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19.03.2015 10 0

Partielle Sonnenfinsternis: Netzbetreiber gut gerüstet

Auswirkungen der partiellen Sonnenfinsternis am 20. März 2015 auf Photovoltaik-Einspeisung hängen von Bewölkung ab

Übertragungsnetzbetreiber bereiten sich seit einem Jahr auf das Wetterphänomen vor, mehr Regelleistung unter Vertrag

Am 20. März 2015 kommt es in Deutschland zwischen 9:30 Uhr und 12:00 Uhr zu einer partiellen Sonnenfinsternis. Die Sonne wird dann bis zu 82 Prozent vom Mond verdeckt. Bei einer installierten Photovoltaik-Leistung von mittlerweile rund 39 Gigawatt in Deutschland kann dies Auswirkungen auf die Systemstabilität des Netzes haben, wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden. Die Systemverantwortung liegt in Deutschland bei den vier Übertragungsnetzbetreibern. "Das Thema ist seit mindestens einem Jahr bekannt, seitdem bereiten sich die Netzbetreiber in Deutschland und Europa gemeinsam darauf vor", so Heike Kerber, Geschäftsführerin des Forums Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN).

Wie stark der Handlungsbedarf an diesem Tag tatsächlich ist, hängt von der Stärke der Bewölkung ab. Laut einer internen Studie der Übertragungsnetzbetreiber würde die Photovoltaik-Einspeisung bei völlig wolkenlosem Himmel zu Beginn der Sonnenfinsternis rund 16 Gigawatt betragen. Rund 25 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland wäre in diesem Fall durch Photovoltaik-Einspeisung gedeckt. Dieser Wert sinkt bei klarem Himmel in der ersten Hälfte der Sonnenfinsternis, mit zunehmender Beschattung durch den Mond, um 12 Gigawatt auf etwa 4 Gigawatt. In der zweiten Hälfte der Sonnenfinsternis steigt die Einspeisung aus Photovoltaikanlagen mit zurückgehender Beschattung wieder an. Da die Sonne zur Mittagszeit bereits höher steht, ist ihre Einstrahlung jetzt aber noch höher als zu Beginn der Sonnenfinsternis. Daher steigt die Photovoltaik-Einspeisung nun innerhalb von rund 75 Minuten um 19 Gigawatt auf etwa 24 Gigawatt an.

Ohne Gegenmaßnahmen könnte eine solche Eindellung der Einspeisung am Vormittag eines durchschnittlichen Werktags die Systemstabilität gefährden. Da die Sonnenfinsternis aber lange vorher bekannt ist, haben sich Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland und Europa intensiv darauf vorbereitet und Gegenmaßnahmen ergriffen.

Die Vorbereitungen der Netzbetreiber umfassen drei Maßnahmen:

  • Abstimmung aller Übertragungsnetzbetreiber in Europa unter dem Dach ihres technischen Verbands ENTSO-E (Brüssel)
  • Einkauf von deutlich mehr Regelenergie als an normalen Tagen. Regelenergie muss von Stromerzeugern zwischen 30 Sekunden und 15 Minuten geliefert werden. Diese witterungsunabhängige gesicherte Leistung kommt dabei von konventionellen Kraftwerken und Pumpspeicherwerken.
  • Schulung der Mitarbeiter und verstärkte Besetzung der Netzleitstellen. So können Netzbetreiber auf jede Situation im Netz optimal reagieren.

"Am Tag vor der Sonnenfinsternis werden wir aufgrund der genauen Wetterprognosen Klarheit über die zu erwartende Veränderung der Photovoltaik-Einspeisung im Netz haben. Die Übertragungsnetzbetreiber werden dann ähnlich wie bei anderen Wetterereignissen ihre Planungen zur Netzsteuerung feinjustieren", so Kerber weiter. Die Sonnenfinsternis am 20. März 2015 stellt eine Herausforderung für den Netzbetrieb dar, die die Übertragungsnetzbetreiber nicht zuletzt wegen der langen Vorbereitungszeit aber für beherrschbar halten.