- Alltagsanwendungen werden zum Innovationstreiber
- Komplexe Systeme von der Auto-Navi bis zum Firmen-Controlling
- Internationale Spitzenforscher zum Technologiegipfel „Fusion 2008“ in Köln erwartet
Ob bei Fahrerassistenzsystemen im Auto oder bei der Früherkennung von Terrorgefahren im Bahn- und Luftverkehr: die intelligente „Verschmelzung“ und Verarbeitung von Informationen in Echtzeit spielt zunehmend eine Schlüsselrolle für situationsgerechte Entscheidungen in der informatisierten Gesellschaft. „Informationsfusion“ heißt das junge und interdisziplinäre IT-Fachgebiet, das sich mit dieser Aufgabe beschäftigt. Nachdem „Informationsfusions-Systeme“ zunächst im militärischen Bereich entstanden, treiben nun zivile Anwendungen die Entwicklung an. Dadurch eröffnen sich nach Meinung des VDE für den Standort Deutschland beachtliche Marktpotenziale. Denn aufgrund seiner guten Technikposition – beispielsweise in der Systemtechnik und bei Sicherheitssoftware, in der Sensor- und RFID-Funkchip-Technologie – kann Deutschland seine Stärken gerade in solchen Anwenderbranchen ausspielen, in denen es traditionell gut aufgestellt ist – zum Beispiel in der Automobilindustrie, in der Automatisierungs-, Luft- und Raumfahrttechnik oder in der Sicherheits- und Medizintechnik. Auch die Bundesregierung setzt im Rahmen ihrer Hightech-Strategie mit dem „Förderprogramm Sicherheitsforschung“ wichtige Akzente.
Schon jetzt ermöglicht die intelligente Filterung, Verknüpfung, Analyse, Bewertung und Präsentation von Informationen mehrerer Sensoren (Sensordatenfusion) eine Vielzahl innovativer Anwendungen, die das Leben sicherer machen. So werden etwa bei intelligenten Fahrerassistenzsystemen die Bilddaten von Kameras mit Positionsangaben aus Radarsensoren automatisch abgeglichen und ausgewertet, um Hindernisse zu erkennen oder „Geisterobjekte“ auszuschließen. An Flughäfen lassen sich beispielsweise Sicherheitsassistenzsysteme einsetzen, die explosive Stoffe „riechen“ und diese Information mit biometrischen Informationen über Personen abgleichen, um Bedrohungen oder Anschläge abzuwenden. Im Medizin- und Pflegebereich lässt sich die patientengerechte Betreuung optimieren. Und auch im Brand-, Umwelt- und Katastrophenschutz hilft die schnelle Verknüpfung und Auswertung komplexer Daten dabei, Sicherheitsanalysen, -konzepte und -strategien zu verbessern und so das Krisenmanagement effizienter zu gestalten.
Praktisch jedes Geschehen kann überall in Echtzeit durch unterschiedlichste Sensoren beobachtet, per Internet übertragen und informationstechnisch verarbeitet werden. Dabei müssen allerdings auch bruchstückhafte, fehlerbehaftete und teilweise sogar widersprüchliche Daten zusammengeführt und zu qualitativ hochwertigem Wissen aufbereitet werden. Ziel ist ein für den Menschen verständliches Gesamtbild einer aktuellen Situation, das als sichere Basis für situationsgerechte Entscheidungen dient.
Die neuesten technischen Entwicklungen, Chancen und Anwendungstrends diskutieren mehr als 400 Experten aus 40 Ländern vom 30. Juni bis 03. Juli 2008 in Köln auf der 11. Internationalen Experten-Konferenz „Fusion 2008“. Mit dabei sind alle Spitzenforscher aus Europa und den USA. Gleichzeitig feiert die ISIF (International Society of Information Fusion) auf der Konferenz, die der VDE und seine Informationstechnische Gesellschaft sowie die Forschungsgesellschaft für angewandte Naturwissenschaft (FGAN) mitorganisieren, ihr 10-jähriges Bestehen. Dass inzwischen zukunfts- und vermarktungsfähige zivile oder militärisch-zivile „Dual-Use“-Anwendungen im Vordergrund stehen, spiegeln auch die Themen der rund 300 Vorträge auf dem Kölner Expertenkongress wider. Etwa die Hälfte der Präsentationen beschäftigt sich mit Alltagsanwendungen, von Sicherheitssystemen über Robotik, Fahrzeugbau und Produktionsüberwachung über unternehmensweite Controlling-Systeme bis zur Logistik. Die Konferenz richtet sich an Softwareentwickler, Forscher und Wissenschaftler, Entscheidungsträger in Behörden und Industrie, aber auch interessierte Privatleute, die sich mit „Information Fusion“ befassen. Mehr unter www.fusion2008.org.