Wissenschaftler überprüft bionische Handprothese
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Rehabilitationstechnik

Arbeitsschwerpunkte des Fachausschusses Rehabilitationstechnik

Rehabilitationstechnik unterstützt hilfsbedürftige, körperlich eingeschränkte Patienten bei der selbständigen Bewältigung alltäglicher Aufgaben, ermöglicht eine möglichst von Pflege und Betreuung unabhängige Lebensführung und hat die Wiedereingliederung der Betroffenen in ihr berufliches und soziales Umfeld zum Ziel. Dies stellt vor dem Hintergrund der demografischen Bevölkerungsentwicklung und der Zunahme chronisch-degenerativer Erkrankungen in Europa eine wachsende gesellschaftliche Herausforderung dar. Zur Rehabilitationstechnik (bzw. zu den technischen Hilfsmitteln in der Rehabilitation) gehören u.a. Inhalations- und Atemtherapiegeräte, Hörhilfen, Kranken-/Behindertenfahrzeuge, Elektrostimulationsgeräte, Kommunikationshilfen, Sprechhilfen, Therapeutische Bewegungsgeräte, Orthesen und Prothesen für Amputierte. Die Rehabilitationstechnik zeichnet sich neben der Vielfalt zugehöriger medizinischer Geräte durch einige weitere Besonderheiten aus. So erwachsen aus ihrer Anwendung durch den Patienten selbst oder durch pflegende Personen in seinem unmittelbaren Umfeld (nicht durch medizinisches Fachpersonal) komplexe Anforderungen an die patientengerechte Gestaltung der Mensch-Technik-Interaktion. Weitere Besonderheiten der Rehabilitationstechnik sind die Vielzahl der Akteure und die starke handwerkliche Prägung der Branche. Die Hilfsmittel-Leistungserbringer stehen mit zahlreichen Kostenträgern in vertraglicher Beziehung, um Patienten nach einer Verordnung durch Vertragsärzte (medizinische Leistungserbringer) mit Hilfsmitteln zu versorgen. Diese können handwerklich hergestellt sein oder auch teilweise bzw. vollständig aus Komponenten bestehen, die bei industriellen Herstellern zugekauft werden. Ein besonderes Spannungsfeld stellt in der Hilfsmittelversorgung das sogenannte Wirtschaftlichkeitsgebot dar (§ 12 SGB V), welches zu einer Kostenoptimierung zu Lasten der Versorgungsqualität führen kann. Es bleibt zu hoffen, dass bereits existierende und zukünftig zu befürchtende Kostenbegrenzungsmaßnahmen nicht die wirtschaftliche Basis dieser neuen Technologien in Deutschland in Frage stellen. Das „Maß des Notwendigen“ ist bei der Wiedereingliederung Behinderter mit technischen Hilfsmitteln noch lange nicht erreicht, obwohl schon heute erhebliche Verbesserungen der Versorgungs- und Lebensqualität Betroffener möglich sind. Es muss dem wachsenden Bedarf an innovativen technischen Hilfen für Behinderte auch zukünftig ein wachsendes Potenzial technischer Möglichkeiten gegenüber stehen, die den Betroffenen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben mit beruflicher Tätigkeit, Aktivität und Teilhabe an der Gesellschaft bieten.

Der wichtigste Schwerpunkt der Arbeit des Fachausschusses Rehabilitationstechnik liegt in der Förderung der wissenschaftlichen Vernetzung aller in diesem Forschungsfeld aktiven Wissenschaftler. Weiterhin arbeiten seine Mitglieder daran, die Wahrnehmung der Rehabilitationstechnik als spezifischen Bereich der Medizintechnik sowohl national als international auszubauen. Zu den größeren Projekten des Fachausschusses Rehabilitationstechnik in den letzten Jahren zählen:

Die Durchführung des BMBF-Begleitprojekts im Forschungsverbund „Innovative Hilfen zur Rehabilitation und für Behinderte“, das die Vernetzung der in diesem Förderschwerpunkt tätigen Wissenschaftler auf nationaler und internationaler Ebene und deren Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit unterstützte.
Die Organisation und Durchführung der European Conference „Technically Assisted Rehabilitation (TAR)“ im zweijährigen Zyklus. Die letzte TAR 2015 fand am 12./13.03.2015 in Berlin mit insgesamt rund 160 Fachbesuchern aus 15 Ländern statt. Diesmal bildeten am 11.03.2015 der Abschlussworkshop der „COST Aktion TD1006 - European Network on Robotics for NeuroRehabilitation“ und das Statusseminar zum BMBF Förderprogramm „Assistenzsysteme zur Unterstützung körperlicher Funktionen“ den gelungenen Auftakt zur Konferenz.

Die Beteiligung an wissenschaftlichen Tagungen durch die Organisation von Tracks und Workshops zur Rehabilitationstechnik. So gehören Sessions zur Rehabilitationstechnik auf den Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (BMT) seit viele Jahren fest zum wissenschaftlichen Programm.

Die Publikation des im August 2015 erschienenen Lehrbuches „Rehabilitationstechnik“ in der zwölfbändigen DGBMT-Lehrbuchreihe „Biomedizinische Technik“ beim Verlag Walter de Gruyter, dessen Autoren überwiegend Mitgliedern des Fachausschusses sind.

Der Fachausschuss Rehabilitationstechnik trifft sich zweimal jährlich und kooperiert mit anderen Fachausschüssen der DGBMT (AUTOMED, Neuroprothetik, Implantierbare Assistenzsysteme) und mit dem Bundesinnungsverband für Orthopädietechnik, insbesondere mit dessen Fachbeirat.

In seiner zukünftigen Arbeit will der Fachausschuss seine bewährten, oben beschriebenen Aktivitäten fortführen, wozu insbesondere die Fortsetzung der Organisation und Beteiligung an wissenschaftlichen Tagungen gehört. Eine neue Zielstellung besteht darin, ein webbasiertes Infoportal zur Rehabilitationstechnik in Deutschland mit einem Überblick über Forschungs- und Lehreinrichtungen aufzubauen. Erste Ideen dazu wurden auf der letzten Fachausschuss-Sitzung gesammelt. Interessenten sind in unserem Ausschuss stets willkommen.

 

Nächste Sitzung des DGBMT Fachausschusses Rehabilitationstechnik :

Parallel zur OT-World, 15. bis 18. Mai 2018 in Leipzig

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Marc Kraft
Prof. Dr. Catherine Disselhost-Klug

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