01.03.2005 Frankfurt Fachinformation 47 0

VDE-Studie Elektrische Energieversorgung 2020: Perspektiven und Handlungsbedarf

Entscheidungsstau im Kraftwerksbau
Neue Studie zeigt Szenarien für effizienteren Klimaschutz

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VDE-Studie Energieversorgung 2020: Perspektiven und Handlungsbedarf

Bis 2020 müssen bundesweit rund 40 Gigawatt (GW) Kraftwerksleistung erneuert und aufgrund der Energiepolitik über 20 GW Kernkraftwerksleistungen ersetzt werden. Zusätzliche Kapazitäten an fossilen Reservekraftwerken werden durch den steigenden Windenergieanteil benötigt. Angesichts der langen Planungs- und Bauzeiten bei Kraftwerken besteht daher höchster Entscheidungs- und Handlungsbedarf. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des VDE, die auf einer repräsentativen Datenbasis Szenarien für die Zukunft der Stromversorgung bewertet.

"Elektrische Energieversorgung 2020 - Perspektiven und Handlungsbedarf" ist der Titel der VDE-Studie. Sie untersucht in drei Modellrechnungen, wie sich die unterschiedliche Nutzung von regenerativen Energien, fossilen Brennstoffen und Kernenergie auswirkt. Die Ergebnisse unterscheiden sich sehr deutlich sowohl beim Ausstoß des Treibhausgases CO2 als auch bei den notwendigen Investitionen.

Die "Variante Wind" unterstellt - entsprechend der offiziellen Energiepolitik - eine intensive Förderung regenerativer Energien, insbesondere der Windkraft, und den vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie bis 2020. Die entstehende Energielücke wird in diesem Szenario durch Gasimporte geschlossen. Der CO2-Ausstoß wird den gemäß Kyoto-Vorgabe schon für 2012 geforderten Wert von 302 Mio. Tonnen erst in 2020 mit 292 Mio. Tonnen knapp unterschreiten. Mit 123 Mrd. Euro fallen die höchsten Investitionskosten an, vor allem auch als Folge der bei Windenergienutzung notwendigen Reservekapazitäten. Hinzu kommt eine zunehmende Importabhängigkeit.

Das zweite Szenario erreicht das Kyoto-Ziel kostengünstiger. Es geht davon aus, dass die jüngeren Kernkraftwerke länger betrieben werden und 2020 noch die Hälfte der heutigen Strommenge liefern. Auch in diesem Modell leisten die regenerativen Energien mit 15 Prozent einen relevanten Beitrag zur Stromerzeugung. Der Investitionsaufwand sinkt um knapp 40 Mrd. auf 85 Mrd. Euro.

Drastisch weniger Treibhausgas ist das Kennzeichen im Szenario 3 des VDE. Die erneuerbaren Energien werden einen Anteil von 26 Prozent an der Stromversorgung erreichen, die Nutzung der Kernenergie bleibt auf heutigem Niveau. Der Ausstoß von CO2 sinkt in dieser Rechnung von 314 Mio. Tonnen im Jahr 2003 um 39 Prozent auf 192 Mio. Tonnen 2020. Die Reduzierung des Treibhausgases um 122 Mio. Tonnen ist mehr als fünfmal so hoch wie bei der Variante Wind. Braunkohle würde - anders als Steinkohle - weiter verstromt. Die Investitionskosten lägen bei knapp unter 100 Mrd. Euro und damit zwischen erstem und zweitem Szenario. Die Importabhängigkeit wäre gering.