Osram GmbH KG (Werk D)_Bild 1
2013 Norbert Gilson
25.02.2020

Osram GmbH KG (Werk D)

Ehrenbergstraße 11-14, 10245 Berlin-Friedrichshain

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik
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Die Hauptverwaltung und das »Werk D« - das »D« steht für den früheren Produktionsstandort der  Deutschen Gasglühlicht-AG - der Osram GmbH KG in der Ehrenbergstraße in Berlin-Friedrichshain dokumentiert die Gründung von Osram und den Aufstieg der Firma zum Weltunternehmen.

Beschreibung


erbaut: 1913-14
Architekt: Hermann Dernburg

Eine Bündelung der Interessen der drei großen deutschen Glühlampenhersteller - der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG), der Deutschen Gasglühlicht-AG (DGAG) und der  Siemens & Halske AG - hatte sich bereits 1911 mit der Gründung einer Patentgemeinschaft - damals noch unter Beteiligung der General Electric Company (GE) - abgezeichnet. Nach dem weitgehenden Verlust der Auslandsmärkte infolge des Ersten Weltkrieges wurde der Zusammenschluss forciert. Hinzu kam, dass 1913 - weitgehend parallel in den Versuchslaboratorien der GE und der AEG - ein weiterer großer Fortschritt in der technischen Vervollkommnung der Glühlampe erzielt worden war, und zwar durch die Erfindung der Gasfüllung. Während bis dahin die Lampenkolben evakuiert worden waren, damit der Luftsauerstoff die Metallglühfäden nicht oxydierte, wurde nun durch das Füllgas die Verdampfungsgeschwindigkeit des Glühfadenmaterials verringert und damit die Leuchtkraft wesentlich erhöht.

Die DGAG hatte das Warenzeichen »OSRAM« bereits seit 1906 durch Firmengründungen und Firmenbeteiligungen im Ausland vermarktet, so in England und in Spanien. Das Warenzeichen war im März 1906 beim Kaiserlichen Patentamt angemeldet und einen Monat später in die Warenzeichenrolle aufgenommen worden. Die Wortschöpfung des Kunstnamens, der sich aus Namensbestandteilen der Metalle Osmium und Wolfram zusammensetzt, soll auf den Chemiker Fritz Blau (1865-1929) zurückgehen, der bei der DGAG den bestimmenden Einfluss der Oberflächenbeschaffenheit von Glühfäden auf die Leuchtkraft von Glühlampen erforscht hatte.

Im November 1918 gliederte die DGAG ihre Glühlampenfertigung aus dem Unternehmen aus und gründete die Osram Werke GmbH als Kommanditgesellschaft mit der DGAG als Kommanditistin, eine frühe Form der »GmbH & Co. KG«. Im Februar 1920 traten auch die AEG  und Siemens & Halske als Kommanditisten bei und brachten ihre Glühlampenfabriken und Beteiligungen an anderen Glühlampenwerken in das Unternehmen ein. Im Nachhinein wurde der Beginn des Geschäftsjahres der neuen Osram GmbH KG auf den 1. Juli 1919 zurückdatiert. Damit war der frühere Markenname zum Firmennamen geworden. Das neue Unternehmen hatte 3.200 Angestellte und 14.200 Arbeiter. Das Stammkapital betrug 8 Mio. Mark, die Kommanditeinlagen der drei Gründerunternehmen beliefen sich auf 114 Mio. Mark.

Als Firmensitz behielt das neue Unternehmen das 1913/14 nach Plänen von Hermann Dernburg für die  DGAG errichtete Verwaltungsgebäude in der Ehrenbergstraße in Friedrichshain (Foto) bei. Die Glühlampenfabriken der Anteilseigner wurden jetzt zu Stammwerken für die Produktion. Die Produktionsstätten der ehemaligen DGAG in Friedrichshain wurden zum »Werk D«. Das Glühlampenwerk der AEG in der Sickingenstraße wurde als »Werk A« weitergeführt. Unter »Werk S« firmierte das Glühlampenwerk von Siemens & Halske in der Charlottenburger Helmholtzstraße. Als »Werk B« kam 1937 die frühere Produktionsstätte der Bergmann Elektricitäts-Werke an der Oudenarder Straße im Wedding hinzu.

Um auch das für die Glühlampen benötigte Glas in eigener Regie produzieren zu können, wurde noch 1919 das Kolbenwerk der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser erworben, das nun unter »Werk W« firmierte. Hier wurde 1923 ein glastechnisches Laboratorium eingerichtet, um die Glasqualitäten für die Glühlampenproduktion weiter zu erforschen und zu verbessern. Um die Energiebasis für die Glasproduktion sicher zu stellen, erwarb Osram die im damaligen Neutschöpeln in der Oberlausitz (heute Czaple in der polnischen Gemeinde Trzebiel) ansässigen Tschöpelner Werke AG, einen Braunkohlenbergbaubetrieb.

Ein bedeutender Fortschritt in der Glasherstellung zeichnete sich für Osram mit dem Lizenzerwerb zur Benutzung der so genannten Dannerröhrenziehpatente im Jahre 1922 ab. Damit konnten nun Glasröhren und Glasstäbe als Vorprodukte für die Glühlampenherstellung auf maschinellem Wege angefertigt werden. Dies trug nicht nur zur Senkung der Erzeugungskosten, sondern wesentlich auch zur Qualitätsverbesserung bei. Im Frühjahr 1923 wurde in Weißwasser die erste automatische Röhrenziehmaschine in Betrieb genommen.

Nach dem Erwerb weiterer Patentlizenzen wurde 1926/27 die Maschinenglasproduktion in Berlin vollkommen neu aufgebaut. Die Produktion im neuen Maschinenglaswerk in Siemensstadt lief im Januar 1927 an.

Informationsstand: 31.12.2014
Schlagworte: Elektroindustrie; Geschichte der Elektro- und Informationstechnik; Gebäudetechnik + Hausgeräte + SmartDevices; Lichttechnik und Beleuchtung
Stichworte: Hermann Dernburg; Deutsche Gasglühlicht AG; DGAG; Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft; AEG; Siemens & Halske AG; General Electric Co.; GE; Metallfadenlampe; Osram GmbH; Osram GmbH KG; Osram; Vereinigte Lausitzer Glaswerke; Tschöpelner Werke AG; Maschinenglaswerk; Dannerröhrenziehpatente; Fritz Blau 

Quelle(n)

  • Anneliese Burghart (u.a.): 100 Jahre Osram - Licht hat einen Namen, München 2006
  • Landesdenkmalamt Berlin, Denkmalliste Berlin (Stand: 16.04.2013), Nr. 09095123

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