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14.04.2008 Fachinformation 70 0

Gründung und Entwicklung des ABB

Am 18. Januar 1871 wurde das zweite deutsche Kaiserreich gegründet; damit mussten Recht und Wirtschaft vereinheitlicht werden. Die Wirtschaft war daher bemüht, in allen technischen Bereichen reichseinheitliche Normen zu schaffen. In der Elektrotechnik tat sich dabei besonders der Elektrotechnische Verein zu Berlin hervor. Auf Anregung des Blitzableiterherstellers Siemsen aus Hannover wurde bei diesem Verein im Jahre 1885 ein "Unterausschuss zur Untersuchung der Blitzgefahr" gegründet.

1886 wurde von diesem Unterausschuss "Die Blitzgefahr No. 1, Mitteilungen und Ratschläge betreffend die Anlage von Blitzableitern für Gebäude" erarbeitet und im Auftrage des Elektrotechnischen Vereins veröffentlicht.

Mitglieder

Den Vorsitz übernahm der Direktor der Sternwarte in Berlin, Geheimrat Foerster. Dem Unterausschuss gehörten als bedeutende Mitglieder an:

  • der Begründer der Starkstromtechnik und Entdecker des dynamoelektrischen Prinzips, Werner von Siemens (1816 bis 1892);
  • der Physiker und Physiologe, Universitätsprofessor in Berlin, Hermann Ludwig Ferdinand von Heimholtz (1821 bis 1894);
  • der Professor an der Universität Breslau, Dr. Leonhard Weber;
  • der Physiker und Professor an der Universität Berlin, Gustav Robert Kirchhoff (1824 bis 1887);
  • der Professor an der Universität Kiel, Dr. G. Karsten;
  • der Telegrafen-Ingenieur Professor M. Toepler; Professor von Bezold;
  • Professor Neesen;
  • ferner die Herren Aron, Brix, Dr. Holtz und Paalzow.

Historie der Blitzforschung und des Blitzschutzes

Zur damaligen Zeit konkurrierten zwei grundlegende Prinzipien des Gebäudeblitzableiters:

  • das Gay-Lussac'sche System
  • das Melsens'sche System

In der oben genannten Veröffentlichung heißt es dazu: "Zur Konstruktion eines nach den bisherigen Erfahrungen ausreichenden Blitzableiters gelangt man:

  • auf Grund der teils von Franklin selber, teils von Epp, Hemmer, Reimarus, Imhof u. a. gegebenen Vorschriften, welche im Jahre 1823 von Gay-Lussac zu einem von der Pariser Akademie der Wissenschaften veröffentlichten System ausgearbeitet wurden. Dasselbe ist dadurch charakterisiert, dass die Gebäude mit einer oder wenigen, dafür aber sehr hohen Auffangstangen armiert werden. Von denselben führen ebenfalls einige oder wenige, aber starke Leitungen gewöhnlich nur zu einer Stelle des unter oder neben dem Gebäude vorhandenen Grundwassers, mit welchem eine möglichst gut leitende Verbindung durch große räumlich ausgedehnte Flächen der Erdleitung gesucht wird
  • auf Grund des von Melsens in Brüssel angewandten und empfohlenen Systems. Dieses ist charakterisiert durch eine möglichste Vervielfältigung der einzelnen Teile des Blitzableiters, wodurch größerer Schutz vorspringender Gebäudeteile, eine Verzweigung des Blitzschlages und dadurch die Anwendbarkeit schwächerer und leichter zu verarbeitender Konstruktionsteile bewirkt wird. Die Auffangstangen werden bei Melsens durch niedrige, aber zahlreiche Spitzenbüschel ersetzt; die Luftleitung führt in vielfachen dünneren Strängen möglichst an allen Seiten des Gebäudes nach unten und die Verbindung mit dem Erdreich wird entweder auf allen Seiten des Gebäudes oder durch Anschluss an das weitverzweigte System der Wasser-und Gasleitungen zu erreichen gesucht. Ein Melsens'scher Blitzableiter nähert sich also einem das Gebäude umhüllenden Metallnetze, wenn die leitende Verbindung des Netzes der Leitungsdrähte mit der Bodenfeuchtigkeit eine hinlänglich widerstandslose ist. "

Das Melsens'sche Prinzip, das damals bereits den heute als unverzichtbar erkannten Blitzschutz-Potentialausgleich beinhaltete - d. h. den Anschluss aller in ein Gebäude eintretenden metallenen Leitungen und aller größeren Metallteile im Gebäude an die Blitzschutzanlage -, hat sich inzwischen weltweit durchgesetzt.

Im Jahre 1918 wandelte sich der Unterausschuss des Elektrotechnischen Vereins zum selbständigen Ausschuss für Blitzableiter-Bau (ABB). 1922 löste sich der ABB vom Elektrotechnischen Verein in Berlin, wurde eine selbstständige Körperschaft mit eigenen Satzungen und richtete 1924 in Berlin eine eigene Geschäftsstelle ein.

ABB-Richtlinien

 

Aufgabe der ABB-Geschäftsstelle war die Herausgabe des Buches "Blitzschutz". Die 1. Auflage erschien 1924 und die 8. 1968.

 

Im Jahre 1945 wurde der ABB auf Befehl der Besatzungsmächte aufgelöst. Im Juli 1949 wurde in Wuppertal der ABB in Anwesenheit von Vertretern des Verbandes der Sachversicherer, des Hauptinnungsverbandes des Schlosser-und Maschinenbauerhandwerks, der Dynamit AG, des deutschen Vereins der Gas-und Wasserfachmänner, der Arbeitsgemeinschaft des Elektrohandwerks und der Kammer der Technik der damaligen sowjetischen Besatzungszone, in der es die Fachkommission 8a "Gebäudeblitzschutz" gab, neu gegründet. Da der "neue" ABB nur in den drei westlichen Besatzungszonen tätig war, bezeichnete er sich als "Ausschuss für Blitzableiterbau für das vereinigte Wirtschaftsgebiet" (ABBW). Als Vorsitzender des ABBW wurde Professor H. F. Schwenkhagen gewählt, als Geschäftsführer Generaldirektor C. D. Beenken, Kiel, und als Vertreter des VDE der Leiter der Vorschriftenstelle, Dr. P. Jacottet, Frankfurt a. Main.

Geburtsstunde der ICLP

 

Der ABBW bemühte sich gleich nach seiner Neugründung, internationale Kontakte zu knüpfen. Im Jahre 1951 trafen sich in Bad Reichenhall der Professor der Eidgenössischen Technischen Hochschule, Dr. K. Berger, Zürich, der Leiter der staatlich autorisierten Versuchsanstalt für Geoelektrik und Blitzschutz, Dr. V. Fritsch, Wien, der Sektionsrat im ös­terreichischen Bundesministerium für Handel, Dipl.-Ing. W. Kostelecky, Wien, und vom ABB Professor Dr. H.F. Schwenkhagen und Dipl.-Ing. P. Schnell. Dieses Zusammentreffen war die Geburtsstunde der Internationalen Blitzschutzkonferenzen (International Conference on Lightning Protection: ICLP). Dem ersten Kreis gesellten sich später die Vertreter weiterer Länder hinzu: aus Dänemark E. Kongstad, aus Frankreich J. Fourestier, aus England R. H. Golde, aus Holland Quintus und TG. Brood, aus Italien T. Riccio, aus Rumänien G. Dragan,aus Schweden D. Müller-Hillebrand und S. Lundquist, aus Jugoslawien Z. Krulc und aus Ungarn T. Horvath. mehr...

Blitzschutz-Normen

Im September 1977 wurden zwischen dem ABB und dem VDE ein Kooperationsvertrag geschlossen. Der ABB nannte sich nunmehr "Arbeitsgemeinschaft für Blitzschutz und Blitzableiterbau". Im selben Jahr konstituierte sich das DKE-Komitee K 251 "Errichtung von Blitzschutzanlagen" der Deutschen Elektrotechnischen Kommission im DIN und VDE. Im Jahr 1978 wurde in Darmstadt ein Wissenschaftlicher Beirat der ABB gegründet, dem Prof. Dr. J. Wiesinger, Prof. Dr. W. Boeck, Dr. A. Fischer, Prof. Dr. Mühleisen und Prof. Dr. H. Steinbigler angehörten. Die Zusammenarbeit zwischen der ABB und dem VDE erfolgte durch Ausarbeitung von Blitzschutzbestimmungen in Form von VDE­Richtlinien, die in das VDE-Vorschriftenwerk aufgenommen wurden. Kommentare und Merkblätter zu diesen Bestimmungen wurden von der ABB erarbeitet, vom VDE angekündigt und von seinem Verlag vertrieben. Die Mitglieder des Komitees K 251 wurden von ABB, VDE und DKE im Einvernehmen berufen. Auf Grund dieser Vereinbarung wurde vom Komitee K 251 im Jahr 1978 der Entwurf "Blitzschutzanlagen" VDE 0185 Teil 1 und 2 herausgebracht. Im November 1982 wurde die Norm VDE 0185: "Blitzschutzanlage, Teil 1: Allgemeines für das Errichten" und "Teil 2: Errichten besonderer Anlagen" gültig. Zu dieser Norm sind in der VDE­Schriftenreihe Erläuterungen erschienen, die federführend von Dipl.­Ing. Hermann Neuhaus bearbeitet und von der ABB herausgegeben wurden.

ABB als VDE-Ausschuss

Am 8. Februar 1984 beschloss die Arbeitsgemeinschaft für Blitzschutz und Blitzableiterbau (ABB), sich aufzulösen und die ABB in den "Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung des VDE (ABB)" überzuleiten. Neben diesem Ausschuss besteht ein Fördererkreis. Hier können Einzelpersonen, Firmen, Organisationen und Behörden Mitglied werden. Der ABB veranstaltet für seine Mitglieder und Förderer regelmäßig Workshops zu aktuellen Themen des Blitzschutzes. Ein seit 1990 eingerichteter Technischer Ausschuss erarbeitet Stellungnahmen zu grundsätzlichen Fragestellungen, erstellt Merkblätter und bewertet aktuelle Entwicklungen des Blitzschutzes. Alle zwei Jahre wird für die deutschsprachige Fachwelt eine Blitzschutztagung veranstaltet.
Der ABB ist sehr engagiert in der nationalen Normung (DIN VDE) sowie der europäischen (EN) und internationalen (IEC) Normung tätig und gestaltet die International Coference on Lightning Protection (ICLP) mit.

Autoren: Dr.-Ing. Peter Hasse, Prof. Dr.-Ing. Johannes Wiesinger, Dr.-Ing. Wolfgang Zischank
in: Handbuch für Blitzschutz und Erdung (5. Auflage), Pflaum-Verlag

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