Bayerischer VDE-Abend 2019

VDE CEO Ansgar Hinz und Staatsministerin Dorothee Bär diskutierten über die digitale Zukunft Deutschlands.

| Rita Modl / VDE
24.11.2019 622 0

„German Engineering ist stärker denn je’’

Im Rahmen der feierlichen Verleihung der Bayerischen VDE-Awards in München diskutierten Staatsministerin Dorothee Bär und der Vorstandsvorsitzende des VDE, Ansgar Hinz über die Frage: Wie digital denkt Deutschland?

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Leiter VDE Bayern

Der VDE in Bayern rückt zusammen. Zum ersten Mal vergaben VDE Nordbayern und VDE Südbayern gemeinsam die jährlichen VDE-Awards und zogen dafür mit der Veranstaltung in den großen Festsaal des Bayerischen Hofes in der Landeshauptstadt. Auch prominenter Besuch war diesmal anlässlich der Preisverleihung zu Gast: Dorothee Bär, die seit 2018 Staatsministerin für Digitalisierung in Berlin ist, suchte in der Diskussion mit VDE-CEO Ansgar Hinz Antworten auf die Frage: ’’Wie digital denkt Deutschland?’’

Staatsministerin Dorothee Bär, MdB

| VDE / rimo-design

Dorothee Bär, gebürtige Fränkin, verbindet viel mit dem Standort Bayern. Doch egal welches Bundesland oder welche Stadt: Die Vorbehalte und Bedenken gegenüber der Digitalisierung seien überall in Deutschland zu spüren, berichtete die CSU-Politikerin, es fehle das Vertrauen, die Herausforderungen in der Digitalisierung in den Griff zu bekommen. Auch das Vertrauen in die politische Stabilität sei dramatisch gesunken, so Bär. Empfanden im Jahr 2015 noch 81 Prozent der Deutschen hierzulande politische Stabilität, so sind es heute, nur vier Jahre später, laut einer Allensbach-Umfrage nur noch 57 Prozent.

’’Besitzstandswahrer haben in unserem Land mehr das Sagen, als uns lieb ist’’, erklärte Dorothee Bär auf der VDE-Bühne. Sie hatte dafür auch viele Beispiele aus ihrer täglichen Arbeit mitgebracht, besonders beim Thema digitale Bildung gebe es in vielen Bereichen noch ein ’’Erkenntnisproblem’’, beschreibt es die Politikerin, die selbst drei schulpflichtige Kinder hat und die Situation an Schulen kennt. ’’Wir diskutieren noch viel zu häufig über das Ob und noch gar nicht über das Wie’’, erklärte Bär, die sich unter anderem für ein Schulfach Digitalisierung einsetzt. Denn: ’’Kinder sollten lernen die Technik zu beherrschen, um später nicht von ihr beherrscht zu werden’’, ist die Politikerin überzeugt. Aus ihrer Sicht sollten Kinder bereits in der Schule die digitalen Grundfertigkeiten und neue Arten der Zusammenarbeit erlernen. ’’Wir müssen die Schülerinnen und Schüler auf Berufe vorbereiten, die es heute noch gar nicht gibt’’, appellierte Bär. Noch hänge die Umsetzung von digitalen Unterrichtselementen an Schulen an engagierten Einzelpersonen, beschrieb Bär die Situation. Natürlich müsse später nicht jedes Kind auch Programmierer werden – ein Argument, das der Politikerin häufig entgegengebracht werde. ’’Aber ein paar mehr wären schon schön’’, erklärte Dorothee Bär mit Blick auf den dringend gesuchten IT-Nachwuchs in Deutschland.

Ansgar Hinz, Vorstandsvorsitzender des VDE 

| VDE / rimo-design

Auch Ansgar Hinz, Vorstandsvorsitzender des VDE sieht dringenden Handlungsbedarf in der digitalen Bildung. Unter anderem brauche es die Einführung zeitgemäßer Methoden, neue Lehrpläne und eine neue Didaktik, so Hinz, der die wachsende Konkurrenz aus China und den USA beschrieb. Schon heute sei klar, dass der Kampf gegen diese Nationen quantitativ, etwa im Bereich von Künstlicher Intelligenz, nicht mehr zu gewinnen sei. Denn während der Bund bis 2025 rund drei Milliarden Euro in die KI-Strategie investieren will, würden in den USA jährlich allein 1,3 Mrd. Dollar in KI investiert, in China solle es bis 2030 sogar 150 Mrd. Dollar sein.

Diesen rein zahlenmäßigen Vergleich wollte Dorothee Bär unter anderem im Hinblick auf die unterschiedlichen Bevölkerungszahlen nicht gelten lassen. Aus ihrer Sicht bietet eine europäischer Weg in Sachen KI, also eine ’’AI made in Europe’’ große Chancen, etwa durch die Berücksichtigung ethischer Aspekte. Allerdings, so warnte Bär, dürfe Ethik auch nicht das Argument dafür sein, viele Projekte in Forschung und Entwicklung erst gar nicht anzugehen. 

Vision für Deutschland und Blaupause für digitale Bildung 

Diese Gefahr sieht auch Ansgar Hinz, der insgesamt vor Überinterpretationen von Regulierung und einer ’’analogen Überantragisierung’’ warnte. Die Energiewende, so Hinz, mache sich Deutschland beispielsweise selbst gerade als Exportschlager kaputt, gleiches gelte für die DSGVO. Hinz rief die Politik dazu auf, insbesondere den Mittelstand als wichtige Säule der deutschen Wirtschaft deutlich zu stärken. Zwar verblasse die Marke ’’Made in Germany’’ aus seiner Sicht, doch sei ’’German Engineering’’ stärker denn je. So könne das Thema Cybersecurity als DNA implementiert und der Schutz der digitalen Souveränität zum neuen Markenzeichen für German Security und German Identity werden. ’’Die Aufgabe der Politik ist es nun, eine Vision für den Standort Deutschland zu entwickeln.’’ Es brauche ein klassisches Modell mit Vision, Strategie, Umsetzung und Monitoring, wobei Strategie und Umsetzung gemeinsam mit Partnern funktionieren könne. Hinz setzte sich in diesem Zusammenhang für eine zielgerichtete Wirtschaftsförderung ein, mit einer Flächengrundversorgung der Kommunikationsnetze und einer kompetenzbasierten Standortpolitik.

Bayerischer VDE-Abend 2019
Rita Modl / VDE

Um eine gemeinsame Vision speziell für die digitale Bildung voran zu bringen, arbeitet Dorothee Bär unter anderem mit dem hessischen Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz als Präsident der Kultusministerkonferenz und Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung zusammen. Noch sei nicht ein einziger Euro aus dem Fünf-Milliarden schweren Digitalpakt Schule geflossen, erklärte Bär. Ansgar Hinz schlug daraufhin vor, dem VDE einen Prozent aus dem Digitalpakt zu überlassen, um innerhalb eines Jahres ein funktionierendes und skalierbares Modell zu entwickeln. ’’Lassen Sie uns einen Blueprint schaffen, wie digitale Bildung aussehen kann’’, so die Idee des VDE-Vorstands, der im Anschluss an die Diskussion von Dorothee Bär eine Einladung zum Treffen in Berlin erhielt, um Alexander Lorz und Anja Karliczek zu überzeugen.

Bayerische VDE Awards 2019 verliehen

VDE e.V.
22.11.2019 Preis

Bayern zählt zu den international führenden Standorten der Elektro- und Informationstechnik. Gerade hier engagiert sich der VDE auf vielfältige Weise für Innovation und Wissenstransfer, Normung und Sicherheit, Nachwuchsförderung und die Vernetzung von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft. Beim Bayerischen VDE-Abend treffen sich Führungskräfte aus Hochschule und Wirtschaft der High-Tech-Region Bayern, Experten und Expertinnen aus Politik und Wirtschaft und weitere Gäste. Sie erwartet ein spannendes Programm und die Verleihung der VDE-Awards.

Preisträger und Impressionnen

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