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Benjamin-Franklin-Medaille

Der Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung des VDE (VDE|ABB) verleiht die Benjamin-Franklin-Medaille an hochverdiente Wissenschaftler, die hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der grundlegenden oder angewandten Blitzforschung erbracht und sich um deren Belange verdient gemacht haben. Auch internationale Wissenschaftler, auf die die genannten Kriterien zutreffen, können mit der Medaille ausgezeichnet werden.

Dr.-Ing. W. Zischank erhält die Benjamin-Franklin-Medaille

2017: Dr.-Ing. Wolfgang Zischank

Dr.-Ing. W. Zischank erhält die Benjamin-Franklin-Medaille

Laudatio von Professor Dr.-Ing. Michael Rock anlässlich der Verleihung während der 12. VDE|ABB Blitzschutztagung in Aschaffenburg

Heute wollen wir die besonderen Verdienste und das außerordentliche Engagement eines hervorragenden pragmatischen Wissenschaftlers mit riesigem Erfahrungsschatz und großer Kenntnisbreite auf dem Gebiet des Blitzschutzes, der Blitzforschung und der Hochspannungstechnik würdigen. Wir zeichnen Herrn Dr.-Ing. Wolfgang Zischank mit der Benjamin-Franklin-Medaille aus. Bevor es soweit ist, möchte ich ein paar Worte über unseren Preisträger verlieren.

Herr Dr. Zischank studierte Elektrotechnik und Hochspannungstechnik an der Technischen Universität München. Er ist seit 1978 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für „Elektrische Energieversorgung“ der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik der Uni BW, also der Universität der Bundeswehr, München.

Seine Promotion unter Herrn Prof. Wiesinger schloss er 1983 ab. Die Dissertation „Schutzfunkenstrecken zur Überspannungsbegrenzung bei direkten Blitzeinschlägen“ beschäftigte sich mit den Eigenschaften von Funkenstrecken bei Blitzströmen. Seitdem ist er Leiter des Hochspannungs- und Hochstromlabors des Instituts der Uni BW München.

Die Forschungsgebiete von Dr. Zischank sind in der Hochspannungstechnik und vor allem in der Blitzforschung breit gefächert:

  • Blitzsimulation im Hochspannungs- und Hochstromlabor
  • Entwicklung von Prüfanlagen und Prüfverfahren zur Nachbildung von Blitzbeanspruchungen; ausgewählte Stichworte hierzu sind „Blitzstromgenerator mit Crowbar-Funkenstrecke“, „Folgeblitzstromerzeugung“, „indirekte Elektrode“ und viele mehr.
  • des Weiteren Blitzschutz und Überspannungsschutz baulicher Anlagen vom Gebäudebereich, Industrie bis zu Kraftwerksanlagen und das Spezialgebiet Blitzschutz von Flugzeugen.
  • Direct Lightning Effects und Lightning Electromagnetic Pulse.
  • Blitzwirkungen an und Blitzschutz von Windkraftanlagen.

Außerdem hat er sich beschäftigt mit:

  • Beanspruchungen und Effekten durch den Blitz-Langzeitstrom-Lichtbogen: Das erinnert mich an einen prägnanten Ausspruch von ihm, in einem Gespräch über Abschmelzungen an Blechen oder Fangstangen: „da bildet sich a Rotznasen“. Dieses Bild werde ich nie vergessen.
  • Hierzu gehört, etwas exotisch, auch die Herstellung von Fulguriten für Wissenschaft und Kunst.

Aber Herr Dr. Zischank gibt sein Wissen und seine Erfahrung über Lehrveranstaltungen auch an Studenten weiter, gegenwärtig in der Experimentalvorlesung „Ausgewählte Themen aus der Blitzschutztechnik“ oder im „Hochspannungstechnischen Praktikum“.

Als erster Preisträger wurde Herr Dr. Zischank 1991 mit dem Nachwuchspreis des ABB im VDE ausgezeichnet und wegen seiner besonderen Verdienste um den praxisnahen Blitzschutz wurde ihm 2006 die Goldene Ehrennadel des ABB-Förderkreises verliehen.

1993 bis Ende 2016 war Dr. Zischank Mitglied im Ausschuss des ABB.

Er war auch viele Jahrzehnte Mitglied im Technischen Ausschuss des ABB und übernahm im Jahr 2001 dessen Leitung von Prof. Wiesinger. So leitete er über mehr als 15 Jahre mit großem Enthusiasmus 31 Sitzungen. Dafür danken wir ihm sehr, denn die Klärung technischer Detailfragen hatte und hat entscheidenden Einfluss auf die nationale, europäische und internationale Normungsarbeit.

International ist Dr. Zischank unter anderem Mitglied des wissenschaftlichen Programmkomitees und Session-Chairman der „International Conference on Lightning and Static Electricity“, ICOLSE, einer Konferenz, deren Schwerpunkte der Blitzschutz von Luftfahrzeugen und Windkraftanlagen ist. Bei der ICOLSE im Jahr 2005 in Seattle wurde Dr. Zischank mit dem „Best Presentation Award“ ausgezeichnet.

Zusammen mit Herrn Dr. Hasse hat er sich für die Einführung des Prüfstroms 10/350 für Ableiter in der internationalen Normung stark gemacht. Da war z.B. das IEEE "Spring SPD Meeting" in St. Petersburg, in Florida im Jahre 2000. Dort haben beide Überzeugungsarbeit geleistet, zur Prüftechnik und zur Rechtfertigung dieser Wellenform als Bedrohungs- und Prüfgröße.

Herr Dr. Zischank ist in den internationalen Normengremien aktiv, welche sich mit dem Blitzschutz baulicher Anlagen sowie der Prüfung und dem Einsatz von Überspannungs-Schutzgeräten befassen. So ist er Mitglied im Gremium für den Blitzschutz spezieller Anlagen und Systeme, in der Arbeitsgruppe 31 „Lightning“ der „European Organization for Civil Aviation Equipment“, dem IEC TC 88 „Wind energy generation systems“. Dr. Zischank ist auf nationaler Ebene in DKE-Gremien tätig, insbesondere:

  • seit 1995 im Arbeitskreis und im Unterkomitee Überspannungsableiter 441.1 und
  • seit 2001 im Komitee für Blitzschutzanlagen K251.

Besonders am Herzen liegt uns, die aktive Mitarbeit in den verschiedenen ABB Gremien zu erwähnen und dies drückt auch die besondere Verbundenheit mit dem ABB aus. Herr Dr. Zischank arbeitete aktiv in zwei Unterausschüssen, in sieben Arbeitskreisen, auch als Leiter und im Programmausschuss der nationalen Blitzschutztagung mit. Ich glaube, so gefragt war bisher kein Anderer wegen seiner Fachkompetenz.

Seine Durchführung und Mitarbeit an wichtigen ABB-Forschungsprojekten ist zu nennen:

  • Blitzstromprüfung an Verbindungsbauteilen
  • Blitzstromprüfung an Trennfunkenstrecken
  • Wirksamkeit gitterförmiger Schirme für Räume und Fenster
  • Messung spezifischer Widerstände von Oberflächenschichten
  • Trennungsabstände bei leitenden Flachdächern
  • Ströme auf Leitungen bei Potentialausgleich auf dem Dach
  • und nicht zuletzt: Messung der Blitzströme und der Nahfelder bei Turmeinschlägen am Peissenberg von 1994 an durchgängig bis heute.

Seine Beiträge zu den nationalen Blitzschutzkonferenzen und in gleicher Weise zu den internationalen Blitzschutzkonferenzen (ICLP) setzten Maßstäbe. So sind seine Untersuchungen über die Durchschlagsfestigkeit von Isolierstoffen herauszustellen. Diese Arbeiten fanden ihren Niederschlag in der Festlegung des Materialfaktors „km“ oder auch zur genaueren Berechnung des Stromaufteilungskoeffizienten „kc“, beide bei der Bestimmung des Trennungsabstandes.

In keinem Falle möchte ich hier vergessen, dass Dr. Zischank an so vielen Veröffentlichungen, auch im Rahmen des ABB, mitgewirkt hat:

  • die Broschüre Blitzeinwirkungen als Vorläufer von "Blitze: So können Sie sich schützen"
  • er war Ko-Autor der Festschrift 125 Jahre ABB von 2010
  • ebenfalls lieferte er einen Beitrag im Buch "Geschichte des Blitzschutzes"
  • er ist Autor des ABB-Merkblatts "Koordination von Überspannungs-Schutzgeräten verschiedener Hersteller"

Hinzukommt, dass sich die herausragenden Leistungen von Herrn Dr. Zischank in unzähligen internationalen und nationalen Veröffentlichungen und Publikationen, Konferenz-Papern und ‑vorträgen, Zeitschriftenbeiträgen und nicht zuletzt Büchern bzw. Kapiteln in Büchern hohen Qualität niedergeschlagen haben. Stellvertretend sind vielleicht

  • das „Handbuch für Blitzschutz und Erdung“ in der Ausgabe von 2005 oder
  • das Kapitel „High-voltage and high-current testing“ im Buch „Lightning Protection“ zu nennen.

Herr Dr. Zischank gehört auch zu den Mitstreitern, die den Blitzschutzgedanken in den Medien verbreiten und hilft, der Allgemeinheit verständliche Erklärungen bei Blitzunfällen zu geben und richtige Verhaltensweisen immer wieder kund zu tun. Da braucht man gar nicht lange im Internet zu suchen und es tauchen solche Fragen auf: „Wie gefährlich ist ein Blitzeinschlag in ein Flugzeug?“ oder „Wie kann es sein, dass eine ganze Fußballmannschaft durch einen Blitz niedergestreckt wird?“, die Dr. Zischank dann klar und einfach beantwortet. Dabei kommt es schon mal vor, dass er als „Münchner Blitzexperte“, „Gewitter-Fachmann“ oder als „Herr der Blitze“ tituliert wird.

Ich verstehe das als Ehre, die begründet ist. Herr Dr. Zischank hat die Gabe, komplexe Zusammenhänge sinnvoll zu vereinfachen, auf das Wesentliche zu reduzieren und Wissen so einprägsam an andere weiterzugeben. Er konnte vielen von uns bei Fragen immer schnell und ohne große Umschweife weiterhelfen, Material und Informationen zur Verfügung stellen. Er konnte sich immer punktgenau erinnern, wo Fragestellungen und Probleme bereits vor Jahren einmal aufgetaucht sind und welche Lösungen es gab. Dr. Zischank ist dabei ruhig, besonnen und kann eine Sitzung, wie auch eine große Tagung souverän leiten und zu Ergebnissen führen. Dafür sind viele Kolleginnen und Kollegen ihm außerordentlich dankbar.

Den jetzt anstehenden „Ruhestand“ hat er sich also redlich verdient; nur aus unserem Blickwinkel reißt er eine große Lücke, die wohl nicht zu füllen sein wird.

Wir möchten mit der heutigen Preisverleihung einen lieben Freund und ganz besonderen Kollegen ehren, für den grundlegende Blitzschutzforschung und angewandter Blitzschutz eine Berufung, ja eine Lebensaufgabe, war.

Lieber Wolfgang, in Anerkennung Deiner vielen Verdienste als national und international anerkannter Fachmann und Deiner jahrzehntelangen Arbeit für den ABB überreichen wir Dir feierlich die Benjamin-Franklin-Medaille des Ausschusses für Blitzschutz und Blitzforschung des VDE. An meiner Seite werden zwei weitere Preisträger der Benjamin-Franklin-Medaille, Professor Steinbigler und Dr. Hasse - beide sind frühe und lange Wegbegleiter von Dr. Zischank - sowie Professor Stimper, mit dem Dr. Zischank lange Jahre eng zusammengearbeitet hat, sein.

Die Urkunde gibt unsere höchste Wertschätzung in bescheidener Form wieder. Hier heißt es:

Der Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung des VDE (ABB) verleiht

Herrn Dr.-Ing. Wolfgang Zischank

für seine besonderen Verdienste in der Blitzforschung sowie der Umsetzung der Forschungsergebnisse in der nationalen und internationalen elektrotechnischen Normung die Benjamin-Franklin-Medaille.

12. Oktober 2017, Aschaffenburg, die Vorsitzenden des ABB

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2004: Prof. Dr.-Ing. habil. Friedhelm Noack

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Laudatio auf Professor Dr.-Ing. habil. Friedhelm Noack anlässlich der Verleihung.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Herr Professor Noack,

ich freue mich, dass mir die Aufgabe übertragen wurde, im Rahmen unseres ABB-Treffens mit einer Laudatio einen Fachmann zu ehren, der sich um die Weiterentwicklung des Blitzschutzes weit über den Rahmen unseres Ausschusses für Blitzforschung und Blitzschutz hinaus besonders verdient gemacht hat.

Herr Prof. Noack wurde 1936 in Nieder-Seifersdorf geboren und ging dort zur Schule. Ihr späterer Berufsweg, lieber Herr Prof. Noack ist jedoch eng mit Ilmenau verbunden. 1954 schrieben Sie sich als Student der 2. Matrikel an der TH Ilmenau in der Fakultät für Starkstromtechnik ein. 1965 promovierten Sie dort mit der Arbeit "Beitrag zur dreiphasigen Modelldarstellung von Drehstrom-Transformatoren und -Leitungen bei Schaltvorgängen". 1979 haben Sie sich dann mit dem Thema "Beanspruchung der Hochspannungs-Leistungsschalter beim Ausschalten von Fehlerströmen" habilitiert.

Über ein Jahrzehnt widmeten Sie sich erfolgreich der wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Kryo-Elektrotechnik. Sie haben es sowohl als Koordinator von zahlreichen Forschungsteams als auch als Leiter des Fachgebietes "Elektro-energetische Grundlagen" verstanden, durch vorbildliches, zielorientiertes Arbeiten Ihre Mitarbeiter zu motivieren und für das "Betreten von Neuland" zu begeistern.

In der Industrie waren Sie von 1976 - 1980 im Starkstromkabel-Laboratorium des Kabelwerkes Oberspree Berlin an der In-Betriebnahme eines kryoresistiven stickstoffgekühlten Kabels beteiligt.

Danach wurden Sie als Hochschuldozent für Mess- und Schutztechnik nach Ilmenau berufen und wurden 1984 zum ordentlichen Professor für "Geräte und Anlagen in der Elektrotechnik" ernannt. 1993 folgte die Ernennung zum Universitäts-Professor für "Grundlagen der elektrischen Energietechnik". Diese Tätigkeit in Ilmenau war gekennzeichnet durch fachliche Erweiterung und Neuorientierung Ihres Betätigungsfeldes. Genannt seien besonders:

  • Technische Diagnostik an Schaltgeräten
  • Very fast transients in gasisolierten Schaltanlagen
  • Elektromagnetische Verträglichkeit.

Seit 1990 haben Sie sich dann mehr und mehr um das Gebiet der EMV einschließlich Blitzerscheinungen und der Impulsspannungs- und Impulsstrom-Technik zugewendet.

12 Doktoranten haben Sie fachlich sehr anspruchsvoll betreut und 3 Habilitanten gefördert. Darüber hinaus waren Sie für 15 Promotionen als Zweitgutachter tätig. Mehr als 50 Veröffentlichungen, mehr als 60 Vorträge auf Fachtagungen, über 80 Forschungsberichte, mehr als 60 Gutachten und Untersuchungsberichte für die Industrie sowie 17 Patentanmeldungen und die Monographie "Schalterbeanspruchungen in Hochspannungsnetzen" spiegeln Ihr engagiertes wissenschaftliches Arbeiten wieder.

Neben dieser wissenschaftlichen Arbeit haben Sie sich als Fachbereichsleiter, als Sektionsdirektor und als Prorektor der TU Ilmenau in der besonders bewegten Zeit nach 1990 engagiert.

Ihr Interesse an unserem Fachgebiet Blitzforschung - Blitzschutz reicht in die 1980er Jahre zurück. So haben Sie im Jahr 1985 das Thema "EMV und Blitzschutz" zum Bestandteil der Ausbildung an der TH Ilmenau gemacht und entsprechende Vorlesungen für Energietechnik-Studenten und Studenten der Theoretischen Elektrotechnik gehalten. Damals bereits haben Sie in Ihre Vorlesung "Elektrotechnische Geräte" einen Abschnitt "Überspannungsschutz" eingebaut und ein entsprechendes Laborpraktikum eingerichtet. Als Pflichtveranstaltung für das 6. Semester gab es dann die Vorlesung "Überspannungsschutz in Niederspannungsanlagen". In den 90er Jahren folgten fakultative Lehrveranstaltungen, wie "Transiente Vorgänge in Schaltanlagen" und "Elektromagnetische Verträglichkeit" mit einem entsprechendem Labor-Praktikum.

Später haben Sie dann eine Lehrveranstaltung "Blitzschutz" eingerichtet, darin gab es 4 EMV-Blöcke:

  • EMV-Blitz-Schutzzonen-Konzept
  • Entstörfilter
  • Störeinstrahlung / Störempfindlichkeit
  • Störaussendung

1995 wurde dann das Spezialgebiet "Transiente Messtechnik" in den Lehrplan aufgenommen. Bei all diesen Neuerungen ist besonders hervorzuheben, dass Sie, lieber Herr Prof. Noack, jeweils darauf geachtet haben, dass all diese Veranstaltungen dann auch von jüngeren Mitarbeitern weitergeführt wurden.

Nun aber zurück zu Ihrem Wirken in unserem "Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung", dem ABB. Hier möchte ich, so wie ich es anlässlich Ihres Ehren-Kolloquiums zum 65. Geburtstags getan habe, mit dem Jahr 1989 beginnen, denn dort haben wir uns im März auf der 8. Internationalen EMC-Konferenz in Zürich persönlich kennen gelernt. Von Veröffentlichungen wussten wir zwar, wer wir sind, wir hatten uns aber vorher noch nie gesehen.

Ich erinnere mich genau an diese unsere erste Begegnung in Zürich:
Ich kam von einem Vortrag mit ausgedehnter Diskussion weit nach der üblichen Mittagszeit in die Mensa, in der Hoffnung, noch etwas zu essen zu bekommen. Die gesamte Mensa war leer, bis auf einen einzigen Tisch, an dem ein einzelner Herr saß. An der Theke erhielt ich dann gerade noch etwas Essbares und ging, weil ich nicht alleine sitzen wollte, auf diesen Herren zu, der mir freundlich entgegen blickte. Es entspann sich ein interessantes Fachgespräch, in dem wir uns vorstellten und unser Herkommen schilderten.

Wir beide, Herr Professor Noack, stellten damals erfreut fest, wie zwanglos "Deutschland Ost" und "Deutschland West" an einem neutralen Ort miteinander reden konnten. Und wir fanden schnell heraus, wie viele fachliche Gemeinsamkeiten uns schon damals miteinander verbanden.

Ich hatte zu diesem EMC-Symposium in Zürich zusammen mit Kollegen von der Universität der Bundeswehr München einen Beitrag über das Verhalten von Funkenstrecken bei Beanspruchung mit steilen Impulsen verfasst, und hörte nun von Ihnen, dass auch an Ihrem Institut in Ilmenau auf diesem Gebiet geforscht wurde.
Das war also unsere erste persönliche Begegnung auf neutralem Schweizer Boden.

Gelegenheit für weiteres besseres Kennen lernen bot mir dann Ihre Einladung zu einem mehrstündigen Vortrag an Ihr Institut im April 1990. Dort hatte ich dann auch die Möglichkeit, das Laboratorium zu besichtigen und war besonders beeindruckt von dem mit viel Ingenieurwissen selbst gebauten Stoßstromgenerator großer Leistungsfähigkeit.

Ich beschrieb bei dieser Gelegenheit unsere gemeinsam mit der Technischen Universität München und mit der Universität der Bundeswehr Neubiberg laufenden Forschungs-Vorhaben auf dem Gebiet des Blitzschutzes - und wiederum stellten wir Gemeinsamkeiten fest.

Was lag also näher für mich als stellvertretenden Vorsitzenden des ABB, als sich auch "nach Osten" zu öffnen und die Kontakte zwischen Ihnen und der "Blitzforschungs-Gruppe München" herzustellen.

Im August des selben Jahres war es dann soweit: Ich hatte eine 2tägige Exkursion organisiert für die Herren

  • Prof. Noack von der TH Ilmenau
  • Prof. Pilling von der TH Zittau
  • Dr. Zahlmann von der TH Ilmenau
  • Dr. Engelmann von der TU Dresden
  • Dr. Lorke vom Institut für Post- und Fernmeldewesen, Berlin
  • Dr. Naumann vom Zentralinstitut für Arbeitsschutz, Dresden und
  • Herrn Ulrich vom Institut für Spezialbauten, Berlin

Nach Vorträgen und Besichtigungen in unserem Werk in Neumarkt ging es zur UniBw zu Herrn Prof. Wiesinger und zur TU München zu Herrn Prof. Steinbigler. Insgesamt eine hochinteressante Veranstaltung, bei der sich die Fachkollegen aus "Ost" und "West" näher kamen und das gegenseitige Verständnis wuchs.

Ich möchte jetzt kurz auf die Gründung und Entwicklung unseres Ausschusses lange vor der Gründung des Verbandes Deutscher Elektrotechniker (VDE) im Jahre 1893 eingehen, soweit das für diese Laudatio von Bedeutung ist.

Hier in Berlin befinden wir uns am Ursprung unseres Ausschusses. Am 20.12.1879 wurde hier in Berlin der Elektrotechnische Verein gegründet. Anfang 1879 debattierte man ursprünglich nur über die Gründung eines Telepraphen-Vereins, aber bereits am 05.02.1879 schrieb Dr. Werner Siemens an den Generalpostmeister, Dr. Heinrich Stephan, folgendes:

"Ew Excellenz
Erlaube ich mir beifolgend einen "Statutenentwurf für einen deutschen Verein für Elektrotechnik" zur geneigten Kenntnisnahme zu unterbreiten.
Es hat sich mir doch die Erkenntnis aufgedrängt, dass ein Telegraphenverein nicht genügend Material und tätige Kräfte bei uns finden würde, um den bestehenden englischen Vereinen sich gleich würdig zur Seite stellen zu können. Ich erlaube mir daher in Vorschlag zu bringen, Ew Excellenz wolle das Protektorat über einen das ganze Gebiet der Elektrotechnik umfassenden Verein übernehmen. Ein solcher Verein ist ein unabwendbares Bedürfnis geworden und kann eine ungemein segensreiche Wirkung entfalten. Neben der Telegraphie, die schon in etwas ruhige Fortschrittsbahnen eingelenkt ist und das aristokratisch-konservative Element der Elektrotechnik repräsentiert, sehen wir überall ein wildes Rennen auf diesem Gebiet, ein rastloses Streben, der Elektrizität einen wichtigen Platz in den alten Industriezweigen zu erobern und neue auf sie zu begründen. Namentlich seit durch die dynamoelektrischen Maschinen die Möglichkeit gegeben ist, billig starke elektrische Ströme durch Arbeitskraft zu erzeugen, ist das elektrische Zukunftsbild fast unbegrenzt geworden. Ich brauche nur an elektrisches Licht, an Kraftübertragung durch Elektrizität, an die elektrischen Kupferraffinerien im Großen erinnern, die neuerdings schon Bahn gebrochen haben. Wahrscheinlich wird das ganze Hüttenwesen einer Umgestaltung entgegengehen. Ferner erwähne ich das neue Eisenbahn-Sicherungssystem, welches bald den ganzen Eisenbahndienst umgestalten wird. Überall fast begegnet man schon den Kolonnenspitzen der eindringenden Elektrizität!
Mit vollkommenster Hochachtung Ew Excellenz ganz ergebenster
Dr. W. Siemens
"

Gegen Ende des selben Jahres war es dann soweit, und der General-Postminister lud zur Gründungssitzung ein:

"Die staunenswerten Fortschritte der Elektrotechnik und die wachsende Ausdehnung ihrer Anwendung haben den Wunsch nach einer dauernden Vereinigung der auf diesem Gebiet wissenschaftlich, gewerblich und verwaltend tätigen Kräfte angeregt. Auf Vorschlag und unter Mitwirkung des Herrn Dr. Werner Siemens habe ich den beiliegenden Entwurf der Statuten eines zu diesem Zwecke zu errichtenden Vereins ausarbeiten lassen, welchem die Aufgabe zufallen würde, die technische Anwendung der Elektrizität und die Fortbildung ihrer Kenntnis durch Vorträge, gemeinsame Besprechungen und Herausgabe einer Vereins-Zeitschrift zu fördern.
Damit der Elektrotechnische Verein eine der wissenschaftlichen Höhe und der industriellen Tätigkeit unserer Nation entsprechende Stellung einzunehmen vermag, ist der Anschluss derjenigen Männer in ganz Deutschland dringend erwünscht, deren wissenschaftliche, gewerbliche oder amtliche Wirksamkeit mit der technischen Anwendung in Zusammenhang steht. In der Hoffnung, dass Euer Hochwohlgeboren geneigt sein werden, sich an der Förderung der Vereinszwecke zu beteiligen, beehre ich mich, Sie zu einer am 20. Dezember d.J., nachmittags 6 Uhr im Reichs-Postgebäude, Leipziger Str. 15, stattfindenden Beratung des beiliegenden Statuten-Entwurfs, sowie zur Beschlussfassung über die Errichtung des Vereins und den Beginn seiner Tätigkeit, insbesondere auch über die Einleitung zur Herausgabe der Vereins-Zeitschrift hierdurch ergebenst einzuladen.
Der Kaiserliche General-Postmeister gez. Dr. Stephan"

Dieser Berliner Verein für Elektrotechnik gründete 1885 einen Ausschuss zur Untersuchung der Blitzgefahr. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten:

  • Werner von Siemens, Begründer der Starkstromtechnik und der Entdecker des dynamoelektrischen Prinzips,
  • Hermann von Helmholtz, Physiker und Physiologe, Universitäts-Professor in Berlin,
  • Leonhard Weber, Professor an der Universität Breslau,
  • Gustav Kirchhoff, Physiker und Professor an der Universität Berlin,
  • Wilhelm Holtz, Professor an der Universität Greifswald,
  • Gustav Karsten, Professor an der Universität Kiel,
  • Max Toepler, Telegrafen-Ingenieur und Professor an der Universität Dresden.

1984, also fast hundert Jahre nach seiner Gründung, wurde in einer außerordentlichen Delegiertenversammlung die Überführung des ABB in den VDE beschlossen.
Als Vorstand des ABB wurden damals einstimmig gewählt:

  • Prof. Wiesinger als Vorsitzender
  • Prof. Dietrich als 1. stv. Vorsitzender
  • und ich als 2. stv. Vorsitzender

Dieser ständige Ausschuss des VDE befasst sich seitdem zusammen mit seinen Förderern und seinem Technischen Ausschuss besonders mit Untersuchungen über die Phänomene und Auswirkungen der Blitzentladungen und mit der Weiterentwicklung von Schutzmaßnahmen. Mitglieder des ABB tragen mit ihren Forschungsergebnissen zu nationalen und internationalen Blitzschutzkonferenzen bei. Insbesondere leisten Mitglieder des ABB in leitenden Funktionen in internationalen Normengremien einen erheblichen Beitrag zur Weiterentwicklung der internationalen, der regionalen und der nationalen Blitzschutznormung. Unter der fachlichen Verantwortung des ABB werden in Ausbildungsstätten Weiterbildungsmaßnahmen zur Qualifizierung von Fachkräften für den Blitz- und Überspannungsschutz durchgeführt.

Auf mein Betreiben hatten wir uns bereits im Juni 1990 mit den für den Blitzschutz zuständigen Fachkollegen von der Kammer der Technik der DDR in Erfurt getroffen, um gemeinsame Ziele für die zukünftige Arbeit auf unserem Fachgebiet fest zu legen.
Was lag nun also näher, nach so viel "Vorarbeit" auch Sie, verehrter Herr Prof. Noack, für eine Mitarbeit im ABB zu interessieren.

Ich zitiere hierzu aus meinem Brief vom 11. Juni 1992 an Herrn Prof. Wiesinger, dem damaligen 1. Vorsitzenden des ABB:

"Wie verabredet, habe ich gestern mit Herrn Prof. Noack, TH Ilmenau, telefoniert und ihn zuerst einmal grundsätzlich gefragt, ob er an einer Mitarbeit im ABB Interesse hat. Dazu hat er spontan und überzeugt Ja gesagt. Besonders erfreulich für ihn ist, dass er, als einer der ersten ordentlichen Professoren nach bundesdeutschem Recht, an der TH Ilmenau bestätigt worden ist. Zukünftig möchte er sich mehr und mehr von organisatorischen Aufgaben frei halten und sich wieder mehr seinen eigentlichen Fach- und Forschungsaufgaben widmen.

In einer Mitarbeit im ABB sieht er eine sinnvolle Ergänzung seiner bisherigen Arbeiten, und sie passt auch in den EMV-Rahmen, den er sich selbst als Arbeitsschwerpunkt gesetzt hat. Ich habe ihn dann über die jüngste Entwicklung im ABB und die bevorstehenden Neuwahlen des Vorstandes informiert und ihn rundheraus gefragt, ob er sich später vorstellen könnte, einmal selbst den Vorsitz zu übernehmen. Auch hierauf kam eine positive Reaktion, allerdings unter dem Vorbehalt, dass er sich erst genau informieren muss und dazu um ein Gespräch mit uns bittet."

Herr Prof. Noack, Sie wurden dann im November 1992 in den Ausschuss des ABB gewählt und haben seitdem auf vielfältige Weise die Blitzforschung und den Blitzschutzgedanken aktiv begleitet und gestaltet.

Das begann mit Ihrem Vortrag auf dem Workshop des ABB am Vortag Ihrer Wahl in den Ausschuss. Sie berichteten über die aktuellen Arbeiten an Ihrem Institut für Elektrische Energie- und Hochspannungstechnik an der TU Ilmenau - die Untersuchungen an Schutzelementen (Varistoren und Funkenstrecken) in Niederspannungsnetzen. Erforscht wurde damals das Verhalten der Elemente (z. B. das Ansprechen bei Impulsen großer Steilheit) wie auch die Wechselwirkung dieser Elemente mit dem Niederspannungsnetz (z. B. das Löschverhalten unter Berücksichtigung von Kurzschlussstrom, cos j und wiederkehrender Spannung).

Spätere Forschungsprojekte an Ihrem Institut wurden dann vom ABB gefördert wie z. B.

Untersuchungen über:

  • die Ausschmelzungen an Blitzschutz-Fangeinrichtungen
  • die Simulation verkoppelter Blitzstrom-Komponenten im Laboratorium
  • die Erzeugung von Blitz-Erstentladungsströmen bis zu Bedrohungswerten der Schutzklasse I
  • die Blitzstromverteilung in Niederspannungsnetzen
  • die Blitzstrom-Tragfähigkeit und Wirksamkeit von "Early Streamer Emission Devices"- sog. ESE-Fangeinrichtungen.
  • die Blitzstromfestigkeit von Blechen
  • die Wirkungen von Blitzentladungen unter Wasser
  • die Lichtbogenfestigkeit von Hölzern und Kunststoffen bei Blitz-Stoßströmen und -Langzeitströmen

Darüber hinaus haben Sie an Ihrem Institut weitere für uns alle interessante Forschungs- und Entwicklungsarbeiten durchführen lassen, z. B. zu den Themen:

  • Varistor-Schutzbeschaltung von gasisolierten Schaltanlagen
  • Simulation von Schutzbeschaltungen auf Varistorbasis
  • Verhalten von Niederspannungs-Metalloxid-Varistoren bei Impulsbelastungen
  • Alterung von Varistoren
  • Blitzstromverhalten von Sicherungen in Niederspannungsnetzen
  • Blitzstrom-Einwirkungen auf Quarz-Kristalle im Erdreich
  • Folgestrom-Löschverhalten von Blitzstrom-Ableitern
  • Blitzstrom-Einwirkungen auf Bleche
  • Blitzstrom-Einwirkungen auf GFK und CFK
  • Blitzschutz-Vorschläge für die Allianz-Arena in München.

Von Januar 1995 bis November 2003 waren Sie der Vorsitzende des ABB, und wir haben gemeinsam viel bewegt.

Beispielhaft sei in diesem Zusammenhang der Start zur "VDE/ABB Blitzschutztagung" genannt. Die Idee dazu kam mir bei einem Vortrag, den ich in Holland auf einer Veranstaltung der dortigen Blitzschutz-Vereinigung UNETO hielt. Sie waren von diesem Vorschlag sofort begeistert, und so veranstalteten wir im März 1996 die 1. VDE/ABB Blitzschutztagung mit dem Thema "Blitzschutz für Gebäude und Elektrische Anlagen" in Kassel, an der zu unserer großen Freude über 230 Experten teilnahmen.

Die 2. Tagung wurde 1997, mit dem Schwerpunktthema "Neue Blitzschutznormen in der Praxis" und 180 Teilnehmern abgehalten, die 3. 1999 zum Thema "Blitzschutz in der Praxis" mit 220 Teilnehmern, die 4. 2001 mit 200 Teilnehmern und die 5. 2003, wiederum mit 230 Teilnehmern. All diese Tagungen fanden dann in Neu-Ulm statt.

Wir alle haben uns ganz besonders gefreut, dass Sie, lieber Herr Prof. Noack, auch noch diese 5. Tagung - obwohl schon im Ruhestand - vorbereitet und geleitet haben. Ich kann wohl am ehesten ermessen, wie viel Arbeit Sie in die Vorbereitung unserer deutschen Blitzschutztagungen gesteckt haben. Sie liegt besonders im Koordinieren und Redigieren der von unserem Konferenz-Komitee ausgesuchten Beiträge - treffen hier doch die unterschiedlichsten Autoren mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten, einen technisch-wissenschaftlich einwandfreien Beitrag zu schreiben, aufeinander. Ich weiß, dass Sie nächtelang an diesen Arbeiten gesessen und korrigierend - manchmal bis hin zum eigenen Abfassen des Berichtes - eingegriffen haben.

Neben diesem Engagement haben Sie dann noch Zeit gefunden, diese Blitzschutztagungen mit insgesamt 10 eigenen, fundierten Beiträgen zu bereichern.

Mittlerweile ist diese Veranstaltung in Neu-Ulm zu einem festen Bestandteil zwischen den ebenfalls im 2-Jahres-Rhythmus stattfindenden internationalen Blitzschutz-Konferenzen ICLP geworden.

Nun noch eine Anmerkung zum Punkt "ABB-Vorsitzender", die ich auch bei der Feier zu Ihrem 65. Geburtstag zum besten gegeben habe:

Als Herr Prof. Wiesinger 1992 am Ende seiner 2. Amtsperiode als ABB-Vorsitzender seinen "Rückzug" plante, hielten wir beide nach einem geeigneten, jüngeren Nachfolger Ausschau. Ich plädierte damals für Sie, verehrter Herr Prof. Noack, als einen jüngeren, dynamischen, ideenreichen Lehrstuhlinhaber mit einschlägiger Erfahrung auf unserem Gebiet, und wir beide (Johannes Wiesinger und ich) waren uns schnell sicher, die richtige Person im Visier zu haben. Ich habe meine Idee dann im Juni 1992 im ABB-Gesamtvorstand vorgestellt, und alle waren wir einstimmig für Sie. Wie beschrieben, kamen Sie dann zum ABB in den Ausschuss und gewannen mit Ihrer freundlichen, verbindlichen Art schnell die Herzen der ABB-Förderer und überzeugten alle durch Ihre besonderen Fachkenntnisse.
1995 wurden Sie dann als "jüngerer" Nachfolger von Herr Prof. Wiesinger zum Vorsitzenden des ABB gewählt.

Viele Jahre später, als wir beide einmal über die zukünftigen Aufgaben des ABB diskutierten, kamen wir auch auf Personalfragen zu sprechen und zu meinem größten Erstaunen sagten Sie mir bei dieser Gelegenheit, dass Sie und Herr Prof. Wiesinger gleich alt sind!

Auf Grund Ihrer Initiative, lieber Herr Prof. Noack, ist an der TU Ilmenau ein Schwerpunkt der "Blitzschutz-Forschung" entstanden, dessen Erfolge sich sowohl für den ABB, als auch für alle im Blitzschutz Tätigen besonders positiv ausgewirkt haben. Die Ergebnisse dieser Arbeiten haben Sie selbst anschaulich in den ABB Workshops, bei den deutschen und auch den internationalen Blitzschutztagungen vorgestellt, was sowohl Sie als auch Ihr Institut an der TU Ilmenau weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht hat. Dieses Schwerpunktthema hat sich auch auf Ihre Mitarbeiter ausgewirkt, die Sie zielgerichtet eingesetzt haben. So haben auf diesem Fachgebiet die Herren Brocke, Pospiech und Erhardt promoviert.

Weiterhin hervorzuheben ist ihr "kämpferischer" Einsatz im CLC-Normenausschuss "Lightning test methods for connection components" in dem Sie gegen beachtlichen Widerstand letztlich doch den physikalischen Gesetzen zum Durchbruch verholfen haben, indem sie durch fundierte Berechnungen und Tests den Weg für eine sinnvolle Normung geebnet haben.

Bei diesem vielfältigen Engagement haben Sie, und auch das ist besonders hervorzuheben, den Kontakt zur Praxis gesucht und Blitz-/Überspannungs-Schutzprojekte - oft mit umfangreicher Laborunterstützung - für Firmen durchgeführt, von denen hier einige stellvertretend genannt seien:

  • Suhner Electronic, Taufkirchen
  • ABB Hochspannungstechnik, Schweiz
  • Fuse ADEE, Frankreich
  • Energieversorgung Südsachsen sowie
  • auch für unser Unternehmen.

Erfolgreich wurden in den Jahren 1997 - 2001 auch Forschungsprojekte gemeinsam mit der UniBw München durchgeführt. So hat z. B. die UniBw im Rahmen des BMVG Forschungsvorhabens "Elektromagnetische Einwirkungen (EME) auf fliegende Waffensysteme" Forschungsaufträge an die TU Ilmenau erteilt, um Stoßstrom- und Langzeitstrom-Wirkungen auf Metalle und Faserverbundwerkstoffe (Kohlefasern-/Glasfasern) experimentell und theoretisch zu untersuchen

Deutliche Akzente außerhalb der TU Ilmenau haben Sie nicht nur bei uns im ABB und in der CLC-Normenarbeit, sondern auch als persönliches Mitglied der CIGRE gesetzt. In diesem Zusammenhang sei auch die Vertiefung der Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Blitzschutzfirmen (VDB) genannt, die durch gemeinsame Vorstandsgespräche gefördert wurde.

Seit 1993 sind Sie Vorsitzender des Verwaltungsrates des TÜV Thüringen e.V..
Neben diesem vielfältigen Engagement haben Sie aber auch noch die Zeit gefunden, 2003 Ihr Buch "Einführung in die elektrische Energietechnik" zu veröffentlichen.

Lieber Herr Prof. Noack,
wir alle schätzen Ihren aktiven Einsatz für den Blitzschutz und die Blitzforschung weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Wir schätzen Ihre schwungvolle, leidenschaftliche, ausdrucksstarke Art und Weise, sich für die Lösung von fachlichen Problemen einzusetzen und deren Ergebnisse anschaulich zu vermitteln. Während der 10 Jahre als ABB Vorsitzender von 1993 - 2003 haben Sie viel Entscheidendes bewirkt, und ich habe immer sehr gerne mit Ihnen zusammen gearbeitet.

An dieser Stelle möchte ich mich deswegen, lieber Herr Prof. Noack, persönlich ganz herzlich für diese ausgezeichnete, kollegiale Zusammenarbeit, bedanken, die sich auch auf mein berufliches Schaffen positiv ausgewirkt hat.

Mit dem Überreichen der Benjamin-Franklin-Medaille ehren wir alle Sie als Fachmann, der für die Blitzforschung und den Blitzschutz Herausragendes geleistet hat, und wir alle wünschen, dass Sie uns mit Ihrem reichen Erfahrungsschatz und Ihren ausgezeichneten Fachkenntnissen noch lange helfend zur Seite stehen werden.

Berlin, 11.11.2004
Dr. Peter Hasse
Stellvertretender Vorsitzender des ABB

Text der Urkunde:

Der Ausschuss für Blitzschutz und
Blitzforschung des VDE (ABB) verleiht die
Benjamin-Franklin-Medaille

an
Herrn Prof. Dr.-Ing. habil.
Friedhelm Noack


in Anerkennung seiner überragenden Verdienste
um die Entwicklung des Blitzschutzes
in Deutschland und im Ausland.

Damit wird gleichzeitig seine langjährige außerordentlich
engagierte Tätigkeit im Vorstand des ABB gewürdigt.

Berlin, 11. November 2004

Prof. Dr.-Ing. habil. K. Stimper
Vorsitzender Dr.-Ing. H. H. Zimmer
2. Stv. Vorsitzender

2003: Dr.-Ing. Peter Hasse

Die Preisverleihung fand im Rahmen der 5. VDE/ABB-Blitzschutztagung am 13.11.2003 in Neu-Ulm statt. Die Laudatio hielt Prof. Noack, TU Ilmenau und Vorsitzender des ABB.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Herr Dr. Hasse,

es ist mir eine große Freude und ein besonderes Anliegen, im Rahmen unserer Blitzschutztagung einen Fachmann zu ehren, der sich überragende Verdienste um die Entwicklung des Blitzschutzes im nationalen und im internationalen Rahmen erworben hat.

Wie kaum ein anderer, haben Sie Herr Dr. Hasse, über Jahrzehnte hinweg sich für den Blitzschutz eingesetzt, um neue technische Lösungen gerungen, in Veröffentlichungen, Büchern, Vorträgen, Seminaren und Interviews deutschlandweit und weltweit die Prinzipien des Blitzschutzes erläutert und neue Normen mitgestaltet.

Der Ausschuß für Blitzschutz und Blitzforschung im VDE, als Nachfolger des ältesten deutschen elektrotechnischen Vereins, ehrt mit der Verleihung der Benjamin-Franklin-Medaille an Herrn Dr. Hasse eine internationale bekannte Persönlichkeit, die nicht nur an die großen Namen der Vergangenheit anknüpft, sondern durch ihre außerordentlichen Aktivitäten auch neue Maßstäbe gesetzt hat.

Herr Hasse, 1940 in Berlin geboren, besuchte Volks- und Oberschulen in Berlin und studierte nach dem Abschluss des Abiturs von 1959 - 1965 an der TU Berlin in der Fachrichtung Starkstromtechnik.

Sowohl seine Diplomarbeit auf dem Gebiet der Hochspannungstechnik als auch die Diplomhauptprüfung schloss er mit dem Prädikat "sehr gut" ab und wurde dafür mit der Medaille "Für hervorragende Leistungen" der TU Berlin ausgezeichnet.

Nach der Assistententätigkeit am Institut für Hochspannungstechnik und Elektrische Anlagen der TU Berlin (1966 - 1972) promovierte er mit einer Arbeit über den Durchschlag in SF6 ebenfalls mit der Note "sehr gut".

Der weitere Berufsweg von Herrn Dr. Hasse ist eng und untrennbar mit der Firma DEHN + SÖHNE Nürnberg/Neumarkt verbunden. Nach seinem Eintritt in die Firma im Jahre 1973 führten ihn Innovationsstreben, Organisationstalent und ausgeprägte Führungsqualitäten schnell über die Stationen leitender Angestellter für den Gesamtbereich Entwicklung und Konstruktion, Erteilung der Prokura, zur Berufung als Werkleiter in die Geschäftsleitung. Seit 1981 ist Herr Dr. Hasse als Geschäftsführer für den technischen Bereich verantwortlich und er hat in diesen 22 Jahren die erfolgreiche technische und wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens entscheidend geprägt.

Dazu gehört vor allem die Veränderung des Produktionsprofils durch die Entwicklung neuer Ideen und neuer Produkte für den Blitzschutz. Wissenschaftliches Arbeiten, Aufgeschlossenheit gegenüber allem Neuen, Zusammenarbeit mit Universitäten und Hochschulen auf dem Gebiet der Grundlagenforschung, Suche nach praxisgerechten Lösungen und ein fast unvorstellbar großes Arbeitspensum sind die Grundlagen für ein derartig fruchtbares und erfolgreiches Wirken.

In besonderer Weise hat Herr Dr. Hasse die Entwicklung von Blitzschutzkomponenten und Blitzschutzgeräten vorangetrieben: In mehr als 70 Schutzrechten ist er als Erfinder oder Miterfinder eingetragen. In mehreren hundert Veröffentlichungen, Vorträgen, Vorlesungen und Seminaren hat er neue Blitzschutzideen und Schutzkonzepte erläutert und für deren weltweite Verbreitung gesorgt; allein die Liste der europäischen und außereuropäischen Vortragsorte ist schier endlos, sie reicht von Oslo bis Johannesburg, von Sao Paulo bis Toronto und umfasst Sydney genau so wie Peking, Tokio oder Kuala Lumpur.

Dazu kommen eine Reihe von Büchern, von denen einige zu den Standardwerken der Blitzschutztechnik gehören und die zum Teil ins Englische, Niederländische, Spanische, Tschechische, Ungarische, Chinesische und Japanische übersetzt wurden.

Diese Laudatio gibt mir die Möglichkeit, in diesem Zusammenhang das erfolgreiche freundschaftliche Zusammenwirken mit einem früheren Benjamin-Franklin-Preisträger zu würdigen.

Die wissenschaftliche Zusammenarbeit, die Herr Dr. Hasse u. a. mit den Technischen Universitäten Berlin, Braunschweig, Dresden, Ilmenau, München und mit den Fachhochschulen Nürnberg und Regensburg aufgebaut hat, war und ist wohl besonders eng mit der Universität der Bundeswehr München-Neubiberg.

Zusammen mit Herrn Professor Wiesinger, dem damaligen Institutsleiter an der UniBw, wurde 1987 die Wissenschaftliche Beratungsgruppe (WBG) gegründet, die in der Folgezeit eine Vielzahl von Projekten des Blitz- und Überspannungsschutzes z. B. für Rechenzentren, Fabriken, Verwaltungsgebäude, Krankenhäuser und militärische Einrichtungen ausarbeitete. Gemeinsam wurde das Blitz-Schutzzonen-Konzept entwickelt und ausgestaltet, das heute international und national genormt ist. Aus dieser Zusammenarbeit der Herren Dr. Hasse und Prof. Wiesinger entstanden eine Vielzahl neuer Produkte, Patente, Veröffentlichungen und auch gemeinsame Bücher. Diese fruchtbare Zusammenarbeit setzte sich auch in den nationalen und internationalen Gremien fort.

Die Liste der Aktivitäten von Herrn Dr. Hasse wäre unvollständig ohne seine außerordentlich umfangreiche Mitarbeit in den verschiedensten Gremien.

  • In der Deutschen Kommission Elektrotechnik - Elektronik - Informationstechnik (DKE) war er im UK 214.4 Mitarbeiter von 1977 bis 1982, im K 215 Mitarbeiter von 1977 bis 1981. Er ist seit 1977 Mitarbeiter im K 251 "Blitzschutz" und seit 1999 stellv. Obmann. Im UK 441.1 "Überspannungsableiter bis 1 000 V" ist er seit der Gründung 1993 Obmann.
  • Dr. Hasse ist Deutscher Sprecher in zwei Gremien der International Electrotechnical Commission (IEC) in IEC-TC 81 "Lightning protection" und in IEC SC37A WG5 "Low voltage surge protective devices". Beide Funktionen sind mit einem außerordentlichen Aufwand verbunden und erfordern immer wieder schnelles und verantwortungsbewusstes Handeln.
  • Im Europäischen Komitee für Elektrotechnische Normung (CENELEC) gehört Herr Dr. Hasse seit Gründung 1997 zum CLC TC81X "Lightning Protection".
  • Im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) ist Herr Dr. Hasse Leiter bzw. Mitarbeiter von 3 Ausschüssen; in der Normenstelle Elektrotechnik, Deutsches Institut für Normung (NEA) Obmann bzw. Mitarbeiter in ebenfalls 3 Arbeitskreisen.

Die Aufzählung ist unvollständig, gibt es doch auch noch die Mitwirkung in regionalen Wirtschaftskreisen und nicht zu vergessen: sein Engagement im LIONS Club Neumarkt.

Wer Herrn Dr. Hasse ein wenig kennt, weiß, dass er nicht wie ein seelenloser Roboter von früh bis in die Nacht arbeitet, sondern dass da immer auch ein wenig Zeit bleibt fürs Joggen, für Segeln, für Jazz und andere kulturelle Veranstaltungen, und bei all dem Stress, den er sich und manchmal auch seinen Mitarbeitern bereitet, bleibt auch immer sein Verständnis für menschliche Probleme und Schwächen, seine Hilfsbereitschaft und sein Engagement für sozial Schwache und Hilfsbedürftige.

Meine Damen und Herren,
schließlich ist es das eigentliche Anliegen des ABB, die Tätigkeit von Herrn Dr. Hasse für den ABB zu würdigen, den es ohne ihn in dieser Form wahrscheinlich gar nicht geben würde. Herr Dr. Hasse war der "Motor" bei der Überführung der "Arbeitsgemeinschaft für Blitzschutz und Blitzableiterbau e. V." am
8. Februar 1984 in den "Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung (ABB) des VDE".

Seit 1984 stellvertretender Vorsitzender des ABB, hat Herrn Dr. Hasse bei wechselnden Vorsitzenden und Geschäftsführern in entscheidendem Maße zur Profilierung und zur Leistungsfähigkeit des ABB beigetragen. Dem Technischen Ausschuss gehört er seit Gründung an und er hat durch sein Wissen und seine Fachkenntnisse dessen Arbeit wesentlich gefördert. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass unsere Blitzschutztagung auf Anregung und Initiative von Herrn Dr. Hasse entstand. Für dieses Engagement dankt Ihnen der ABB sehr herzlich.

Zum Schluss möchte ich Ihnen, lieber Herr
Dr. Hasse, persönlich sehr herzlich für die Unterstützung bei der Übernahme meines Amtes und für die ausgezeichnete kollegiale Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren danken. Mit der Überreichung der Benjamin-Franklin-Medaille verbinden der ABB und die Blitzschutz-Gemeinde die Hoffnung, dass Sie uns mit Ihrem exzellenten Fachwissen, Ihrem reichen Erfahrungsschatz und Ihrem sachlichen Urteil noch lange zur Verfügung stehen.

Neu-Ulm, 13.11.2003

Prof. Dr.-Ing. habil. F. Noack
Vorsitzender des Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung

Text der Urkunde:

Der Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung des VDE (ABB) verleiht die

Benjamin-Franklin-Medaille an

Herrn Dr.-Ing. Peter Hasse

in Anerkennung seiner überragenden Verdienste umdie Entwicklung des Blitzschutzes in Deutschland und im Ausland.

Damit werden gleichzeitig sein richtungsweisendes Wirken in den nationalen und internationalen Normungsgremien und seine langjährige außerordentlich engagierte Tätigkeit im Vorstand des ABB gewürdigt.

Neu-Ulm, 13. November 2003

gez. Prof. Dr.-Ing. habil. F. Noack
Vorsitzender

gez. Dr.-Ing. H. H. Zimmer
2. Stv. Vorsitzender

Preisträger bis 2002

  • Prof. Dr. H. Baatz
  • R. Dehn
  • A. Hösl
  • H.S. Koekkoek
  • F. Leuthner
  • H. Neuhaus
  • G. Zähe
  • Dr. A. Riedel
  • W. Twachtmann
  • H. Mühleisen
  • Prof. Dr. J. Wiesinger
  • Prof. Dr. H. Steinbigler

Richtlinien für die Verleihung der Benjamin-Franklin-Medaille

VDE ABB
Veröffentlichungsdatum 19.07.1993
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