Contracting ist heute in aller Munde. Diese Versorgungsform wird als Königsweg betrachtet, um die vielerorts vorhandenen dezentralen Einsparpotenziale im Strom-, Wärme- und Gasmarkt zu heben bei gleichzeitig für alle Parteien lohnenden wirtschaftlichen Ergebnissen. Trotz dieser vielversprechenden Möglichkeiten ist die Zahl der bisher im Rahmen von Contracting umgesetzten Projekte noch gering. Begründet liegt dies u.a. in den unzulänglichen Kenntnissen über die hiermit verbundenen rechtlichen Rahmenbedingungen und Abhängigkeiten zwischen Contractor und versorgten Kunden.
Auch die ETG sieht in der Versorgung über Contracting eine interessante Versorgungsform, insbesondere für die Energieversorgung im dezentralen Bereich. Dies gilt umso mehr, da sich die ETG mit ihren Fachausschüssen V 1.1 „Brennstoffzellen“ und V1.2 „Netzanschluss und dezentrale Strukturen“ intensiv mit der dezentralen Energieversorgung, einem für das Contracting prädestinierten Bereich, auseinander setzt.
Unter Verantwortung der genannten Fachausschüsse fand deshalb am 26. Januar 2006 zum zweiten Mal ein Workshop zu dem Thema Contracting statt. Im Gegensatz zur ersten Veranstaltung im Sommer 2004, bei der der Schwerpunkt der Vorträge bei vertraglichen und juristischen Fragestellungen lag, wurde dieses Mal den Teilnehmern ein ausgewogener Mix von Vorträgen zu energiewirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen, systemtechnischen Anforderungen sowie Beispielen zur erfolgreichen Umsetzung von Projekten angeboten.
Der Erfolg der Veranstaltung bestätigte das gewählte Konzept. Über 30 Teilnehmer folgten der Einladung und unterstrichen durch eine lebhafte Diskussion den Workshop-Charakter der Veranstaltung. Die Bewertung durch die Teilnehmer spiegelte den Eindruck der Veranstalter wider. Für fast 65% der Teilnehmer entsprach die Veranstaltung voll den Erwartungen, die übrigen 36% zeigten sich weitgehend zufrieden. Das gewählte Konzept kann damit als gelungen gewertet werden.
Der Workshop fand im VDE-Haus in Frankfurt unter leicht beengten Raumverhältnissen statt, doch, was scheinbar ein Manko war, bot im Rahmen eines Workshops offensichtlich Vorteile – es erleichterte die Diskussion; Die dicht nebeneinander sitzenden Teilnehmer verloren im Vergleich zu großen Veranstaltungsräumen schneller ihre Zurückhaltung, im Rahmen der Diskussion zu den Vorträgen Stellung zu beziehen.
Ein Highlight der Veranstaltung war das gemeinsame Abendessen mit Dinner-Speech am Vortag. Es bot den Teilnehmern nicht nur die Chance, sich frühzeitig kennen zu lernen. Neben den kulinarischen hessischen Spezialitäten, die die Gaumen der Teilnehmer erfreuten, war es vielmehr der interessante Vortrag von Professor Schröppel zur VDE-Studie „Energieversorgung 2020“, der dem Abendessen einen besonderen Anstrich verlieh. Aus Sicht der Veranstalter kann die Kombination aus Abendessen mit Dinner-Speech in Verbindung mit der Durchführung eines Workshops besonders empfohlen werden.

Dinner Speech mit Prof. Schröppel, ETG-Vorsitzender
Die bisher positiven Erfahrungen mit den zurückliegenden Workshops sprechen dafür, dass die veranstaltenden Fachausschüsse auch zukünftig in diesem Sinne aktiv werden wollen. Als Schwerpunkt der nächsten Veranstaltung ist die Präsentation erster Zwischenergebnisse zu der derzeit in Arbeit befindlichen Studie zur „Dezentralen Energieversorgung“ geplant.
Dipl.-Ing. Martin Pokojski, Vattenfall Europe Berlin AG und CoKG
Vorsitzender des ETG-Fachausschusses V1.1 „Brennstoffzellen“, Workshopleiter