2007-oeffentlich 

Zukunftsperspektiven des Elektroingenieurs in den Bereichen Energietechnik und Energiewirtschaft 

Argumente für das Studium der Energietechnik

Frankfurt 

Seit Beginn vor ca. 100 Jahren ist das Thema elektrische Energieversorgung noch nie so stark von der breiten Öffentlichkeit diskutiert worden wie heute. Die Liberalisierung des Strommarktes, der vermehrte Einsatz regenerativer Energien wie Wind, Wasser und Sonne, der Ausstieg aus der Kernenergie, die Brennstoffzelle, CO2-Minderung und Klimagipfel sind Themen, die verdeutlichen, welche zentrale Bedeutung die Energieversorgung für unsere Gesellschaft und die hochindustrialisierte und  technisierte Wirtschaft und deren Wettbewerbsfähigkeit hat. Die Deckung des weltweit stark steigenden Energieverbrauchs, insbesondere mit der veredelten Energieart Strom, wird daher auf absehbare Zeit eine zunehmend anspruchsvollere Aufgabe für Ingenieure jeder Art, vornehmlich aber Energietechniker und -wirtschaftler, werden.

Die Energieversorgung ist nur eine Branche, in denen Energietechniker in komplexen Aufgabengebieten eine Schlüsselrolle spielen. Zusätzlich sind beispielhaft die Automobil-, Bahn- und Fahrzeugtechnik, die Antriebstechnik und Leistungselektronik sowie die Robotik und der Flugzeugbau zu nennen. In all diesen Bereichen steht neben der informationstechnischen Komponente die Frage nach der Versorgung mit Energie und der Abführung von Wärme im Mittelpunkt.

Das Arbeitsumfeld des Energietechnikers ist geprägt durch einen schonenden Umgang mit Ressourcen, hoher Verantwortung für die Versorgungssicherheit und den Schutz von Leib und Leben, Innovation von der Technik bis zu den wirtschaftlichen Auswirkungen. Die Energietechnik vereinigt dabei alle Ingenieurdisziplinen sowie Elemente der Betriebswirtschaftslehre in sich und garantiert ein interdisziplinäres Arbeitsumfeld. Auch stellt die zunehmende Internationalisierung der Industrie hohe Anforderungen an die Ingenieure.

Energietechnik und -wirtschaft als bedeutender Standortfaktor
(Argumentation in Richtung Ministerien, Hochschulen, Politik)

Die Energiebranche mit mehreren Hunderttausend Arbeitsplätzen in Deutschland ist nicht nur für sich genommen ein bedeutender Wirtschaftszweig. Sie bildet zudem die Basis für viele andere Branchen, die auf eine zuverlässige, qualitativ hochwertige und wirtschaftliche Versorgung mit elektrischer Energie angewiesen sind.

Dieser für den Standort Deutschland wichtige Wirtschaftszweig ist nicht nur vom aktuellen, generellen Ingenieurmangel betroffen, sondern leidet zudem unter der zunehmenden Streichung energietechnischer und -wirtschaftlicher Studiengänge an Fachhochschulen und Universitäten. Dies belastet die Unternehmen zusätzlich durch Schulungskosten und höhere Einarbeitungszeiten. Die effiziente Umsetzung politisch geforderter Veränderungen, wie Kernenergieausstieg, verstärkter Einsatz regenerativer Energien, dezentrale Energieversorgung, CO2-Minderung etc., wird nicht zuletzt durch den Mangel an kompetenten Nachwuchsingenieuren mit dem erforderlichen Innovationspotential in Frage gestellt.

Vertiefungsrichtungen in den Studiengängen Elektrotechnik und Maschinenbau sowie gewisse Pflichtfächer im Bereich der Energieversorgung, vor allem aber die Ausstattung der Hochschulen mit entsprechender energietechnischer und -wirtschaftlicher Expertise, sind Grundvoraussetzungen für den nachhaltigen Bestand dieser wertschöpfenden Industrie am Standort Deutschland.

Ein weiterer Grund für den Nachwuchsmangel besonders in der Energieversorgungsbranche ist die oft negative Darstellung dieses Wirtschaftszweiges durch die Politik und die Presse: Die Risiken und Nachteile, die der Gesellschaft durch ihren enormen Energiehunger entstehen, werden in den Vordergrund gestellt und der Branche angelastet. Dadurch, dass die Energietechnik in den Medien nicht oder nur negativ präsent ist, haben die Energietechniker nur geringen Zulauf. Es ist jedoch festzustellen, dass die elektrische Energieversorgung in Deutschland zu den sichersten, modernsten und umweltschonendsten in der Welt gehört und die deutsche Industrie davon durch weltweite Exporte profitiert. Der Ansturm auf das Informatikstudium, trotz derzeit massiven Stellenabbaus vieler Unternehmen gerade in diesem Bereich zeigt, dass die ständige Präsenz der Informatik in Presse und Medien als aktives "Marketing" hilfreich ist. Eine ähnliche und politisch ebenso intensiv geführte Diskussion zum Ingenieurbereich könnte sicherlich einen positiven Beitrag leisten und zum Teil die oft am Bedarf vorbeigehende Studienwahl der Abiturienten in für die Volkswirtschaft und die Unternehmen nutzbringende Bahnen lenken.

Energietechnik und -wirtschaft als interessantes und zukunftssicheres Beschäftigungsfeld
(Argumentation in Richtung Abiturienten, Schüler, Studierende, Eltern und Lehrer sowie Arbeitsämter und Berufsberater)

Elektrische Energieversorgung

Elektrische Energie in Form von Licht, Kälte, Wärme oder mechanischem Antrieb sind für uns selbstverständlich und nicht mehr aus dem Leben wegzudenken. Dabei denkt man in der Regel nicht darüber nach, was erforderlich ist, um die elektrische Energieversorgung zuverlässig und kostengünstig und ressourcenschonend sicherzustellen.

Verantwortlich dafür sind die Energieversorgungsbranche und ihre Zuliefererindustrie. Dieser hochmoderne und innovative Wirtschaftszweig beschäftigt sich nicht nur mit der Herstellung und dem Betrieb der Kraftwerke, Netze und elektrischen Anlagen, sondern umfasst auch die Steuerung und Kontrolle aller technischen und wirtschaftlichen Abläufe bis hin zum Verbraucher. Die Energieversorgungsbranche bildet darüber hinaus die Basis für viele andere Wirtschaftszweige, die auf eine sichere und qualitativ hochwertige Stromversorgung angewiesen sind. Durch die Öffnung des Strommarktes für den Wettbewerb sind die neuen Marken der Energieversorger seit wenigen Jahren auch in aller Munde: Yello Strom, avanza, e-on Mixpower und viele andere.

Fast unabhängig von der kurzfristigen wirtschaftlichen Entwicklung hat die Energieversorgungsbranche einen stetigen Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften: Elektrotechnik- und Maschinenbauingenieure von Fachhochschulen und Universitäten. Unabhängig von der Vertiefungsrichtung, aber idealerweise mit Kenntnissen im Bereich der Energietechnik oder -wirtschaft, finden diese Ingenieure bei Unternehmen der Energiebranche anspruchsvolle und interdisziplinäre Aufgaben mit sehr guten Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten.

Dabei bieten sich die verschiedensten Arbeitgeber für eine Karriere im Bereich der Energieversorgung an:

  • Große Energiekonzerne wie e-on oder RWE, die weltweit Erzeugungsportfolios aufbauen, mit Strom handeln oder Netze betreiben.
  • Regionale und kommunale Versorger mit sehr breitem Betätigungsfeld und lokal verwurzelten Aufgaben.
  • Industrieunternehmen wie Siemens, ABB oder Alstom, die Kraftwerke, Schaltanlagen, Automatisierungs- und IT-Systeme für die Beherrschung der Geschäftsprozesse liefern.
  • Beratungsunternehmen, wie accenture oder AT Kearney, die den Energieunternehmen helfen, sich wirtschaftlich und technisch auf die neuen Herausforderungen des Wettbewerbs vorzubereiten.
  • Ministerien, Behörden und Verbände, die den Strommarkt und die technischen Systeme sowie Rahmenbedingungen mitgestalten.

Diese Unternehmen und Institutionen müssen nicht nur sicherstellen, dass unter den derzeitigen Rahmenbedingungen die Energieversorgung aufrecht erhalten bleibt, sondern es ist zudem ein Umbau der Versorgungsstrukturen zu leisten, der vor allem den Ingenieuren Spitzenleistungen und Innovation abfordern wird:

  • Der weltweite Energiebedarf wächst ständig und die fossilen Energieträger wie Kohle, Gas und Öl sind begrenzt. Der in Deutschland beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie erhöht noch die Notwendigkeit, neue, nachhaltige und emissionsarme Energiequellen wie Windkraft, Sonnenenergie, Erdwärme oder auch Brennstoffzellen zur wirtschaftlichen Einsatzreife zu bringen.
  • Die Liberalisierung und Globalisierung der Energiemärkte erfordert Wettbewerbsdenken und neue informationstechnische Werkzeuge, die die Brücke zwischen technischen und kommerziellen Prozessen bilden.
  • Zunehmende Stromerzeugung in kleinen, dezentralen Anlagen in Verbrauchernähe.

Andere Branchen

Der Einsatz elektrischer Energietechnik ist in vielen weiteren Branchen essentiell und wächst ständig. Aus modernen Kraftfahrzeugen ist die Energietechnik vom Antrieb über das Fahrwerk bis zum Komfort nicht mehr wegzudenken. Gleiches gilt für die Bahntechnik und den Flugzeugbau und selbstverständlich die Robotik. Moderne Antriebs- und Umrichtertechnik in Verbindung mit intelligenten Steuerungen und Informationstechnik bilden das Herz vieler Industrieprodukte und Konsumgüter. Praktisch überall, wo sich etwas bewegt oder etwas bewegt werden muss, ist elektrische Energietechnik im Spiel.

Neben den Großkonzernen gibt es tausende von mittelständischen Unternehmen, die auf die Leistungen der Energietechnikingenieure angewiesen sind und sehr breite Aufgabenfelder bieten.

Das Ingenieurstudium der Elektrotechnik oder des Maschinenbaus, nach Möglichkeit mit Vertiefungsrichtung Energie oder entsprechenden Wahlfächern bildet die ideale Basis für dieses interessante und zukunftsweisende Berufsumfeld. Selbständiges und eigenverantwortliches Arbeiten in Kombination mit herausfordernden und praxisbezogenen Aufgaben bilden zudem die ideale Basis für eine sichere Beschäftigung, einen guten beruflichen Werdegang und ausgezeichnete Karrierechancen.

Kontakt

ETG-Fokusgruppe Zukunftsperspektiven

Prof. Dr.-Ing. Detmar Arlt
Dr.-Ing. Bernd Flechner
Dipl.-Ing. Grunder
Prof. Dr.-Ing. Peter Schegner