04.06.2008 Fachinformation 191 0

Ist ein Taucher gefährdet, auch wenn er sich weit unter der Wasseroberfläche befindet?

Die Gefährdung von Personen im Wasser ist grundsätzlich gegeben. Eine konkrete Aussage über Schutzabstände allerdings ist nicht leicht zu geben, da diese von einigen Parametern abhängen, die von jeweiligen Gewässer abhängen. Grundsätzlich kann man sagen:

Blitzströme variieren in einem weiten Bereich von einigen Kiloampere bis zu einigen 100 Kiloampere.Bei sehr kurzzeitigen Vorgängen wie einem Blitz ist für die Personengefährdung die im Körper umgesetzte Energie maßgebend: Ab etwa 10 Joule tritt Kammerflimmern ein. Zu bedenken ist aber bei Schwimmern und Tauchern auch die Gefahr durch Panik, die bei Energiewerten deutlich unter diesen 10 Joule ausgelöst werden kann.Bei einem starken Blitzstrom (200 kA) wird der 10 Joule-Wert bei einer Entfernung von mehr als 40 m zum Einschlagpunkt unterschritten.Bei einem mittleren Blitzstrom (30 kA) wird der 10 Joule-Wert in einer Entfernung von rund 15 m zum Einschlagpunkt unterschritten.Selbst in 100 m Entfernung wird, je nach Stärke des Blitzes, ein unangenehmer bis schmerzhafter elektrischer Schlag verspürt, der zu einer Panikreaktion führen kann.Da sich der Blitzstrom vom Einschlagpunkt aus radial in alle Richtungen im Wasser ausbreitet, spielt es keine Rolle, ob ein Schwimmer an der Wasseroberfläche oder ein Taucher in der Tiefe betrachtet wird (bei gleicher Entfernung vom Einschlagpunkt):

Fazit: In den üblichen Tauchtiefen von 10 m bis 20 m ist nahezu jeder Blitzeinschlag, der in etwa über dem Taucher einschlägt, unmittelbar lebensbedrohlich!

Bei längeren Tauchgängen ist das Erkennen einer Gewittergefahr ggf. ein Problem. Bei der Vorbereitung des Tauchgangs kann man sich auf die Wettervorhersage und Wetterbeobachtung (Aufziehen erster Wolken) stützen. Hilfreich ist auch ein Blick auf die im Internet verfügbaren Blitzkarten, aus denen das Aufziehen und die Zugrichtung von Gewitterfronten ersichtlich sind. Siehe beispielsweise www.blids.de oder www.aldis.at
Eine kurzfristige Warnung kann auch durch einen Tauchkameraden erfolgen, der an der Oberfläche verbleibt.

Wolfgang Zischank
Leiter des Technischen Ausschusses des ABB

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