04.10.2006 Frankfurt Seite 14 0

Großfeuer vernichtet Scheune - Schaden rund eine halbe Million Euro

Brandursache: Blitzeinschlag in Gewitternacht?

Ein Großbrand zerstörte in der Nacht zum Sonntag einen Schuppen- und Scheunen-Komplex im Gewann Halden unterhalb von Hagelloch. Die Polizei schätzt den Schaden auf mindestens eine halbe Million Euro. Das Feuer wurde gegen 22.35 Uhr von Autofahrern entdeckt und per Handy gemeldet. Da zu diesem Zeitpunkt starke Gewitter über Tübingen niedergingen, liegt der Verdacht nahe, dass der Brand durch einen Blitzeinschlag ausgelöst wurde. Verletzt wurde niemand.

Ein Mähdrescher, zwei Traktoren, Packenpressen und andere landwirtschaftliche Geräte sowie viele Heuballen wurden von den Flammen zerstört oder „stark in Mitleidenschaft gezogen“. Die geschätzte Schadenssumme von 500 000 Euro ist laut Polizei „das Minimum“. Warum das Feuer ausbrach, kann bisher nur vermutet werden: Ein Blitzeinschlag könnte der Auslöser gewesen sein – die Ermittlungen der Kripo dauern an und werden heute fortgesetzt.

Keine zehn Minuten nach der Alarmmeldung aus dem Hagellocher Weg war der erste Löschzug am Brandort. Danach kamen die Feuerwehrautos im Minuten-Takt: Die komplette Feuerwehr von Tübingen Stadtmitte rückte an, die Hagellocher Wehr, die Derendinger Kollegen und auch die Atemschutzgeräte-Träger aus Lustnau kämpften gegen die Flammen, die trotz anhaltenden Regens hoch aus dem Scheunendach schlugen. Weithin sichtbar stand eine weiße Rauchsäule über dem Scheunen-Areal.

Das Problem der Brandbekämpfer war zunächst, an ausreichend Löschwasser zu kommen: „Wir sind hier im Außenbereich“, erklärte Einsatzleiter Andreas Bochtler. Hydranten gibt es nicht in der Nähe der Scheune. Die nach kurzer Suche eingerichtete Notlösung: Von dem Hydranten bei dem oberhalb des Brandorts gelegenen Aussiedlerhof wurde eine Tausend-Meter-Schlauchleitung gezogen. Parallel dazu postierte die Einsatzleitung unten am Hagellocher Weg ein Tanklöschfahrzeug, das wiederum von drei weiteren Tankwagen per Pendelverkehr aus Tübingen ständig mit neuem Wasser versorgt wurde.

Rasch war klar, dass weitere Abteilungen bei der Brandbekämpfung helfen und alarmiert werden mussten. Die Feuerwehr-Abteilungen von Weilheim und Kilchberg übernahmen zunächst die Wache in Tübingen, ihre Kollegen aus Bühl lösten gegen später die Atemschutzgeräteträger an der Scheune ab. Insgesamt mühten sich rund hundert Einsatzkräfte das Feuer zu löschen.

Der Kampf gegen die Flammen in dem mit Strohballen und Landmaschinen gefüllten Lagerschuppen- und Scheunen-Areal, das immerhin rund 450 Quadratmeter umfasst, währte die ganze Nacht und beschäftigte die Feuerwehrmänner auch den Sonntag über. Noch Sonntagnachmittag musste die Hagellocher Wehr immer wieder Glutnester löschen, als sie mit Radladern die Strohballen auseinander zog.

In der Brandnacht war Hagelloch für den Autoverkehr auf direktem Weg von Tübingen nicht mehr zu erreichen. Die Verbindungsstraße durch das Tal am Weilersbach musste von 22.40 bis 2 Uhr am Sonntag gesperrt werden. Manche Autfahrer suchten in der stockdunklen Nacht den Umweg über den parallel zum Hagellocher Weg verlaufenden Radweg. Die meisten mussten allerdings auf den Nordring ausweichen.

Etliche Schaulustige verfolgten am Samstag trotz der späten Stunde, wie die Wehrmänner sich an der Scheune mühten, Heu und Strohballen aus dem brennenden Schuppen zu ziehen. Verzweifelt musste der Besitzer der Scheune erkennen, dass Mähdrescher, Traktoren und andere Landmaschinen nicht aus der Gefahrenzone gebracht werden konnten. Den Feuerwehrtrupps gelang es jedoch mit ihrem Löschwasser eine „Riegelstellung“ in dem L-förmig angeordneten Scheunen- und Schuppen-Bereich aufzubauen, so dass einige Maschinen gerettet werden konnten und laut Einsatzleiter Andreas Bochtler „mit leichten Brandschäden davonkamen“. Neben der Schadenssumme von rund 500000 Euro wurden „erhaltene Werte von circa 240 000 Euro“ bilanziert. „Unter Kontrolle“ gebracht hatten die Löschmänner das Großfeuer knapp eineinhalb Stunden nach dem Alarm um Mitternacht.

Die reichlich vorhandene Nahrung für die Flammen in der Scheune machte aber das endgültige Löschen schwer – laut Bochtler „eine langwierige Aufgabe“, die schließlich noch den ganzen Sonntag in Anspruch nahm.

aus: Schwäbisches Tagblatt 2.10.2006

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