stellenwert im Alltag war hilfreich, um Gästen den VDE zu erläutern.
Als Zielsetzung des parlamentarischen Abends skizzierte Volz die Themenfelder Bildung und Nachwuchsförderung im Bereich Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik sowie den MINT-Fächern. In der Folge standen zudem deren Auswirkung auf Fragen wie erneuerbare Energien, Effizienzverbesserung, zukunftsorientierter Energienetze, Elektromobilität, Medizintechnik und Assistenzsystemen im Dienste älterer Menschen (AAL) im Blickpunkt. Dass der VDE mit seiner Expertise für diese Themenfelder eine wertvolle Quelle der Parlamentarier sein könne, würdigte Paul Nehmet CDU mit der Aussage: „Der VDE ist wichtig, weil Know How Grundlage für Innovation ist.“^
Eindrucksvoll präsentierte der Vorsitzende des VDE Mittelbaden Rüdiger Höche die Arbeit der baden- württembergischen Bezirksvereine mit Projekten zur Nachwuchsförderung. Vorgestellt wurden neben der VDE Road Show, ein Projekt der Hochschulgruppe, das Schüler der Oberstufe für die Elektrotechnik begeistert. Auch ein Schulwettbewerb zur Elektrotechnik mit Unterstützung des Regierungspräsidiums Karlsruhe sowie die Summer University des VDE Südbaden und die IT Summer School des VDE Kurpfalz kamen zur Sprache. Parallel zur Präsentation im Plenum bot der VDE den Parlamentariern im Forum Anschauungsmaterial und Diskussionspartner zu diesen Aktivitäten.
In einem erfahrungsgeprägten Vortrag schilderte der Vorsitzende des Bezirksvereins Kurpfalz Karl-Friedrich Schilling die Wege der Bildung und Qualifizierung, mit dem provokativen Titel „vom Kindergarten bis zum Abitur“. Anschaulich erläuterte Schilling den Versuch, die Defizite der Mathematikkenntnisse bei Auszubildenden mit Nachhilfeunterricht am Samstag auszugleichen. Auch die soziale Kompetenz der jungen Menschen wurde in Zusammenarbeit mit der Werner-von-Siemens-Schule an einem Motivationswochenende gefördert. Besonders interessant für die Abgeordneten war der praktische Bezug dieser Beispiele, weichen sie doch vom üblichen Bildungsansatz ab. Mit einem eindringlichen Appell forderte Schilling die Abgeordneten auf, der Bildung noch höhere Priorität einzuräumen. Wichtig sei auch, in der bevorstehenden Bildungsdebatte Mittel für mehr Lehrpersonal und Unterrichtsmaterial und praktische Laborplätze bereitzustellen.
„Als Nutzen und Chancen des Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg“ fasste Günther Volz die Aussagen zu Bildung und Nachwuchsgewinnung zusammen, bevor die Fraktionen und Vertreter der Ministerien sich äußerten.
Das Potpourri der Stellungnahmen der Fraktionen eröffnete Paul Nehmet CDU. Er griff das Kernthema der Bildung auf. Mit der Aussage, dass Baden-Württemberg trotz zurückgehenden Schülerzahlen 500 Millionen Euro für die Bildung einsetzt, um die Situation zu verbessern, schlug Nehmet die Brücke zu den vorgebrachten Anliegen des VDE.
Dr. Rainer Prewo (SPD) schilderte, dass beispielsweise mit dem Projekt „Jugend forscht“ dem Nachwuchs zwar eine gute Plattform für interessante Betätigung geboten werde. Jedoch weise das Modell eine zu lange Reaktionszeit vom ersten Engagement bis zur Prämierung der Arbeiten auf. Über die Einflüsse dieser Nachwuchsarbeit auf die Wirtschaft ließe sich leider nur spekulieren, bedauerte er. Auf die aktuelle Wirtschaftssituation ging Prewo mit der Frage ein: „Wird die baden-württembergische Wirtschaft nach der Krise wieder so da stehen wie vor der Krise?“ und verband damit drei entscheidende Fragestellungen: „Gibt es genug Fachkräfte? Gelingt der Transfer der Forschungsarbeiten von den Hochschulen in die Produktentwicklung der Wirtschaft? Wie wird die Energiepolitik aussehen?“ Spannende Fragen, bei deren Beantwortung der VDE wertvolle Beiträge leisten kann, damit Baden-Württemberg „Technikland und Ingenieurland“ bleibt, war man sich einig.
Theresia Bauer (Grüne) sah den parlamentarischen Abend als willkommenen Beitrag zu den Diskussionen um Bildung und Haushalt im Landtag. Zur Ingenieurausbildung sagte sie: „Wenn wir nichts tun, steuern wir in größere Probleme“. Ihr Wunsch, die Abgeordneten durch den VDE weiter zu unterstützen, wurde gerne angenommen.
Auf die Tradition der Ingenieurarbeit in Baden-Württemberg ging Beate Fauser (FDP) ein, indem sie betonte: „Die Erfinder haben das Land zu dem gemacht, was es ist.“ Auch den Mangel an Lehrkräften für MINT-Fächer bestätigte die Abgeordnete und möchte die aktuellen Themen aufgreifen sowie den Dialog mit dem VDE fortsetzen.
Die Grüße der Umweltministerin Gönner überbrachte Ministerialdirektor Bernhard Bauer. Er sah die Themenschnittmengen mit dem VDE vor allem in der Nutzung erneuerbarer Energiequellen, der Energieeffizienz und der Energieeinsparung. Eine Zusammenarbeit mit dem VDE beurteilte Bauer als wertvoll und bot entsprechende einen engen Kontakt zwischen Ministerium und Verband an.
Diese Aussage griff Günther Volz in seinem Resümee auf, indem er forderte: „Wir brauchen das Bündnis aus Wirtschaft und Bildung“. Er bezog dabei natürlich auch die Politik ein und forderte die Abgeordneten auf, „die objektive Expertise durch den VDE zu nutzen.“ Um dies gleich zu praktizieren, lud Volz zum Erfahrungsaustausch und Diskussion ein.
Mit interessanten Gesprächen und einem Imbiss klang der erste parlamentarische Abend aus und die Teilnehmer meinten einhellig, dass die Veranstaltung nach einer Wiederholung verlangt.
Text: Ernst-Dieter Keller - VDE Kurpfalz Presse und Öffentlichkeitsarbeit