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Energieeffizienz 

VDE sieht Marktchancen durch hohe Energieeffizienz-Standards 

Frankfurt 

Normung leistet einen wichtigen Beitrag zur Energieeinsparung. Allein bei Hausgeräten wurde der Energieverbrauch in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent gesenkt. Dies entspricht einer Energieersparnis von 10 Terrawattstunden pro Jahr in Europa oder der Jahresleistung eines größeren Kernkraftwerkes. Durch Normen werden innovative technische Lösungen angetrieben, die sich auf dem Weltmarkt mit hochwertigen Produkten durchsetzen. Beispiele dafür sind Waschmaschinen, Backöfen, Kühl- und Gefriergeräte sowie Leuchten. Durch die stetige Weiterentwicklung konnte der Energieverbrauch allein von Waschmaschinen seit 1995 bereits um ein Drittel gesenkt werden, der von Kühl- und Gefriergeräte sogar um 40 Prozent. Die VDE-Normungsexperten gehen von weiteren Verbesserungen aus. Dabei ist Deutschland in Sachen Energieersparnis in der internationalen Normung federführend. So leiten deutsche Normungsexperten in der vom VDE getragenen DKE eine internationale Strategiegruppe zum Thema „Energieeffizienz“ sowie „Neue Energien/Umwelt“. Dr. Bernhard Thies, Mitglied der DKE-Geschäftsleitung, ist überzeugt: „Das erfolgreiche Zusammenspiel von Normung und Innovation hat bereits jetzt zu einer eindrucksvollen Energieersparnis geführt. Unsere Normungsexperten, Prüfingenieure und Energietechniker arbeiten daran, die Einsparpotenziale generell noch besser auszuschöpfen. Energieeffizienz bedeutet Klimaschutz, Kostensenkung und eine große Marktchance für innovative Lösungen aus Deutschland.“
 
VDE-Verbraucherstudie: Energieeffizienz wichtig für Kaufentscheidung
Zu den Großverbrauchern der Edelenergie Strom zählen die 39 Millionen Haushalte hierzulande. Knapp ein Drittel der in der Bundesrepublik genutzten Endenergie geht auf ihr Konto. Zu den größten Verbrauchern im Haushalt gehören Elektrogroßgeräte wie Kühltruhen, Geschirrspüler, Waschmaschinen, Trockner und Backöfen, die einen Anteil von immerhin 30 Prozent am gesamten Haushaltsstromverbrauch in Deutschland ausmachen. Im Jahre 1998 verbrauchten die Haushaltsgeräte rund 1164 Milliarden Kilowattstunden (kWh), was einem Anteil von knapp 2 Prozent am gesamten Energieverbrauch entspricht. Veränderte EU-Richtlinien verlangten daraufhin nach gravierenden Veränderungen in der Konstruktion von Elektrogeräten hin zum niedrigen Verbrauch.

Diese Beispiele sollten nach Meinung des VDE Prüf- und Zertifizierungsinstituts Schule machen, zumal der Verbraucher großen Wert auf energieeffiziente und umweltfreundliche Qualitätsprodukte legt. 82 Prozent der Bundesbürger ist bei der Kaufentscheidung die Energieeffizienz eines elektrischen Gerätes wichtig beziehungsweise sehr wichtig. Vielen Verbrauchern ist angesichts hoher Energiepreise heute bewusst, dass sich die Investition in Energie sparende Geräte sehr schnell bezahlt macht. Die Energiekennzeichnungspflicht bei Haushaltsgeräten gibt dabei Orientierung. Bis zu 200 Euro pro Lebenszyklus von 10 Jahren lassen sich mit einem Kühlschrank der A-Klasse gegenüber einem der B-Klasse einsparen. Stand der Technik ist allerdings bereits A++, mit dem erst etwa 90 der circa 2000 Modelle ausgezeichnet sind. Noch genauer müsse der Verbraucher bei Waschmaschinen und Geschirrspülern hinschauen, da es hier keine verbindliche Feinunterteilung gebe, meint Christoph Türk, Fachgebietsleiter für den Produktbereich Waschen, Spülen, Kühlen im VDE Institut, das in Streitfällen als Schlichter fungiert. Auch in anderen Produktbereichen kann das VDE Institut, dass die Maßnahmen zur Energieeffizienz durch Prüfung und Begutachtungsleistungen begleitet, Energiesparpotentiale erkennen. Allein im Bereich der elektrischen Antriebe wie beispielsweise Pumpen, Ventilatoren, Kompressoren, Zentrifugen und andere Aggregaten könnten in Deutschland weitere 27 Milliarden kWh elektrischer Energie pro Jahr eingespart werden.

VDE gibt internationaler Energienormung Impulse
Weniger bekannt als das VDE-Zeichen, das zwei Drittel der Bundesbürger kennen, ist die Tatsache, dass VDE-Experten erheblich zur Energieeffizienznormung beitragen. Über die vom VDE getragene DKE sind die deutschen Normungsfachleute in den europäischen und internationalen Normungsgremien CENELEC und IEC federführend an Normungsprojekten zur Steigerung der Energieeffizienz beteiligt. So arbeiten beispielsweise zahlreiche internationale Normungsgremien in den Feldern Elektrische Energieeffizienz, Brennstoffzellentechnik, Solartechnik und Hausautomation unter deutschem Vorsitz.

Die Normungserfolge beschränken sich dabei keineswegs nur auf die genannten Energiesparerfolge bei Hausgeräten und die Entwicklung von geeigneten Messverfahren wie etwa  Verfahren zur Messung der Gesamteingangsleistung von Vorschaltgerät-Lampe-Schaltungen. Auch den Energieverbrauch von Einrichtungen der Informationstechnik sowie Messverfahren für den Energieverbrauch von Audio-, Video- und verwandten Geräten haben die Normer der DKE längst im Visier. Das neueste Projekt betrifft das umweltbewusste Design von Geräten der Informations- und Kommunikationstechnik. Zentrale Inhalte sind neben dem materialeffizienten Design insbesondere die energieverbrauchsbewusste Konstruktion von Produkten durch einbeziehen von Energiesparmodi.

VDE-Partnerhilfe für Chinas Energieeffizienz
Dass Energieersparnis eine globale Aufgabe ist, zeigen die aktuellen Diskussionen um die Klimaschutz- und Energieproblematik. Umso wichtiger ist es, dass hohe Standards nicht nur in Deutschland angelegt werden. So stehen inzwischen auch in China die Themen Energieversorgung und Klimaschutz weit oben auf der Tagesordnung. Das von der chinesischen Regierung beschlossene „China Energy Label“, vergleichbar mit dem in der EU gebräuchlichen Energielabel, ist heute Pflicht. Das VDE Institut bietet die dafür nötigen Messungen einschließlich der erforderlichen Zulassung für den chinesischen Markt an – wichtig nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Wirtschaft. „Ohne die geforderten Energieeffizienzangaben können die davon betroffenen Produkte in China nicht vermarktet werden“, so Yen-Tien Yang vom VDE Institut. Das VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut ist seit Jahren renommierter Partner für Energieeffizienzmessungen. Der internationale Zertifizierungsservice des Instituts übernimmt die Zulassung des Produkts sowie die Herstellererklärung bei den behördlichen Stellen.

Energieeinsparung durch innovative Leistungselektronik
Energieersparnis allein per Dekret zu verordnen, funktioniert nicht. Normung geht vielmehr Hand in Hand mit technischen Innovationen. Hier eröffnen sich zahlreiche Innovations- und Marktpotenziale, etwa im Hinblick auf die Hausautomation (Smart House) oder die Standby-Problematik. Allein durch den Stand-by-Betrieb von Konsumprodukten gehen pro Jahr in Deutschland knapp 18 Mrd. kWh an elektrischer Energieleistung verloren. Das entspricht etwa der Jahresleistung aller deutschen Windenergieanlagen oder zweier mittelgroßer Kernkraftwerke. Durch den Einsatz vorhandener energiesparender Produkte und Technologien ließen sich in Deutschland über 40 Mrd. kWh Strom jährlich einsparen, was einer Reduktion um etwa 22 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr gleich käme. Ein wichtiger Schlüssel zur Effizienzsteigerung liegt dabei in den Potenzialen der Elektrotechnik und Elektronik selbst.

Ein wichtiger Punkt, an dem die Industrie den Hebel ansetzt, ist die Leistungselektronik. Mit ihrer Hilfe wird heute knapp die Hälfte der erzeugten elektrischen Energie bedarfsgerecht für die jeweilige Anwendung umgeformt und bereitgestellt. Innovationen in der Leistungselektronik können nach VDE-Experten ganz wesentlich zur Energieeinsparung und effizienteren Nutzung der elektrischen Energie beitragen. Dabei sind die Fortschritte bei den Leistungshalbleitern und Ihrer Anwendungstechnik unverändert die entscheidende Quelle für Innovationen in allen Anwendungsbereichen leistungselektronischer Komponenten und Systeme.

Um alle Potenziale der Elektrischen Energieeffizienz voll auszuschöpfen, muss aus VDE-Sicht an mehreren Punkten angesetzt werden. Verfügbare innovative Produkte und Technologien müssen konsequent genutzt werden, neue Normen und Messverfahren verabschiedet und angewandt werden. Nicht zuletzt sind einerseits Politik und Industrie aufgerufen, mehr Transparenz und mehr Anreize zu schaffen, andererseits der Verbraucher selbst, energieeffiziente Angebote wahrzunehmen. Dabei helfen Normen und Prüflabel. Darüber hinaus sieht der VDE auch die Chance zu einem Paradigmenwechsel in Energieeffizienzfragen. Denn gerade hier liegen die Marktchancen für Technik „Made in Germany“. Das starke Engagement deutscher Experten in Schlüsselkomitees der internationalen Normungsgremien ist vor diesem Hintergrund ein gutes Zeichen dafür, dass das hiesige Technikwissen weiterhin wichtige Akzente bei Zukunftsthemen wie Elektrische Energieeffizienz, Brennstoffzellen- und Solartechnik oder Hausautomation setzen wird.

Kontakt

Melanie Mora
Tel. 069 6308-461
melanie.mora@vde.com