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23.06.2011 18 0

ZMP 2011 "Innovatives Metering - Herausforderung 2020"

Rückblick auf den FNN-Fachkongress "Zählen - Messen - Prüfen" (ZMP) am 23./24. Mai 2011

Fast 1.000 Interessierte kamen am 23. und 24. Mai 2011 zum FNN-Fachkongress "Zählen - Messen - Prüfen" (ZMP) auf die NürnbergMesse. Die ZMP 2011, die in diesem Jahr unter dem Motto "Innovatives Metering - Herausforderung 2020" stand, fand und zum 2. Mal in der Trägerschaft des Forums Netztechnik/ Netzbetrieb (FNN) statt und hatte insbesondere mit Blick auf die aktuellen energiepolitischen Entwicklungen große Erwartungen geweckt.

Das Interesse an einer Energiewende in Deutschland und damit einer beschleunigten Umsetzung des Energiekonzeptes der Bundesregierung geht nicht zuletzt einher mit den Entwicklungen im Messwesen. Auch durch den Einsatz von intelligenten Energieverbrauchsmesssystemen sollen die Ziele des Energie- und Klimaschutzpaktes erreicht werden. Denn damit auch in Zukunft die Energieversorgung in der bis heute gewohnten Qualität aufrecht erhalten werden kann, sind intelligente Netze (sog. Smart Grids) nötig, die eine gesteuerte Balance zwischen Verbrauch und Erzeugung ermöglichen. Wenn sich der Verbrauch in einem Umfeld zunehmenden dezentralen Einspeisung dem oft stark fluktuierenden Angebot anpassen soll, sind z.B. Preisanreize ein wichtiges Steuerelement, um den Endverbraucher zu einem optimalen Verbrauch bei optimaler Einspeisung zu animieren. Hierzu bedarf es intelligenter Zähler. Dabei darf aber das Ziel, eine effektive, zuverlässige, ökologische und trotzdem preiswerte Energieversorgung, nicht aus den Augen verloren werden. Die Branche steht also vor immensen Herausforderungen und Investitionsnotwendigkeiten in allen Netzebenen, wobei das Zähl- und Messwesen an zentraler Stelle zunehmend an Bedeutung gewinnt. Derzeit befinden wir uns noch am Anfang eines langen Lern- und Automatisierungsprozesses. Für ein intelligentes und effizientes Gesamtsystem müssen Energie-, Informations- und Kommunikationstechnologien eng verzahnt werden. Smart-Metering-Systeme als wesentlicher Bestandteil intelligenter Energienetze müssen aber auch hohe Anforderungen an Messzuverlässigkeit sowie Datenschutz und -sicherheit genügen. Es werden also große Herausforderungen in den nächsten zehn Jahren auf Energieversorger und Zulieferer-Industrie zukommen.

Wesentlich sind hierzu klare und verlässliche Rahmenbedingungen des Gesetzgebers. Die aktuelle Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) und seiner Verordnungen bietet die Chance, Verunsicherungen zu beseitigen und notwendige Innovationsanreize zu setzen.

Das Motto der ZMP 2011 "Innovatives Metering - Herausforderung 2020" bezieht sich auch auf das 3. EU-Binnenmarktpaket. Demnach sollen bis zum Jahr 2020 rund 80 % der Haushalte mit intelligenten Zählern ausgestattet sein. Aber trotz der klaren politischen Zielvorgaben ist festzustellen, dass die bisherigen Rahmenbedingungen noch nicht ausreichend dafür gesorgt haben, die erforderlichen Investitionen anzuschieben. Schließlich geht es bei dem geplanten Austausch von ca. 45 Millionen Haushaltszählern um Investitionen in Milliardenhöhe.

Nachdem Ludger Meier als Vorstandsvorsitzender des FNN die Grußworte sprach, gab Geertje Stolzenburg (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft - BDEW) einführend einen Überblick über die neuen gesetzlichen Regelungen, die aus der EnWG-Novellierung resultieren. Aus Sicht der Regulierungsbehörde erörterte hierzu Kai Paulssen (Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahn) die Position der Bundesnetzagentur. Demnach wird eine Entscheidung bezüglich einer weiterführenden Rolloutverpflichtung für intelligente Zähler erst nach der Kosten-Nutzen-Analyse durch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) im Herbst 2012 unter der Prämisse, dass für Anschlussnutzer keine Mehrkosten entstehen dürfen, fallen. Die Bundesnetzagentur sieht im Gegensatz zur Entwicklung in Europa den intelligenten Zähler nicht als unverzichtbaren Bestandteil eines Smart Grid, differenziert vielmehr zwischen Smart Market und Smart Grid. Sie schätzt, dass aus Erfordernissen des Netzes weniger intelligente Zähler erforderlich sind.

Über die geplante Einführung und Entwicklung eines Schutzprofils für intelligente Messsysteme informierte Bernd Kowalski vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aus erster Hand. Ziel ist es, bis Mitte des Jahres eine stabile Fassung des Schutzprofils fertig zu stellen. Dem entsprechend werden Vorbereitungen zur Produktentwicklung und Zertifizierung getroffen sowie bis Anfang 2012 technische Richtlinien zur Spezifikation der erforderlichen Messsysteme erarbeitet.

Weitere Themenschwerpunke der ZMP 2011 waren die technischen Regeln und Spezifikationen, die im FNN bezüglich des Messwesens erarbeitet werden. Hier informierten u.a. Peter Zayer (VOLTARIS GmbH) und Jörg Reuschel (Vattenfall Europe Netzservice GmbH). Ausführlich berichtet wurde auch über Praxisbeispiele und Pilotprojekte.

Der zweite Veranstaltungstag war geprägt vom Thema Prüfstellen und den fünf parallelen Fachforen. So stellt z.B. Dr. Norbert Leffler (BMWi) die Überlegungen des Bundeswirtschaftsministeriums zur Novellierung des gesetzlichen Messwesens vor. Über die zukünftigen Aufgaben der Prüfstellen sprachen Jürgen Kramny (EnBW Operations GmbH) und Dir. u. Prof. a. D. Dr. Wilfried Schulz (Agentur für Messwertqualität und Innovation e.V.).

Last but not least wurde auch über die Standardisierung von Smart Metering im europäischen Umfeld (Ralf Hoffmann, ESMIG European Smart Metering Industry Group) und über Vertrauenswürdigkeit, Benutzerfreundlichkeit und andere soziotechnische Konstruktionsparameter für erfolgreiche Mess- und Zähltechnik (Dr. Martin Kahmann, Physikalisch-Technische Bundesanstalt) berichtet.

Der auf der letzten ZMP im Jahr 2009 vorgestellte "Georg-Hummel-Preis" wurde im Frühjahr 2010 zum ersten Mal ausgeschrieben wurde. Dieser Preis soll hervorragende Studien- und Abschlussarbeiten aus dem Bereich der Messung elektrischer Energie und Leistung, insbesondere aus den Gebieten Zählen, Messen, Prüfen, Messdatenverarbeitung/-weitergabe, Messtechnikeinsatz zur Energieeffizienzsteigerung sowie damit verbundene Themen aus wirtschafts-, sozial- oder rechtswissenschaftlichen Disziplinen auszeichnen. Ziel ist es, junge Talente auf den o.g. Gebieten der Energiemesstechnik und der damit verbundenen Themen zu fördern. Der "Georg-Hummel-Preis" ist mit 2 x 5.000 Euro dotiert (Technik-/Ökonomiepreis) und wird vom Veranstalter des FNN-Fachkongresses "Zählen - Messen - Prüfen", der EW Medien und Kongresse GmbH, gesponsert.

Bewerben konnten sich immatrikulierte Studenten und Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen: Bachelor- und Master-Studenten, Diplomanden, Doktoranden und junge Wissenschaftler. Eingereicht wurden aussagekräftige Kurzfassungen von Bachelor-, Studien-, Master-, Magister- oder Diplomarbeiten. Voraussetzung war, dass die Arbeiten abgeschlossen und von den Hochschulen angenommen worden sind und nicht länger als zwei Jahre zurücklagen. Eine weitere Voraussetzung war das Plädoyer des die Arbeit betreuenden Lehrstuhls oder Institutes. Bewerbungsschluss war der 30. November 2010.

Eine Jury hat die Bewerbungen zum "Georg-Hummel-Preis" bewertet und die beiden Preisträger ermittelt. Die Preisverleihung fand im Rahmen der ZMP 2011 am 23. Mai 2011 in Nürnberg statt.

Glückwunsch an Christian Schäfer und Oliver Schaloske! Den beiden Absolventen der Hochschule für Ökonomie & Management wurde der Georg-Hummel-Preis für ihre herausragenden Abschlussarbeiten zum Thema Smart Metering verliehen. Nachdem sie den Preis aus den Händen des Jury-Vorsitzenden Dipl.-Ing. Dietrich Ermert entgegen genommen hatten, stellten Christian Schäfer und Oliver Schaloske den rund 1.000 Kongressteilnehmern ihre Abschlussarbeiten vor.

Christian Schäfer evaluierte effiziente Übertragungstechnologien und Netzwerkarchitekturen für den Einsatz von Smart Metering. Dabei lag sein Fokus auf dem Bereich der Nahkommunikation - vom Zähler bis zum ersten Datenkonzentrator. Anders Oliver untersuchte vor einem betriebswirtschaftlich geprägten Hintergrund, welche Marktteilnehmer bzw. Unternehmen von der Einführung des Smart Metering profitieren und wie sich dieser Nutzen nachweisen und bewerten lässt.

In der begleitenden Fachausstellung präsentierten 75 Aussteller ihre Produkte und Lösungen aus den Fachbereichen Messgeräte, Datenübertragung, Software und Zubehör. Der ZMP-Kommunikationsabend in der Ausstellung am Ende des ersten Veranstaltungstages bot eine ideale Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur Knüpfung von wertvollen Kontakten.

Weitere Informationen über den FNN-Fachkongress "Zählen-Messen-Prüfen" finden Sie im Internet unter http://www.z-m-p.de