VDE|FNN formuliert netzbetriebliche Anforderungen an Steuerungsanwendungen mit dem intelligenten Messsystem.
28.07.2020

Anlagensteuerung mit dem intelligenten Messsystem

VDE FNN formuliert netzbetriebliche Anforderungen an Steuerungsanwendungen, die durch das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende eingeführt werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der FNN Hinweis beschreibt die Anforderungen an Steuerungsanwendungen, die für einen sicheren und zuverlässigen Netzbetrieb unabdingbar sind 
  • Netzdienliche und netzkritische Steuerungsfunktionen haben hohe Priorität

Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende legt die rechtlichen Grundlagen für ein digitales Stromnetz fest, um die Integration von erneuerbaren Energien zu erleichtern. Schwerpunkt ist die optimale Koordination von Stromverbrauch und fluktuierender Stromerzeugung. Das neue intelligente Messsystem soll dabei helfen, die Flexibilisierungspotenziale zu heben, indem es z. B. für die Steuerung von Kleinanlagen in der Niederspannung eingesetzt wird.

Die Entwicklung des intelligenten Messsystems erfolgte jedoch mit Fokus auf Mess- und Zähldatenerfassung, zu Zwecken der Bilanzierung und Abrechnung sowie der Marktpartnerkommunikation. Um durch das intelligente Messsystem auch netzdienliche oder sogar netzkritische Funktionen zu realisieren, sind entsprechende Anforderungen an die Kommunikationswege und Steuerungsschnittstellen zu erfüllen. Wie hoch die Anforderungen jeweils sind, ist unter anderem abhängig von der Systemrelevanz der Erzeugungs-oder Verbrauchsanlage.

Für einen sicheren Netzbetrieb stehen die netzdienlichen und netzkritischen Funktionen im Fokus.

Anlagen verhalten sich netzdienlich, wenn sie Engpässen entgegenwirken, d. h. sie ihren Verbrauch z. B. in die lastschwache Zeit verlegen. Insbesondere in der Niederspannung steigt die Zahl der installierten Anlagen, die einzeln betrachtet keine Auswirkungen auf den sicheren Netzbetrieb haben, weiter rasant an. Sobald viele Anlagen in Gruppen angesteuert werden oder z. B. synchron auf Preisanreize reagieren, wird die aggregierte Summenleistung systemrelevant und bestimmt die Anforderungen an die Kommunikations- und Steuerungsschnittstellen. Störungen und Fehler können Betriebsmittel und Anlagen schädigen und Einfluss auf weitere Netzebenen haben.

Netzkritische Funktionen haben das Ziel, die Versorgung der Netzkunden mit elektrischer Energie sicherzustellen, wenn die Systemstabilität gefährdet ist. Solche netzkritischen Situationen erfordern ein schnelles und effizientes Handeln und stellen hohe qualitative und quantitative Anforderungen an die Kommunikations- und Steuerungsschnittstellen.

Zielgruppen

  • Netz- und Messstellenbetreiber: Anforderungen aus netzbetrieblicher Sicht mit Blick auf angeschlossene Anlagen
  • Anlagenbetreiber: Anbindung und Systemrelevanz der Anlagen
  • Sonstige Marktteilnehmer: Akteursvielfalt steigt im Rahmen des Last- und Erzeugungsmanagements

Nutzen

Der FNN Hinweis „Netzbetriebliche Anforderungen an die Steuerung von Kundenanlagen im Verteilnetz“ beschreibt Anforderungen an die Steuerungsanwendungen, die von Seiten der Netzbetreiber zur Sicherstellung der Systemstabilität gestellt werden.

Im Mittelpunkt des Hinweises steht eine Anforderungstabelle, die die Relevanz der Anforderungen aus netzbetrieblicher Sicht entsprechend der Spannungsebene priorisiert. Ziel ist eine funktionierende und sichere technische Lösung für einen intensiven Austausch aller beteiligten Marktpartner. VDE FNN setzt sich für die Entwicklung einer tragfähigen und migrationsfähigen technischen Lösung für zukünftige Steuerungsanwendungen ein.

Kontakt

Frank Borchardt
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