Apparatefabriken Treptow (AEG)_Bild 2
2012 Norbert Gilson
25.02.2020

Apparatefabriken Treptow (AEG)

Hoffmannstraße 15-26, 12435 Berlin-Alt-Treptow

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Die Ende der 1920er Jahre im Stil der Moderne errichteten Bauten der »Apparatefabriken Treptow« stammen aus einer Zeit, als die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) bereits zu einem der bedeutendsten Unternehmen der Elektroindustrie aufgestiegen war. Davon zeugt auch der immense Umfang der in Treptow hergestellten Produkte. Auch die Tatsache, dass sich der nach dem Zweiten Weltkrieg im Sowjetischen Sektor Berlins gelegene Betrieb zum größten Industriebetrieb der DDR-Hauptstadt mit über 10.000 Beschäftigten (1971) entwickelte, belegt die noch zu Zeiten der AEG entstandene Bedeutung des Standortes.


Beschreibung


erbaut: 1927-28 / 1937 (Erweiterung)
Architekt: Ernst Ziesel

1926 erwarb die AEG in der Nähe des damaligen Stadtbahnhofs Treptow ein von der Spree und der Hoffmannstraße umschlossenes Grundstück und ließ dort nach Entwürfen von Ernst Ziesel Fabrikgebäude für die »Apparatefabriken Treptow« errichten. Entlang der früheren Elsenstraße (heute: An den Treptowers) entstand ein achtgeschossiges Fabrikgebäude mit einem Turmkörper an der Ecke zur Hoffmannstraße. (Foto 1) Das in zwei Etappen errichtete Verwaltungsgebäude (Fotos 2 bis 7) in der Hoffmannstraße ist viergeschossig, wobei das oberste Geschoss teilweise weit zurückgesetzt ist. Alle Schauseiten der Gebäude wurden mit rot-violetten Verblendklinkern verkleidet.

In dem Betrieb wurden zunächst Schaltgeräte, Installationsmaterial, elektrische Messgeräte, Kinoapparate und Glasgleichrichter produziert. Später wurden auch Fertigungslinien aus älteren AEG-Betrieben hierhin verlegt, wie die Zähler-, Relais- und Radiofertigung. Neu hinzu kamen Schalter und Relais für die Starkstromtechnik. So waren Niederspannungs-Leistungsschalter, explosionsgeschützte Motorschutz-Ölschalter, Überstromschalter mit Magnet- oder Druckluftantrieb, Schnellschalter für den Bahnbetrieb ebenso Bestandteile des Produktionsprogramms wie Schutzrelais für Leistungsschalter, Distanzrelais oder Erdschlussmelderelais. Für die Elektrifizierung der Berliner S- und U-Bahn sowie für den Bahnbetrieb im Braunkohlenbergbau wurden Quecksilberdampfgleichrichter und Großstromrichter in Eisengefäßen (Ignitrons) gebaut. Leistungstransformatoren, Messwandler und Starkstrom-Messgeräte rundeten die Fertigung ab.

Seit 1937 wurde die Produktion nach und nach auf die Bedürfnisse der Rüstung umgestellt. Funkausrüstungen für die Luftwaffe und die Marine kamen jetzt aus Treptow. Auch elektrische Schalteinrichtungen für Seeminen und Torpedos standen auf dem Programm sowie Messgeräte für den Steuerteil und für die Prüf- und Steuerpulte der V2. Bis 1944 wuchs die Belegschaftsstärke auf über 11.000. Darunter befanden sich auch 3.000 nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter. Gegen Ende des Krieges wurden die Fabrikanlagen zu 80% zerstört.

Schon am 14. Mai 1945 sollen die verbliebenen Betriebsangehörigen die Arbeit wieder aufgenommen haben. Zum 21. Oktober 1946 wurde der Betrieb in eine Sowjetische Aktiengesellschaft unter dem Namen Elektro-Apparate-Werke Berlin-Treptow umgewandelt. 1953 wurde aus der Sowjetischen Aktiengesellschaft ein Volkseigener Betrieb, der nach dem Tod von Josef Stalin den Namen  Elektro-Apparate-Werke J. W. Stalin erhielt. Nach Ende des Stalin-Kults erfolgte eine weitere Umbenennung in VEB EAW Berlin-Treptow „Friedrich Ebert“.

Das bis zur Aufnahme der Rüstungsproduktion bewährte Fertigungsprogramm wurde nach dem Krieg wieder aufgenommen. Produziert wurden Messgeräte, Gleichrichter, Relais, Leistungsschalter, Vakuumschütze, Steuerungs- und Regelungstechnik und Stromzähler. 1955 präsentierte der Betrieb auf der Leipziger Messe mit der »Undine« ein Rundfunkgerät der Spitzenklasse. Seit Beginn der 1960er Jahre kamen vielfältige hochwertige elektrische Schalteinrichtungen für die Automatisierung in der Chemie-, Energie- und Grundstoffindustrie hinzu. Daraus entwickelte sich die Herstellung von speicherprogrammierbaren Steuerungseinrichtungen und schließlich von Computern, wie dem 16-Bit-Mikrocomputer »P 8000«. Auf dem Gebiet der Konsumelektronik waren die letzten populären Produkte des Unternehmens die Stereo-Minikomponentenanlage »EAW AUDIO 145« und der Stereokassettenrecorder »SKR 701«.

Nach der Wende wurde der Betrieb, der seit 1971 mit rund 10.000 Beschäftigten der größte Industriebetrieb der DDR-Hauptstadt war, von der Treuhand übernommen, in die EAW Berlin GmbH umgewandelt und 1993 privatisiert.

Informationsstand: 31.12.2014
Schlagworte: Elektroindustrie; Geschichte der Elektro- und Informationstechnik; Automation; Informations- und Kommunikationstechnik (IKT)
Stichworte: Elektro-Apparate-Werke GmbH; VEB EAW Berlin-Treptow »Friedrich Ebert«; VEB Elektro-Apparate-Werke; AEG; Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft; Schalter; Gleichrichter; Relais; Rüstungsproduktion; Rüstung; Luftwaffe; Marine; V2; EAW AUDIO 145; P 8000; Ernst Ziesel


Quelle(n)

  • Martin Wörner / Doris Mollenschott / Karl-Heinz Hüter, Architekturführer Berlin, 3. Aufl., Berlin 1991
  • M. Schörnick, Über ein halbes Jahrhundert Elektro-Apparate-Werke Berlin-Treptow. Zur Geschichte des VEB EAW Berlin-Treptow "Friedrich Ebert"; in: Elektropraktiker 41(1987), Heft 8, S. 241-245
  • Landesdenkmalamt Berlin, Denkmalliste Berlin (Stand: 16.04.2013), Nr. 09020333






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