01.11.2010 Seite 101 0

Positionspapier Ergonomie in der Medizintechnik

2010, 2. Auflage

Die Vielzahl von Gestaltungsvarianten eines Medizinproduktes ermöglicht eine hohe Zahl ergonomisch sinnvoller Lösungsvarianten. Die ergonomische Gestaltung erfolgt deshalb fallstudienbasiert und überwiegend retrospektiv durch die Analyse und Bewertung konkreter Lösungsentwürfe und -alternativen. Medizinprodukte werden meist durch das Eliminieren von Gestaltungsdefiziten iterativ verbessert. Im Fokus einer erfolgreichen Produktgestaltung steht neben der technischen Leistungsfähigkeit auch die Anwendungssicherheit. Hier müssen innovative Methoden und Werkzeuge zur frühzeitigen Risikoidentifikation und -bewertung im Rahmen der späteren Produktnutzung entwickelt und für die Praxis bereitgestellt werden.

Um zukünftige Produkte besser gestalten zu können, ist eine grundlegende, systematische Analyse medizinischer Arbeitsplätze notwendig. Es besteht Bedarf an der Entwicklung von praxistauglichen, prospektiv ausgerichteten Methoden zur gebrauchszentrierten, ergonomischen Produktgestaltung, die ergonomische Produktanforderungen spezifizieren und testbarmachen. Hierdurch könnten die Zahl der erforderlichen korrektiven Iterationsschleifen im Produktentwicklungsprozess und damit die Entwicklungskosten reduziert werden. Eine wirksame Maßnahme ist die Entwicklung von generalisierten Lösungsvorschlägen für Primärfunktionen, die vielen Medizinprodukten gemein sind. Die Arbeit der Anwender mitverschiedenen Geräten und Systemen würde dadurch deutlich vereinfacht und die Herstellerkönnten den Entwicklungsaufwand reduzieren. Auf folgenden Gebieten besteht Forschungsbedarf zur Gestaltung ergonomisch besserer Medizinprodukte:

  • Entwicklung neuer, innovativer Methoden zum medizinisch-technischen Risikomanagement
  • Weiterentwicklung der Methoden zur systematischen und objektiven Messung ergonomischer Qualität in der Medizin
  • Weiterentwicklung von Grundkonzepten zu Mensch-Maschine-Schnittstellen für die medizinische Umgebung
  • Fallstudien als empirische Basis für validierte Forschung und Entwicklung
  • Erarbeitung von Konzepten für das ideale Zusammenspiel zwischen Anwender und Gerät im Prozess
  • Entwicklung und Validierung von Musterlösungen
  • Nutzen-/Kostenanalyse für ergonomisch optimierte Medizinprodukte
  • Entwicklung von Methoden, die die Krankenhäuser unterstützen, die ergonomischen Qualitäten von Medizinprodukten zu bewerten und diese bei der Beschaffung zu berücksichtigen
  • systematische wissenschaftliche Auswertung von Zwischenfällen mit Medizinprodukten

Kontakt

Prof. Dr. Werner Korb
Prof. Dr.-Ing. Uvo Hölscher
Dr.-Ing. Wolfgang Lauer

Positionspapier Ergonomie in der Medizintechnik

21.09.2016

Die aktuelle Auflage des VDEPositionspapiers „Ergonomie in der Medizintechnik“ stellt die Patientensicherheit beim Einsatz von Medizinprodukten in den Mittelpunkt der Betrachtung. Die derzeitigen Rahmenbedingungen in diesem Bereich werden analysiert und entsprechende Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Patientensicherheit durch ergonomisch gestaltete Medizinprodukte formuliert.

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