Schutzsysteme in elektrischen Netzen
28.09.2016 1237 0

Anforderungen an die automatische Frequenzentlastung

Technischer Hinweis beschreibt die erweiterten technischen Anforderungen an die automatische Frequenzentlastung unter Berücksichtigung einer veränderten Erzeugungssituation.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zunahme dezentraler Erzeugungsanlagen macht Weiterentwicklung bisheriger Anforderungen an frequenzabhängigen Lastabwurf nötig
  • Neu: Berücksichtigung der Wirkleistungsrichtung in den Abgängen
  • Neu: Systematik zur Ermittlung der Referenznetzlast (bisher Jahreshöchstlast, jetzt Jahresmittellast)

Die Umsetzung des 5-Stufenplans gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Netzbetreiber und dient der Vermeidung von Netzzusammenbrüchen infolge von Unterfrequenz. Die Funktion der automatischen Frequenzentlastung hat eine große Bedeutung für die Aufrechterhaltung eines sicheren Systembetriebes. Sie stellt eine automatisiert ablaufende Letztmaßnahme dar, die dann wirksam wird, wenn alle anderen Maßnahmen zur Netzstabilisierung wie z.B. die Aktivierung von zusätzlichen Leistungsreserven nicht mehr ausreichen.
Durch die zunehmenden dezentralen Erzeugungsanlagen ist die bisher klare Zuordnung von Lasten und Verbrauchern in den Netzknoten oft nicht mehr möglich. Die bisher verbreitete Realisierung der automatischen Frequenzentlastung allein mit Frequenzrelais ist in solchen Netzen nicht mehr geeignet und neue Konzepte sind deshalb notwendig.

In Netzen mit dezentralen Erzeugungsanlagen kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass sich in den zu trennenden Netzgebieten auch Erzeugungsanlagen befinden, deren Abschaltung die Netzfrequenz weiter absinken lassen würde. Als zusätzliches Kriterium wird daher zukünftig außerdem die Wirkleistungsrichtung ausgewertet. Der technische Hinweis beschreibt die technische Realisierung der neuen Schutzfunktion, die notwendigen Messgenauigkeiten und gibt Empfehlungen für die Einstellung.
Er beschreibt außerdem die Bestimmung der Referenznetzlast, auf deren Grundlage die Lastabwurfstufen gebildet werden. Entscheidend ist, dass Teilnetze bzw. Abzweige mit überwiegender Rückspeisung nicht in den Lastabwurf einbezogen werden. Außerdem wird die Berechnungsgrundlage der Referenznetzlast von Jahreshöchstwert auf Jahresmittelwert geändert. Auch wird jetzt für direkt ans Höchst- oder Hochspannungsnetz angeschlossene Netzkunden die Pflicht zur Entwicklung eines eigenen Abwurfschemas festgeschrieben.
Der technische Hinweis ermöglicht damit auch in Zukunft eine sichere Funktion der automatischen Frequenzentlastung.

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Technische Anforderungen an die automatische Frequenzentlastung

Veröffentlichungsdatum 01.06.2012
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