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05.05.2011 199 0

FNN-Lastenheft für EDL21-Zähler (überarbeitete Version 1.1)

Elektronische Haushaltszähler - Funktionale Merkmale und Protokolle

Mit dem Lastenheft zur Spezifikation des EDL21-Zählers hat das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Standardisierung von elektronischen Haushaltszählern erreicht. Das Lastenheftes EDL, Version 1.0 vom Januar 2010 zur Beschreibung der erforderlichen Spezifikationen funktionaler Merkmale und Protokolle für einen elektronischen Elektrizitätszähler, die den erforderlichen Mindestanforderungen nach § 21b EnWG genügen, wurde unter Berücksichtigung der bisherigen Erkenntnisse aus der Praxis konsequent weiterentwickelt.

Die technischen Spezifikationen für den elektronischen Haushaltszähler, die zusätzlich zum Zählerstand auch Verbrauchsdaten speichern, anzeigen und über standardisierte Schnittstellen übertragen, haben Hersteller und Anwender gemeinsam im FNN abgestimmt. Dabei wurden auch Randbedingungen, die die neuen Zähler aus verbraucher- und datenschutzrechtlicher Sicht erfüllen müssen, berücksichtigt.

Konkrete Vorgaben, welche Funktionalitäten eine Messeinrichtung zu erfüllen hat, finden sich weder im EnWG noch in der auf dieser Grundlage erlassenen MessZV. Allerdings ist aus der Entstehungshistorie der Absätze 3a und 3b des § 21b EnWG ersichtlich, dass der Gesetzgeber mit der gewählten Formulierung das Ziel verfolgt, den Letztverbraucher mit konkreteren Informationen über seinen Energieverbrauch zu versorgen und damit einen Anreiz für ein energiesparendes Verhalten zu setzen. Der Gesetzgeber verfolgt damit einen Ansatz, der Anreize zu energieeffizientem Verhalten nicht nur durch Tarifgestaltung und Kosteneinsparungen setzt, sondern vor allem durch Aufklärung und Information über den Energieverbrauch. Das vorliegende FNN-Lastenheft für den EDL21-Zähler beschreibt die aus heutiger Sicht dazu erforderlichen Funktionalitäten.

Die verbraucherfreundlichen, kostengünstigen und zuverlässigen EDL21-Zähler bieten die Option, auch komplexe Tarife abbilden zu können. Dazu kann er durch ein Kommunikationsmodul (MUC-Controller) erweitert werden, so dass z.B. eine Fernablesung möglich ist. Damit können dann - sofern vom Kunden gewünscht - z.B. für die Realisierung komplexer Tarife ¼-h-Lastgänge erfasst werden. Der Kunde ist dabei jederzeit in der Lage, mit einfachen Mitteln die Richtigkeit seiner Rechnung nachzuvollziehen. Der Kunde kann die sogenannte INFO-Schnittstelle nutzen, um z.B. ein Home-Display aus dem Zubehörmarkt mit den notwendigen Daten zu speisen.

Die Bundesregierung hat bereits im August 2007 mit dem integrierten Energie- und Klimaprogramm (Meseberg-Beschlüsse) u.a. die vollständige Liberalisierung des Zähl- und Messwesens in den Sparten Strom und Gas beschlossen und die flächendeckende Einführung elektronischer Energieverbrauchszähler avisiert. Zur nationalen Umsetzung EU-Richtlinie über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistung trat am 9. September 2008 das Gesetz zur Öffnung des Messwesens für Strom und Gas (EnWG) und am 23. Oktober 2008 die Messzugangsverordnung (MessZV) in Kraft. Den betroffenen Marktakteuren wird mit der Liberalisierung des Messwesens eine Vielzahl von inhaltlichen Vorgaben, verbunden mit engen zeitlichen Fristen auferlegt. Dies betrifft insbesondere die Regelungen der §§ 21b Abs. 3a/b und 40 Energiewirtschaftsgesetz (EnWG).

Seit 1. Januar 2010 müssen gemäß § 21b EnWG in Neubauten und bei größeren Renovierungen Messeinrichtungen installiert bzw. angeboten werden, die dem Anschlussnutzer den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln. Dies wird im Rahmen eines modularen Konzeptes durch den elektronischen Strom-Basiszähler (EDL21-Zähler) realisiert.

Seit 30. Dezember 2010 sollen dem Elektrizitätsverbraucher gemäß § 40 EnWG zusätzlich lastvariable oder tageszeitabhängige Tarife angeboten werden, die einen Anreiz zu Energieeinsparung oder Steuerung des Energieverbrauchs setzen. Dies erfolgt durch die Ergänzung des Strom-Basiszählers um den MUC-Controller zum sogenannten EDL40-System. Hierzu wurde im FNN bereits ein Lastenheft MUC (Version 1.0, vom August 2009) zur Spezifizierung der notwendigen Schnittstellen und Kommunikationsstandards veröffentlicht, das derzeit überarbeitet wird.

Mit der Novellierung des EnWG und der dem nachgelagerten Verordnungen, insbesondere die neue MessZV, sowie dem vorgesehenen Schutzprofil für intelligente Messsysteme zeichnen sich bereits heute weitere Entwicklungsschritte ab, die in einer zükunftiegn Überarbeitung des Lastenheftes Berücksichtigung finden werden.

Die konstruktiven Vorgaben zur Spezifizierung der Mechanik des o.g. EDL21-Zählers werden in den Lastenheften eHZ (Stecktechnik) bzw. 3.HZ (Dreipunkt-Befestigung) definiert.

Interessierten steht dieser FNN-Hinweis als Kaufexemplar im VDE-Shop und für FNN-Mitglieder kostenfrei als PDF-Download zur Verfügung.