Innovationen in der Medizintechnik 

Trends der Biomedizinischen Technik 

Neuroimplantate

Frankfurt 

In Europa leben ca. 300.000 querschnittsgelähmte Personen. Bedingt durch eine hohe Zahl von Sport- und Motorradunfällen ist der Patientenanteil unter 40 Jahren besonders hoch. Muskeln können durch Elektroden, die auf der Haut angebracht sind, stimuliert werden. Die externe Stimulation von 12 Beinmuskeln ist jedoch sehr aufwendig, die Funktionen von Blase und Schließmuskel können nicht von außen gesteuert werden. Implantate, die direkt mit den Nerven verbunden sind, werden benötigt. Erste einsatzfähige Systeme für die Steuerung der Blasenfunktion sind in England (Finetech Ltd, Welwyn Garden City) entwickelt worden. Das System besteht aus einer externen Kontrolleinheit, die über einen Transponder das Implantat steuert. Das Implantat ist über vier Platin-Iridium-Elektroden mit den Nerven verbunden. Systeme, die die Bein- und Fußmuskeln steuern, sind aus der Grundlagenforschung bereits bekannt.
An Implantaten zur Vermeidung des unkontrollierbaren Zitterns bei Parkinson-Erkrankungen, zur Reduzierung von epileptischen Anfällen und zur Minderung der Folgen von Schlaganfällen wird bereits gearbeitet.
Die Zukunftsprognosen für die Entwicklung und den Einsatz von Neuroimplantaten sind äußerst positiv. Durch die Erhöhung der Integrationsdichten in mikroelektronischen Schaltkreisen und der Einführung der Low-power Technologie werden verteilte Mikrosysteme möglich. Neuroimplantate mit integrierter Intelligenz könnten direkt am Anwendungsort als Sensor oder Aktor implantiert werden. Ausgestattet mit moderner Transpondertechnik würden sie durch eine externe Kontrolleinheit gesteuert. Der erfolgreiche Einsatz von Neuroimplantaten wird lediglich durch technologische Grenzen beschränkt. Das ständig wachsende Wissen in der Molekular- und Zellbiologie, kombiniert mit Mikrosystemen, wird zu biohybriden Systemen führen. Diese Verbindung erlaubt die natürliche Fixierung von Implantaten im Körper durch Einwachsen ebenso wie die einfache Ankopplung des Implantats an die Nerven.