gef-Brand
19.09.2017 Seite 5797 0 TOP

Blitzschäden trotz Blitzschutzanlage?

Die Wirksamkeit von Blitzschutzsystemen wird manchmal in Frage gestellt, wenn über Schäden trotz vorhandenem Blitzschutz berichtet wird. Das "Versagen" des Blitzschutzsystems kann verschiedene Ursachen haben.

Bei Untersuchung konkreter Schadensfälle zeigt sich jedoch schnell, dass die Schäden in der Regel aufgrund nicht 100%-ig funktionierender Blitzschutzsysteme aufgetreten sind. Dies kann zum einen an einer mangelnden Wartung liegen. Oder es wurden bei der Installation Fehler gemacht: Beispielsweise wurden Blitzschutzleitungen zu dicht an metallenen Einbauten wie Schornsteinen, außenliegenden Sensoren oder Leuchten montiert (in der Fachsprache: Der Trennungsabstand wurde nicht eingehalten.).

Daneben gibt es theoretisch die Möglichkeit, dass der eingeschlagene Blitz "zu klein" oder "zu groß" für das Blitzschutzsystem gewesen ist. Beide Fälle sind äußerst selten, können aber das Blitzschutzsystem "überfordern":

  • Ein "kleiner Blitz" kann an den Fangeinrichtungen des Blitzschutzsystems vorbei im Gebäude einschlagen.
    Einen vollkommenen Schutz vor den Auswirkungen durch Blitzschlag gibt es nur in rundum geschlossenen metallenen Räumen - im sogenannten Faradayschen Käfig. Durch die Fangeinrichtungen eines Blitzschutzsystems wird dieser Käfig grob nachgebaut. Durch die Erkenntnisse der Blitzforschung weiß man, dass der Abstand der Fangeinrichtungen (Stangen und Leitungen) ein Maß für die Blitze ist, die neben den Leitungen einschlagen können: je kleiner der Abstand, desto "kleiner" muss der Blitz sein, wobei mit "kleiner Blitz" ein Blitz mit einem niedrigen Blitzstoßstrom-Scheitelwert gemeint ist. Erfahrungsgemäß richten diese "kleinen Blitze" kaum Gebäudeschäden an, da sich der Strom relativ schnell aufteilt und über die verschiedenen Leitungen, darunter auch die des Blitzschutzsystems, zur Erde abfließt. Bei der Planung eines Blitzschutzsystems wird festgelegt, welcher Teil der Blitze durch das Blitzschutzsystem "eingefangen" werden soll. Für Wohngebäude werden üblicherweise Blitzschutzsysteme der Blitzschutzklasse III geplant; mit diesen werden mindestens 91% der Blitze "eingefangen". Bei besonders schützenswerten Gebäuden wie z.B. Krankenhäuser kommen Blitzschutzsysteme der Blitzschutzklasse I zum Einsatz. Diese sind für das "Einfangen" von 99% aller Blitze ausgelegt.
  • Ein "großer Blitz" wird in der Regel von den Leitungen des Blitzschutzsystems sicher in die Erde abgeleitet. Allerdings kann ein "zu großer Blitz" einen normgerechten Blitzschutz auch "überfordern". Denn ein Blitzschutzsystem wird in der Planung für einen maximalen Blitzstrom ausgelegt. Wird dieser überschritten, können die Leitungen und Verbindungen des Blitzschutzsystems überlastet werden. Dies betrifft allerdings nur wenige Blitze, je nach Blitzschutzklasse zwischen 1% und 5%.

Bei der Planung eines Blitzschutzsystems wird festgelegt, welcher Teil der Blitze durch das Blitzschutzsystem "eingefangen" werden soll. Für Wohngebäude werden üblicherweise Blitzschutzsysteme der Blitzschutzklasse III geplant; mit dieser werden mind. 91% der Blitze "eingefangen". Bei besonders schützenswerten Gebäuden wie z.B. Krankenhäuser kommen Blitzschutzsysteme der Klasse I zum Einsatz - diese sind für das "Einfangen" von 99% aller Blitze ausgelegt.

Beispiel: Blitzeinschlag in einen Kirchturm in Niedersachsen 1999 (Schaden ca. 3 Mio Euro)

Der Dachstuhl des Kirchturms wurde durch Brand völlig zerstört. Das Feuer entstand knapp unterhalb der Turmspitze. Die Kirche war mit einem Blitzschutzsystem ausgerüstet.

Eine Untersuchung ergab:

  • Die Ableitungen des Blitzschutzsystems waren am Turm nicht mit denen des Schiffs verbunden.
  • Trennungsabstände zwischen Ableitungen und elektrischen Installationen im Turm waren nicht eingehalten worden.
  • Der Blitzschutzpotenzialausgleich wurde nicht ordnungsgemäß ausgeführt: Die Wasser- und Gasleitung waren nicht mit dem Potentialausgleich verbunden. Überspannungsschutzgeräte fehlten.

Das Blitzschutzsystem war daher im Moment des Einschlags fehlerhaft und konnte die Blitzenergie nicht schadlos ableiten.

Das könnte Sie auch interessieren