FNN-Fachkongress Netztechnik 2017 Nürnberg
15.12.2017 345 0

Energiewende und Systemwandel nachhaltig gestalten

Vom 6. bis 7. Dezember traf sich die Energiebranche zum FNN-Fachkongress Netztechnik, in diesem Jahr bereits zum zwanzigsten Mal. Knapp 600 Entscheider und Experten diskutierten die Herausforderungen des Systemwandels, um auch morgen die sichere und zuverlässige Versorgung mit Elektroenergie zu gewährleisten.

Heike Kerber, Geschäftsführerin von VDE|FNN, hat in ihrer Begrüßungsrede aufgefordert, gemeinsam und konkret an der Weiterentwicklung der Netze zu arbeiten. Es reiche nicht mehr aus, über Pläne zu sprechen. Konkrete Lösungen seien notwendig. Dazu haben die Kongressteilnehmer hoch fachliche und gleichzeitig praktische Wege erörtert – ob im Plenum, in den Foren, der Ausstellung, Speakers‘ Corner oder auf dem Start-up-Marktplatz.

Elektromobilität: große Chance für die Netze

Gerade in den Foren gab es einen intensiven Austausch. Bei dem Thema Elektromobilität etwa kamen die Teilnehmer zu dem Ergebnis, dass die neue Form der Mobilität eine große Chance für die Stromnetze sei. Dafür müssten nun Netzbetreiber und Automobilhersteller gemeinsam und rasch handeln. Eine weitere wichtige Erkenntnis: Ladevorgänge müssen gesteuert werden. Außerdem sei das Netz für die neuen Herausforderungen vorbereitet, es gäbe jedoch punktuell Engpässe. Hier spricht sich die Branche für Netzausbau aus, betont aber gleichzeitig die Bedeutung der bestehenden Infrastruktur. Diese solle genutzt und weiterentwickelt werden.

FNN-Roadmap zur Integration der Erneuerbaren

VDE|FNN unterstützt diesen Weg und hat dazu einen konkreten Arbeitsplan für die nächsten Jahre erarbeitet. Stefan Küppers, Vorstandsvorsitzender von VDE|FNN, stellte dazu in Nürnberg erstmals die neue FNN-Roadmap „Vom Netz zum System“ vor. Im Fokus der Roadmap stehen Aktivitäten, um das Stromversorgungssystem auf den Betrieb mit 80 Prozent erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 vorzubereiten.  VDE|FNN hat dafür insgesamt 13 Themen mit konkreten Aktivitäten, Ergebnissen und Terminen erarbeitet – für die Bereiche Rollen und Aufgaben, Netz- und Systembetrieb sowie Kommunikationstechnik.

Auch wenn es über zehn Wochen nach der Bundestagswahl noch keine neue Regierung gibt, sei für die Politik der Weg klar. So unterstrich die Leiterin der Abteilung Netze im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Frau MinR‘in Dr. Gerlind Heckmann, in ihrer Rede, dass der Energieverbrauch gesenkt werden müsse, damit die Klimaschutzziele erreicht werden. Die Vereinbarungen von Paris müssten ernst genommen werden und alle Beteiligten konsequent daraufhin arbeiten. Dabei sei es wichtig, nicht nur Strom, sondern alle Sektoren im Blick zu haben. So würde aus der Energiewende eine Energiesystemwende werden. Zudem müsse diese Wende europäisch gedacht werden.

Mehr Tempo bei Regelsetzung, Genehmigung und Elektromobilität

In der anschließenden Diskussion hat sich Heckmann als Vertreterin der Politik zusammen mit der Wirtschaft dem Realitätscheck gestellt. Eine wichtige Erkenntnis dabei war, dass die ordnungspolitische Regelsetzung beschleunigt werden müsse, ebenso Genehmigungsverfahren für Netzplanung und -ausbau. Auch bei der Elektromobilität müsse die neue Regierung mit hoher Geschwindigkeit in die Umsetzung gehen. Hier werde ebenso die Wirtschaft mit Tempo voranschreiten und die anstehende Entwicklung einwandfrei vorbereiten. Dr. Stefan Küppers als Westnetzvertreter
betonte bei der Diskussion, dass die Nutzung von vorhandenen Netzkapazitäten und von Speichern für die Weiterentwicklung des Energieversorgungssystems erforderlich sei. Dr. Roland Bauer von 50Hertz Transmission brachte dies mit der Forderung nach einer nachhaltigen Energiewende auf den Punkt.

Den Nachwuchs fit machen

VDE|FNN hat auch in diesem Jahr die jungen Talente der Netzbranche für den Kongress begeistert. Mit über 50 Teilnehmern haben so viele Auszubildende, Trainees, Dualstudierende und junge Mitarbeiter wie noch nie an dem Nachwuchsprogramm teilgenommen. Highlight war ein DJ-Workshop. Hier lernte der Nachwuchs mittels Musik, Mischpult und Song-Datenbank, wie man schnell Entscheidungen trifft und wie entscheidend Konzeption, Vorbereitung und Mut für die eigenen Arbeitsergebnisse sind. Ganz wichtig dabei: die Zielgruppe im Blick behalten.

La-Ola-Welle für die Gridslammer

Dass man sich Netzthemen auch unterhaltsam nähern kann, bewiesen drei Netztechniker am Abend des ersten Kongresstages beim Gridslam. In jeweils zehnminütigen Vorträgen, die aus kurzen Sätzen, flotten Sprüchen und einer mitreißenden Perfomance bestanden, haben sie das Publikum über Blindleistung, Technisches Sicherheitsmanagement und Speicher aufgeklärt. Am Ende belohnte das Publikum die Slammer mit einer La-Ola-Welle und den Sieger Ole Marggraf mit einem Applaus der höchsten Stufe.