Rundfunksendestelle Britz (RIAS)_Bild 1
2010 Norbert Gilson
19.08.2020

Rundfunksendestelle Britz (RIAS)

Britzer Damm, 12347 Berlin-Britz

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Die Sendeanlage in Berlin-Britz war die wichtigste Sendeeinrichtung des ehemaligen Rundfunks im Amerikanischen Sektor (RIAS). Der 1947 hier in Betrieb genommene Sender ist ein Beispiel für die technischen Improvisationen nach dem Zweiten Weltkrieg. Wegen ihrer technikgeschichtlichen Bedeutung wurde die Sendeeinrichtung nach Außerbetriebnahme an das Deutsche Technik-Museum in Berlin abgegeben. Dem Kalten Krieg geschuldet war die Tatsache, dass hier Im Januar 1953 der leistungsstärkste Mittelwellensender Europas auf Sendung ging, der den Störsendern der DDR Paroli bieten konnte.

Beschreibung


erbaut: 1947, 1949

Bereits gut ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahm der neue Rundfunksender am 4. September 1946 seinen Betrieb auf. Die erste Sendeanlage, ein 800 W-Sender, war zunächst auf einem amerikanischen Militärlastwagen aufgestellt und als Sendeantenne diente eine zwischen zwei Holzmasten gespannte T-Antenne.

1947 wurde diese Anlage durch einen Zusammenbau aus verschiedenen Bauteilen erbeuteter deutscher Wehrmachtssender ersetzt. Diese Sender waren von Telefunken gebaut und 1937/38 an das  Reichspostzentralamt (RPZ) ausgeliefert worden. Der neue Sender startete mit 20 kW Sendeleistung auf der Mittelwellenfrequenz 611 kHz. Die Abstrahlung erfolgte über einen auf 100 m aufgestockten Gittermast. Die auf den Namen »Lili-Marleen-Sender« getaufte Sendeanlage blieb noch bis September 1988 in Betrieb und wurde nach der Demontage an das Deutsche Technikmuseum Berlin abgegeben.

Das Programm von RIAS wurde auch über Kurz- und Langwellensender ausgestrahlt, die allerdings nicht in Berlin, sondern in Ismaning bei München standen. Spektakulär in Berlin war die 1953 vorgenommene Verstärkung der Mittelwellen-Sendeleistung in Britz, um den DDR-Störsendern entgegenzuwirken. Im Januar 1953 ging in Britz der mit 300 kW leistungsstärkste Mittelwellensender Europas (ebenfalls von Telefunken gebaut) in Betrieb.

Von der verschiedenen Sendeeinrichtungen auf dem Gelände in Britz, unter anderem einer 1978 in Betrieb genommenen Kreuzdipol-Antenne, blieben die beiden gegen Erde isolierten und als Selbststrahler funktionierenden Sendemaste - der 146 m hohe Südostmast und der 160 m hohe Nordwestmast - bis 2012 erhalten. Der RIAS war Ende 1993 aufgelöst worden und seitdem wurde über die Sender das Programm der Deutschen Welle abgestrahlt. Nachdem diese Gesellschaft Ende Oktober 2011 ihr deutschsprachiges Radioprogramm eingestellt hatte, verbreitete der Deutschlandfunk rund um die Uhr sein deutschsprachiges Programm auf einer Kurzwellen-Frequenz im 49-Meter-Band, unter anderem durch Einblendung eines Seewetterberichts in das laufende Programm viermal täglich. Die Anlage fiel Ende April 2012 infolge eines technischen Defektes aus und wurde nicht mehr in Betrieb genommen. Am Morgen des 19. September 2012 beendete auch das Deutschlandradio seine digitalen Mittelwellensendungen aus Berlin-Britz. Der 1949 installierte, 146 Meter hohe Sendemast, der diese digitalen Signale ausstrahlt hatte, wurde im November 2012 demontiert.
Somit ist nur noch der zweite Sendemast vorhanden, über den seit September 2013 ebenfalls keine Ausstrahlungen mehr erfolgen.

Informationsstand: 31.12.2014
Schlagworte: Sendeanlagen; Informations- und Kommunikationstechnik (IKT); Nachrichten- und Kommunikationstechnik
Stichworte: Radio im Amerikanischen Sektor; RIAS; Britz; Rundfunksender; Sendeanlage; Wehrmachtssender; Telefunken; Reichspostzentralamt; RPZ; Mittelwellensender; Lili-Marleen-Sender; Deutsches Technik-Museum Berlin; Kurzwellensender; Langwellensender; Störsender; DDR; Kreuzdipol-Antenne; Sendemast; Deutsche Welle; Deutschlandfunk; Seewetterbericht; Demontage

 
Quelle(n)

  • Gerd Klawitter (Hrsg.), 100 Jahre Funktechnik in Deutschland. Funksendestellen rund um Berlin, Berlin 1997
  • de.wikipedia.org/wiki/SendeanlageBerlin-Britz (abgerufen am 01.11.2011)

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