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Schlaganfall auch mit Kathetereingriff behandeln 

Schlaganfall-Patienten sollten so schnell wie möglich in das nächste Krankenhaus transportiert werden, das über eine „Stroke Unit” verfügt. Mit Medikamenten können Ärzte dort das Blutgerinnsel im Gehirn auflösen, das den Schlaganfall ausgelöst hat. Doch diese Infusionsbehandlung, die Thrombolyse, kann das Blutgerinnsel nicht immer vollends entfernen. Deshalb sollte künftig nach der Thrombolyse vermehrt eine Katheterbehandlung zum Einsatz kommen. Mit ihr können Neuroradiologen verbleibende Gerinnsel entfernen und so den Therapieerfolg verbessern. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) anlässlich von zwei Studien hin, die vor Kurzem in den Fachzeitschriften „Stroke“ und „Lancet“ unter Beteiligung deutscher Neuroradiologen erschienen sind.

Verstopft ein Blutgerinnsel eine Hirnarterie, kommt es innerhalb weniger Minuten zum Absterben von Hirngewebe. Lähmungen oder Sprachstörungen können die Folge sein. Die neurologischen Störungen können sich in den nächsten Stunden mitunter dramatisch verschlimmern, weil sich der Hirninfarkt langsam ausdehnt. „Dies kann durch die sofortige Infusionsbehandlung oft verhindert werden”, sagt DGNR-Präsident Professor Dr. med. Rüdiger von Kummer, Leiter des Dresdner Universitäts-SchlaganfallCentrums. Die Therapie werde in Deutschland von zahlreichen Kliniken und interdisziplinären Schlaganfallzentren mit Computer- oder Magnetresonanztomographen angeboten. Diese Geräte würden benötigt, um auszuschließen, dass eine Hirnblutung den Schlaganfall ausgelöst hat. Dann sei eine Infusionsbehandlung streng verboten.

Doch das Zeitfenster für die Thrombolyse ist kurz. „Je früher die Therapie begonnen wird, desto besser sind die Chancen für den Patienten”, berichtet von Kummer. „Die Zeitgrenze liegt nach der im „Lancet“ vorgelegten Analyse bei nur viereinhalb Stunden. Danach ist eine Behandlung nur sinnvoll, wenn der Hirninfarkt trotz weiter bestehender Durchblutungsstörung nicht gewachsen ist. Dies kann jedoch mit einer Computer- oder Magnetresonanztomographie schnell erkannt werden.” Die Erfahrung zeige auch, dass die Auflösung des Blutgerinnsels mit der Thrombolyse bei nur etwa 40 Prozent der Patienten gelingt. Manchmal bleibe das Blutgefäß nach der Infusion eines Thrombolytikums teilweise oder vollständig verschlossen.

An einigen Zentren bieten Neuroradiologen deshalb eine zusätzliche Katheterbehandlung an. „Beim Herzinfarkt, der wie die meisten Schlaganfälle durch einen Gefäßverschluss ausgelöst wird, ist dies längst Standard”, erklärt von Kummer. „Technisch ist dies auch beim Schlaganfall möglich. Das Gerinnsel wird mechanisch beseitigt. Manche Zentren verlegen auch Stents, kleine Röhrchen, die einen erneuten Verschluss verhindern sollen. Es scheint sich zu bewähren, beim Versagen der Infusionsbehandlung die invasive Thrombusentfernung einzuleiten.” Dies führte zu dem Prinzip „drip and ship“, also „Infundiere und verlege den Patienten“, so der Experte. Die Neuroradiologie und Neurologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München kam damit zu sehr guten Ergebnissen.

Das Konzept ist neu und zunehmend an Schlaganfall-Zentren möglich, die mit umgebenden Krankenhäusern telemedizinisch verbunden sind. „Bislang werden in Deutschland erst wenige hundert Patienten pro Jahr so behandelt”, berichtet der DGNR-Präsident. „Unsere Empfehlung ist, dass die Stroke Units geeignete Patienten nach der Thrombolyse in diese Zentren verlegen.” Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Behandlungsansatz seien gut. Doch wie immer bei neuen Therapien könne der Stellenwert erst nach dem Abschluss größerer Studien beurteilt werden. „Die Zeit für eine solche Studie ist jetzt gekommen. Sie wird schon vorbereitet”, so von Kummer.