07.02.2004 Hamburger Abendblatt Seite 2575 0

Wie entsteht ein Gewitter - über die Lautstärke des Donners

Potzblitz, Donnerwetter! - Warum Hunderttausende aus dem Schlaf schreckten

Manche dachten, eine Bombe vor der Haustür wäre explodiert. So laut war das Grollen. Andere dachten, die grellen Blitze zuckten direkt durch die Schlafzimmer. Schon wieder riss ein Donner-Wetter gestern um vier Uhr morgens Tausende Hamburger aus dem Schlaf. Der Deutsche Wetterdienst zählte etwa 450 Blitze beim vielleicht lautesten Gewitter dieses Jahres. Warum war es so laut und heftig?

"Die Lautstärke hängt mit dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft zusammen", sagt Diplom-Meteorologe Günther Fleischhauer vom Deutschen Wetterdienst. "Am Morgen war die Luft sehr feucht. Feuchtigkeit leitet die Schallwellen besser weiter." 130 Dezibel kann ein Donnerschlag erreichen. Zum Vergleich: Verkehrslärm ist 80 Dezibel laut. Wenn ein Düsenjäger die Schallmauer durchbricht, erreicht er 130 Dezibel. Fleischhauer: "Früh morgens erscheint es besonders laut, weil es kaum Nebengeräusche gibt."

Schuld an dem unruhigen Morgen war eine Kaltfront des Tiefs "Angelika" zwischen Schottland und Island. Diese Kaltfront zog zwischen vier und acht Uhr mit einzelnen Gewitterzellen und mit bis zu 200 Blitzen in der Stunde über Hamburg hinweg. 15 Liter Regen fielen pro Quadratmeter auf die Stadt. Den Höhepunkt erreichte das Gewitter um fünf Uhr.

Und wie entsteht so ein Gewitter?

Die Nacht war mit 16 Grad relativ warm. Diese warme Luft traf auf kalte Luft und erzeugte die oft ambossförmigen Quellwolken. Die Verwirbelung der Aufwinde laden Wassertropfen und Eisteilchen in der Wolke elektrisch auf. Die Folge sind Entladungen in Form heftiger Blitze mit einer Stromstärke von mehreren 100 000 Volt und einer Temperatur von bis zu 30 000 Grad. Um herauszufinden, wie nah das Gewitter ist, gilt die Regel: Die Sekunden zwischen Blitz und Donner zählen und durch drei teilen (der Schall legt etwa 330 Meter pro Sekunde zurück).

Egal, wie weit Blitz und Donner entfernt sind - die Furcht bleibt. "Wir haben seit dem letzten Unwetter immer mehr Anrufer, die Angst vor einem Blitzeinschlag haben", sagt Eberhard von Fintel von der Hamburger Feuerkasse. Grund für die Sorge ist der Blitzeinschlag in den Dachstuhl eines Hauses am Schwanenwik (Uhlenhorst) vor drei Wochen. Von Fintel gibt Entwarnung: "Dass ein Haus in Brand gesetzt wird, passiert selten." Zwar würden Gebäude häufig von Blitzen getroffen, "aber meistens splittert nur Holz ab, Leitungen werden aus dem Putz gerissen, oder die Elektrik geht kaputt." Bei einem von 100 Einschlägen komme es zu einem Brand.

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