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16.07.2009 Fachinformation 80 0

ICLP Internationale Blitzschutzkonferenz

DIe ICLP hat ihren Ursprung in Deutschland. Denn bereits 1951 bemühte sich der ABB, damals noch ABBW, um internationale Kontakte. In Bad Reichenhall trafen sich der Professor der Eidgenössischen Technischen Hochschule, Dr. K. Berger, Zürich, der Leiter der staatlich autorisierten Versuchsanstalt für Geoelektrik und Blitzschutz, Dr. V. Fritsch, Wien, der Sektionsrat im ös­terreichischen Bundesministerium für Handel, Dipl.-Ing. W. Kostelecky, Wien, und vom ABB Professor Dr. H.F. Schwenkhagen und Dipl.-Ing. P. Schnell. Dieses Zusammentreffen war die Geburtsstunde der Internationalen Blitzschutzkonferenzen (International Conference on Lightning Protection: ICLP). Dem ersten Kreis gesellten sich später die Vertreter weiterer Länder hinzu: aus Dänemark E. Kongstad, aus Frankreich J. Fourestier, aus England R. H. Golde, aus Holland Quintus und TG. Brood, aus Italien T. Riccio, aus Rumänien G. Dragan,aus Schweden D. Müller-Hillebrand und S. Lundquist, aus Jugoslawien Z. Krulc und aus Ungarn T. Horvath.

Bis 1981 wurden diese Treffen auf Einladung einzelner Teilnehmer reihum in Europa durchgeführt. Besondere Beachtung verdienen die frühzeitigen Kontakte in osteuropäische Länder. Die offizielle Konferenzsprache der folgenden zweiten bis sechsten Blitzschutzkonferenzen in Zentraleuropa war Deutsch mit fallweiser Simultanübersetzung in Italienisch. Anlässlich der dritten Konferenz, die bereits etwa 100 Teilnehmer zählte, wurde die legendäre Blitzmessstation auf dem Monte San Salvatore besichtigt. Die siebte bis 14. Blitzschutzkonferenz wurde abwechselnd in West­ und Osteuropa abgehalten, wobei die offiziellen Konferenzsprachen Deutsch und Französisch waren. Auf der 13. Konferenz wurde 1976 erstmals über Blitzschäden an elektronischen Anlagen berichtet; diese Thematik des Blitzschutzes informationstechnischer, elektronischer Anlagen wurde in den folgenden Konferenzen von immer größerer Bedeutung. Auf der 15. so genannten Europäischen Blitzschutzkonferenz wurde neben Deutsch erstmals Englisch als offizielle Konferenzsprache eingeführt und es wurden offizielle Tagungsberichte (Proceedings) herausgegeben. Die offizielle Bezeichnung ICLP wurde bei der 17. Konferenz eingeführt, auf der an Prof. Berger die goldene Franklin-Medaille des ABB verliehen wurde. Ab der 21. ICLP war Englisch die alleinige Tagungssprache; damit waren die ICLPs für Experten auch aus allen außereuropäischen Ländern geöffnet, insbesondere aus USA und Japan.

Ein besonderes Ereignis für die Bundesrepublik Deutschland war die 18. ICLP in München, die vom ABB im VDE ausgerichtet und mit der 100­-Jahrfeier des ABB kombiniert wurde. Parallel zur Konferenz wurde eine einmalige historische Ausstellung über den Gebäudeblitzschutz ausgerichtet. Den etwa 300 Teilnehmern wurden 63 Beiträge präsentiert, wobei der Schwerpunkt auf der Gefährdung und dem Schutz elektronischer Anlagen lag. Übersichten und wesentliche Ergebnisse der 14. bis 25. ICLP sind in den Sonderheften zur Blitzthematik der Elektrotechnischen Zeitschrift ETZ A bzw. etz veröffentlich. Für die Anfang der 1980er Jahre in der International Electrotechnical Commission (lEC) begonnene internationale Normung des Blitzschutzes sind die in den ICLPs veröffentlichen und diskutierten wissenschaftlichen Erkenntnisse von besonderer Bedeutung.

1983 schließlich wurde die Veranstaltung umbenannt in Internationale Blitzschutzkonferenzen ICLP (International Conference on Lightning Protection). Die Nummerierung der ICLP schließt die vorangegangenen europäischen Konferenzen ein. Diese Blitzschutzkonferenzen sind ein sehr bedeutendes technisch-wissenschaftliches Gremium, in dem die komplexe Blitzthematik umfassend behandelt wird. Obwohl die ICLPs abwechselnd in verschiedenen (europäischen) Ländern durchgeführt werden, sind in ihnen Experten aus der ganzen Welt vertreten. Dem wissenschaftlichen Steuerungskomitee gehören 15 Wissenschaftler aus 15 Ländern an.

Europäische Blitzschutzkonferenzen von 1951 bis 1981

1. / 1951 / Bad Reichenhall (0)
2. / 1952 / Bregenz (A)
3. / 1953 / Lugano (CH)
4. / 1956 / Merano (I)
5. / 1958 / Wien (A) mit Exkursion nach Primetice (CS)
6. / 1961 / Trieste (I) mit Exkursion nach Opatija (YU)
7. / 1963 / Amheim(NL)
8. / 1965 / Krakow (PL)
9. / 1967 / Lugano (eH)
10. / 1969 / Budapest (H)
11. / 1971 / München (0)
12. / 1973 / Portoroz (YU)
13. / 1976 / Venecia (I)
14. / 1978 / Gdansk (PL)
15. / 1979 / Uppsala (S)
16. / 1981 / Szeged (H)

Internationale Blitzschutzkonferenzen (ICLP) ab 1983

17. / 1983 / S-Gravenhage (NL)
18. / 1985 / München (0)
19. / 1988 / Graz (A)
20. / 1990 / Interlaken (CH)
21. / 1992 / Berlin (0)
22. / 1994 / Budapest (H)
23. / 1996 / Firence (I)
24. / 1998 / Birmingham (UK)
25. / 2000 / Rhodes (GR)
26. / 2002 / Krak6w (PL)
27. / 2004 / Avignon (F)
28. / 2006 / Tokyo (JP)
29. / 2008 / Uppsala (S)

Themen

In den einwöchigen Konferenzen, die in der Regel alle zwei Jahre stattfinden, werden in Vorträgen und Poster-Präsentationen schwerpunktmäßig folgende Themen behandelt:

Physik der Blitzentladung, Blitzstrommessungen und Blitzstromkennwerte, Blitzhäufigkeit, Blitzortung und Blitzregistrierung, Elektromagnetischer Blitzimpuls (LEMP: Lightning electromagnetic impulse) und Induktionseffekte als Störquelle für elektronische Systeme, Blitzeinschlagmechanismus und Schutzraumbestimmung für Fanganordnungen, Blitzschutz von elektrischen, energietechnischen Systemen, Blitzschutz von informationstechnischen, elektronischen Systemen Blitzgefährdung von Personen und Schutzmaßnahmen Standards für Blitzschutzanlagen und Blitzstromtests.

Autoren: Dr.-Ing. Peter Hasse, Prof. Dr.-Ing. Johannes Wiesinger, Dr.-Ing. Wolfgang Zischank
Beitrag in: Handbuch für Blitzschutz und Erdung (5. Auflage), Pflaum-Verlag

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