01.01.2014 Mitgliederinformation 241 0

Aus der Tätigkeit des ETG-Fachausschuss V2.2 "Arbeiten unter Spannung (AuS)"

1. Der Fachausschuss V2.2 Arbeiten unter Spannung

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Die Energietechnische Gesellschaft im VDE (ETG) bearbeitet alle Gebiete der Elektro-technik in Deutschland. Die Arbeitsschwerpunkte der ETG - Fachbereiche erstrecken sich von der Energieerzeugung, der Energieverteilung bis zur Anwendung der Elektroenergie. Aber auch die neu entstandenen Querschnittstechnolgien werden hier intensiv bearbeitet und untersucht.

Kontakt

Dipl.-Ing. Matthias Diettrich

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Im Fachbereich 2 „Übertragung und Verteilung von elektrischer Energie“ arbeitet der Fachausschuss „Arbeiten unter Spannung“ (AuS), Bild links.

Der ETG-Fachausschuss V2.2 „Arbeiten unter Spannung“ ist das einzige Gremium in Deutschland welches sich aus Anwendern des AuS, Mitarbeitern von AuS Ausbildungsstätten, Vertretern von Forschungseinrichtungen, der Berufsgenossenschaft, Prüf- und Zertifizierungsstellen sowie Vertretern der Hersteller von AuS Ausrüstungen und Vertretern von Industrie- und Anlagenbauunternehmen zusammensetzt um grundsätzliche Fragen bei der Anwendung des AuS zu klären und damit ein stabiles Fundament zur Erhaltung der Sicherheit und der Qualität beim AuS zu schaffen.

Im Fachausschuss werden dabei neue Ausrüstungen zum AuS vorgestellt, neue Technologien entwickelt und bewertet, aber auch Fragen aus dem praktischen Leben des AuS diskutiert und Empfehlungen ausgesprochen, Bild rechts.

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In Deutschland steht ein umfangreiches Werk von allgemeingültigen Vorschriften, Re-geln und Empfehlungen zur Verfügung, die bei konsequenter Einhaltung ein sicheres Arbeiten unter Spannung ermöglichen bzw. gewährleisten. Die Rahmenbedingungen für das Arbeiten unter Spannung werden im Wesentlichen durch die Berufsgenossenschaftliche Regel „Arbeiten unter Spannung an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln“ (BGR A3) und die DIN VDE 0105 definiert. Diese Vorschriften beinhalten die technisch-organisatorischen Voraussetzungen für das AuS im Unternehmen, die Kriterien zur Personalauswahl, die Gestaltung der Arbeitsabläufe bei der Auftragserteilung an Fremdfirmen, Grundsätze zur Vorbereitung und Durchführung von AuS ebenso, wie die Grundsätze für den Erwerb und die Erhaltung der Befähigung zum AuS.
Die Personalauswahl, eine Spezialausbildung AuS und entsprechende Rahmenbedingungen im Unternehmen sind daraus abgeleitet natürlich grundlegende Voraussetzungen für die Einführung und Anwendung der Methode AuS in allen Spannungsbereichen.

2. Vertrauensgrundsätze AuS

Ergänzende Vertrauensgrundsätze für das AuS formulierte der Fachausschuss unter Berücksichtigung der in der BGR A3 festgelegten Mindestanforderungen für die Vorbereitung und Durchführung von AuS. Sie gelten für alle am Arbeiten unter Spannung Beteiligten, d.h. für Arbeitgeber, Anlagenverantwortliche, AuS anweisende und AuS ausführende Personen.

Die Vertrauensgrundsätze beim AuS ermöglichen klare Verfahrensweisen und Entscheidungen bei:

  • der Gestaltung des Arbeitsschutzes
  • der Festlegung von Arbeitsabläufen
  • der Formulierung von Arbeitsanweisungen
  • der Bereitstellung und Reservehaltung von Ausrüstungen
  • der Praxisorientierung
  • der AuS-Spezialausbildung
  • der Festlegung von Maßnahmen zum Erhalt der Befähigung zum AuS
  • der Durchführung von Kontrollen
  • der Festlegung von Sanktionen bei Missachtungen oder Verstößen.

Die aktuelle Fassung der „Vertrauensgrundsätze AuS“ ist im öffentlichen Bereich der ETG-Homepage des Fachausschusses V2.2 veröffentlicht.

3. Zielstellungen

Das unverminderte Interesse am AuS in allen Spannungsbereichen von der Nieder- bis zur Höchstspannung, der zunehmende Anwendungsgrad, neue und verbesserte Ausrüstungen sowie umfangreiche Erfahrungen beim AuS waren und sind Anlass für Überlegungen, weiterführende Schritte zur Sicherung und Verbesserung der Arbeitssi-cherheit auf dem Fachgebiet AuS zu unternehmen.

Zielstellungen der Arbeit des FA sind deshalb

die fachliche Unterstützung und Beratung zur Anwendung des AuS in allen Spannungsebenen

  • die Erarbeitung von Ausbildungskonzeptionen und Muster-Betriebsvorschriften
  • die Einhaltung eines hohen Qualitätsstandards bei der AuS-Spezialausbildung
  • die fachliche Unterstützung bei der Weiterentwicklung von Technologien und Ausrüstungen
  • die Unterstützung der Normungsarbeit auf dem Gebiet AuS in allen Spannungsebenen
  • die Organisation und die Beteiligung an nationalen und internationalen AuS-Fachveranstaltungen mit Unterstützung und fachlicher Beratung von Unternehmen und anderen Veranstaltern

Neben anderen Faktoren ist besonders wichtig, in den vielen Trainingseinrichtungen eine vergleichbare hohe Qualität bei der Erst- und Wiederholungsausbildung zum Arbeiten unter Spannung und die Einhaltung der hohen Sicherheitsanforderungen am Arbeitsplatz, besonders beim Einsatz von Dienstleistungsunternehmen (Fremdfirmen), zu gewährleisten.

4. Gütezeichen AuS

4.1 Einführung

Zur Qualitätsprüfung und Qualitätssicherung der Ausbildung wurde 2011 das „Gütezeichen AuS“ eingeführt. Basis der Qualitätsprüfung bilden die allgemeinen Sicherheits-grundsätze der Live Working Association und die nationalen Vorschriften, Zertifikat-Vorschau links.

Die Teilnahme am Zertifizierungsverfahren ist freiwillig und erfolgt auf Antragstellung. Das Gütezeichen wird nach einer erfolgreich absolvierten Prüfung durch den ETG-Güteausschuss AuS vom VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut Offenbach vergeben.

Es dokumentiert für die Ausbildungsstätten die konsequente Einhaltung optimaler Trai-ningsbedingungen in Theorie und Praxis und später auch für Anwender die konsequente Einhaltung aller technisch-organisatorischen Voraussetzungen (vom Management bis zur Ausführung der Arbeiten). Die an diesem Verfahren beteiligten Unternehmen verpflichten sich mit der Antragstellung durch andere zertifizierte Ausbildungsstätten, erteilte Befähigungsnachweise AuS anzuerkennen.

Die „Güte- und Prüfbestimmungen“ mit Durchführungsbestimmungen, der Antrag auf Zertifizierung sowie weitere Informationen zum Gütezeichen AuS sind im Bereich ‚Güte-zeichen‘ ebenfalls auf der ETG-Homepage des Fachausschusses V2.2 veröffentlicht.

4.2 Bisherige Erfahrungen

Bisher wurden 17 Ausbildungsstätten mit Erfolg zertifiziert. Bei den auditierten Unternehmen bzw. Ausbildungsstätten gab es teilweise kleine Mängel oder Probleme, welche aber in kurzer Zeit behoben werden konnten. Die zertifizierten Ausbildungsstätten äußerten sich bisher vorrangig positiv zur Zertifizierung. Als großer Vorteil wird von allen der Nach-weis des sehr guten Qualifikationsniveau sowie der hohen Sicherheitsanforderungen in der Ausbildung genannt. Gleichzeitig konnte das Auswahlverfahren in Ausschreibungen verbessert und vereinfacht werden. Positiv wurde von den teilnehmenden Unternehmen genannt, dass die Unterlagen auf der ETG Webseite veröffentlicht und zugänglich sind.

Die Akzeptanz des Gütezeichen (Berechtigung und Nachweis Befähigung AuS) ist nicht überall gegeben. Hier ist vorrangig in der Industrie und bei dem Handwerk Aufklärungsarbeit zu leisten. Durch den VDE ist in nächster Zeit eine Telefon- Marketing- Aktion geplant, in der eine Steigerung des Bekanntheitsgrades erreicht werden soll

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Derzeit wird die Rezertifizierung nach drei Jahren durchgeführt. Künftig soll das Zertifikat für vier Jahre ausgestellt werden. Dafür wird nach zwei Jahren ein „Überwachungsaudit“ ein- bzw. durchgeführt. Hierbei soll eine Befragung des Kunden über eventuelle Änderungen in der Ausbildung als auch bei dem Personal vorgenommen werden, Bild rechts.

Für alle beteiligten Unternehmen im Trainingsbereich sowie im Ausführungsbereich des AuS ergibt sich damit ein großer Vorteil – sie dokumentieren einheitlich höchste Qualität und Arbeitssicherheit. Auftraggeber für Training und Ausführung von AuS aus allen Wirtschaftsbereichen können sowohl auf ein hohes Ausbildungsniveau des Personals vertrauen als auch bei der Vergabe von Aufträgen ihrer Auswahlverantwortung national und international besser gerecht werden. Eine unternehmensspezifische Mehrfachqualifikation mit den Inhalten einer Erstschulung zum AuS wird weitgehend vermieden. An spezielle Technik angepasste Ergänzungsunterweisungen und unternehmensspezifische Kontrollarbeiten können optimiert werden und erfordern keinen großen Zeit- und Kostenaufwand.

5. Zukünftige Aktivitäten

Folgende Fragestellungen bzw. Themen werden den Arbeitskreis in naher Zukunft beschäftigen:

  • Überprüfung des Gütezeichens nach jeweils drei (vier) Jahren
  • Personaleinsatz in neuen Technologiebereichen (KfZ-Technik)
  • Stichprobenkontrollen vor Ort
  • Verfahren zum Erhalt der Befähigung AuS
  • Alleinarbeit bei AuS
  • AuS ohne PSA (Handschutz, Gesichtsschutz, Kopfschutz, …)
  • Standpunkt zu Arbeiten in Sekundärkreisen
  • Netztechnische Maßnahmen

Besonderes Augenmerk soll auf folgende Probleme gelegt werden:

  • Technologie im Bereich Photovoltaik
  • Personaleinsatz im KfZ-Bereich ‚Hohe Spannungen‘,

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Neue Richtlinien und Informationen der Berufsgenossenschaft ETEM sowie die Ausbil-dung von Hybrid-Technikern im KfZ-Bereich sind erste Schritte in die richtige und sichere Handhabung dieser neuen Technologien. Es sind jedoch noch Fragen offen, deren Be-antwortung eine Stabilisierung und Erhöhung der Sicherheit und Qualität der Arbeiten unter Spannung für die Zukunft sichern.

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