VDE-AR-N 4105:2011-08 - Technische Anschlussbedingungen 

VDE-Vorschrift stellt Weichen für die verbesserte Integration dezentraler Erzeugungsanlagen ins Stromnetz 

VDE-Anwendungsregel "VDE-AR-N 4105:2011-08 Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz, Technische Mindestanforderungen für Anschluss und Parallelbetrieb von Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz"

01.08.2011 

Photovoltaik-, Windkraft- und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen haben alle eins gemeinsam: sie erzeugen dezentral Strom. Damit die zunehmend so erzeugte Leistung störungsfrei und effizient ins Stromnetz eingespeist werden kann, sind aktualisierte technische Regeln nötig. Eine VDE-Anwendungsregel legt diese jetzt fest.

Die rasante Zunahme der installierten Leistung von in das Niederspannungsnetz einspeisenden Erzeugungsanlagen (wie bspw. Photovoltaik- und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen) erfordert neuartige Lösungen an der Schnittstelle von elektrischer Anlage und Netz. Eine Projektgruppe im FNN unter Beteiligung aller betroffenen Fachkreise hat eine VDE-Vorschrift erarbeitet mit dem Ziel, durch standardisierte technische Anforderungen dezentrale Stromerzeugungsanlagen besser in das Stromnetz zu integrieren.

In Deutschland speisen derzeit allein Photovoltaik-Anlagen mit einer Nennleistung von etwa 14 GW in das Niederspannungsnetz ein. Dieser hohe Anteil besitzt mittlerweile erhebliche netz- und systemtechnische Relevanz.

Die VDE-Anwendungsregel legt zunächst grundsätzliche Anforderungen an eine so genannte "symmetrische Drehstromeinspeisung" von Erzeugungsanlagen, insbesondere mit Blick auf Umrichter-basierte Erzeugungsanlagen, fest.

Durch eine gezielte Blindleistungsbereitstellung sollen sich Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz künftig an der statischen Spannungshaltung beteiligen.

Die VDE-Anwendungsregel beschreibt weiterhin Anforderungen an eine frequenzabhängige Wirkleistungssteuerung, um insbesondere die Systemstabilität im Falle von Überfrequenz zu gewährleisten (siehe "50,2 Hz-Problem"). Ziel ist die Gewährleistung eines weiterhin sicheren und zuverlässigen Netz- und Systembetriebs mit hoher Versorgungsqualität.

Die VDE-Anwendungsregel gilt seit 1. August 2011. Zum Anwendungsbeginn waren Übergangsfristen vorgesehen, die allen betroffenen Akteuren die Umsetzung und Einführung erleichtern sollten. Für Photovoltaik-Anlagen am Niederspannungsnetz wurde die Anwendungsregel zum 1.1.2012, für alle anderen Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz zum 1.7.2012 verbindlich. Die VDE-Anwendungsregel soll Bestandteil der technischen Anschlussbedingungen eines Netzbetreibers werden. Mit der Anwendung der VDE-AR-N 4105 existiert ein verlässlicher Standard, der allen Beteiligten Planungs- und Handlungssicherheit gibt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • VDE-Vorschrift erleichtert Netzintegration von dezentralen Erzeugungsanlagen
  • Kern der VDE-AR-N 4105 bilden netzstützende Funktionalitäten zur Gewährleistung eines sicheren und zuverlässigen Netzbetriebs für eine möglichst hohe Einbindung von Erzeugung in das Niederspannungsnetz
  • VDE-AR-N 4105 als Bestandteil der technischen Anschlussbedingungen (TAB) eines Netzbetreibers vorgesehen

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