02.04.2014 Seite 1013 0

Sind Personen mit Piercings, Metallschmuck oder Herzschrittmachern im Freien bei Gewitter besonders gefährdet?

Über den Einfluss von Metall am oder im Körper wie Implantate, Piercing, Metallschmuck oder Armbanduhr wird häufig diskutiert. Hier muss man zwei Fragen stellen:

Steigt die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, wenn am oder im Körper Metallteile vorhanden sind? Wenn es zu einem Blitzeinschlag in eine Person gekommen ist, welche Auswirkung haben Metallteile?

zu 1. Ein Blitz ist mehrere Kilometer durch eigentlich elektrisch isolierende Luft unterwegs, bis er den Erdboden erreicht. Wo genau der Einschlag erfolgt, ergibt sich erst auf den letzten Metern: Ein Blitz ist sozusagen "kurzsichtig".

Natürlich leitet Metall den Blitzstrom besonders gut. Allerdings zeigen selbst große Metallteile keine anziehende Wirkung auf Blitze: Der Einschlag in ein Wohnhaus mit Metalldach oder PV-Anlage ist genauso wahrscheinlich wie der Einschlag in ein identisches Haus nebenan ohne gleich viel Metall auf dem Dach.

Gleiches gilt für Personen. Ein Blitz "sieht" überhaupt nicht die kleinen Metallteile an oder in Personen, d.h. Metallteile führen nicht dazu, dass ein Blitz bevorzugt einschlägt.

zu 2. Kommt es zu einem Blitzeinschlag in Personen, so fließt der Blitzstrom auf der Haut und zum Teil durch den Körper zum Erdboden. Hier wirken sich Metallteile in der Tat ungünstig aus, da sie zu höheren Strömen an diesen Stellen führen. Dabei werden Metallteile häufig so erwärmt, dass sie verdampfen, schmelzen oder Abdrücke auf der Haut hinterlassen. Allerdings ist dieser Effekt gegenüber den katastrophalen Wirkungen des Blitzstroms durch den Körper nahezu zu vernachlässigen.

Wie sind diese Auswirkungen zu bewerten?

In Deutschland sterben durchschnittlich 5 Personen pro Jahr an den Folgen von direkten Blitzeinschlägen oder -überschlägen. Da etwa 30% der von Blitzen direkt getroffenen Personen dieses Ereignis nicht überleben, kann man von ca. 15 Personen pro Jahr ausgehen, die massive Blitzwirkungen erfahren haben. Diese relativ geringe Opferzahl ist eine Folge von vorbildlichem Verhalten: Der überwiegende Teil der Bevölkerung unterbricht bei Gewittergefahr die Outdoor-Aktivitäten und sucht Schutz in geeigneten Räumen.

Es ist daher nicht notwendig, bei Aufenthalt im Freien auf Metallschmuck zu verzichten oder sich als Implantatträger besonders in Acht zu nehmen.

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