08.06.2009 Fachinformation 1074 0

15.6.1752: Benjamin Franklin erfindet den Blitzableiter

Der Bostoner Buchdruckers und Schriftstellers Benjamin Franklin befasste sich Zeit seines Lebens mit naturwissenschaftlichen Fragen. Ab 1747 beschäftigte er sich mit der Theorie der Elektrizität, dort insbesondere mit Funken, die bei elektrischen Entladungen entstehen. In Briefen an einen Freund beschrieb er dann eine Theorie, die in ihren Grundzügen noch heute gültig ist.

Man vermutete zu dieser Zeit bereits, dass ein Blitz nichts anders sei als ein Funke in großem Maßstab. Es war jetzt Franklins Verdienst, dass er 1750 erstmals eine experimentelle Anordnung zur Untersuchung dieser Annahme beschrieb. Zwei Jahre später setzte er seine Versuchsanordnung in leich geänderter Form in die Praxis um: Mit einem so genannten elektrischen Drachen wollte er die elektrische Ladung einer Gewitterwolke über die leitende Halteschnur nach unten ableiten und wie bei den "Funkenmaschinen" an einem metallenen Schlüssel sammeln. Aus diesem Schlüssel müsste man, wenn seine Idee richtig war, Funken ziehen können so wie aus den damals verbreiteten "Elektrisiermaschinen".

Um sich dem Gespött der Leute zu entziehen, ließ er diesen Drachen nur in Anwesenheit seines Sohnes am 15. Juni 1752 bei heranziehenden Gewitterwolken steigen. Und tatsächlich trat ein Fuken auf - die Hypothese über den Blitz war bewiesen.

Als praktisch veranlagter Mann schloss Franklin daraus, dass man die schädlichen Wirkungen eines Blitzschlags von den Gebäuden ableiten könnte, wenn man auf oder neben ihnen Eisenstangen errichten und diese mit dem Erdboden verbinden würde. Im 13. seiner Briefe nach London stellte er 1753 diese Idee ausführlich vor, und sie verbreitete sich rasch. So soll schon im Jahr darauf ein mährischer Pfarrer den ersten dieser "Blitzableiter" in Europa gebaut haben. 1760 wurde auf dem Haus des Kaufmanns West in Philadelphia die vermutlich erste Franklin´sche Fangstange in den USA errichtet. Bei einem bald darauf erfolgten Einschlag wurde lediglich ein Teil der Stange abgeschmolzen. Ein sehr überzeugender Beweis – so schrieb ein Mitarbeiter Franklins – für die große Nützlichkeit dieser Methode, die schrecklichen Folgen eines Blitzschlages zu vermeiden. Der erste deutsche Blitzableiter wurde 1769 auf dem Hamburger Jacobikirchturm errichtet.

Obwohl Franklin schon bei seinem Schilderhaus-Experiment vor möglichen Gefahren gewarnt hatte, führte die Sorglosigkeit bei den Gewitterversuchen schließlich zu einem schweren Unfall, bei dem im August 1753 der Petersburger Physikprofessor Georg Wilhelm Richmann den Tod fand: Der Blitz schlug in die aufragende Metallstange und entlud sich über den Forscher zur Erde. Damit fanden die allerorts stattfindenden Gewitter-Experimente ein jähes Ende.

Quelle:
Carten Heinisch in: http://www.kalenderblatt.de > 15.6.1752
Peter Hesse in: Geschichte der Elektrotechnik 20 - Der Weg zum modernen Blitzschutz, VDE-Verlag


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