Siemens&Halske_Laboratorium_Bild 1
2013 Norbert Gilson
24.08.2020

Siemens & Halske AG (Laboratorium)

Wernerwerkdamm 2, 13629 Berlin-Siemensstadt

Kontakt

VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Der Bau des 1914 begonnenen, aber erst 1922 endgültig fertig gestellten Forschungslaboratoriums fällt in die zweite Phase des Aufbaus der Siemens-Produktionsstätten in Siemensstadt und vollzog sich parallel zum Aufstieg der Siemens-Unternehmen zur Weltgeltung.

Beschreibung


erbaut: 1914-22, Erweiterung 1935
Architekt: Hans Hertlein

Der Bau des Forschungslaboratoriums wurde 1914 nach Plänen von Hans Hertlein (vermutlich noch in Zusammenarbeit mit Karl Janich) begonnen. Der Neubau sollte ein älteres, inzwischen zu klein gewordenes Forschungsgebäude auf dem Gelände des Dynamowerkes ersetzen. Nach Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Baumaßnahme unterbrochen und 1916 weitergeführt. 1917 war der Rohbau vollendet, aber erst 1922 wurde das Laborgebäude in Betrieb genommen.

Das viergeschossige dreiflüglige Gebäude ist als Mauerwerksbau mit massiven Außenmauern und die Decken tragenden Stahlstützen im Innern ausgeführt. Der östliche, zum Rohrdamm hin ausgerichtete elfachsige Kopfbau mit rustiziertem Erdgeschoss ist in den drei mittleren Achsen durch Kollosalpilaster in Backsteinmauerwerk hervorgehoben, in ähnlicher Weise sind die Ecken betont.

Mit dem Neubau wurde endlich die schon seit 1905 geplante, aber bisher nur ansatzweise umgesetzte Idee eines zentralen Physikalisch-Chemischen Laboratoriums in die Tat umgesetzt, das koordinierende Funktion für die einzelnen Abteilungen des gesamten Unternehmens haben sollte. Nach seiner Inbetriebnahme war das Laboratorium dann für die Siemens & Halske AG und für die  Siemens-Schuckertwerke GmbH zuständig.
Bei der Bauausführung wurde der Fundamentierung und Konstruktion des Gebäudes besondere Beachtung geschenkt, um jedwede, Messungenauigkeiten hervorrufende Erschütterungen vom Gebäude fern zu halten. Auch Störungen der einzelnen Abteilungen untereinander sollten ausgeschlossen werden. Daher wurde das Gebäude mit einem Grundriss aus zwei Flüglen konzipiert, die durch einen Verbindungsbau mit der Front zum Rohrdamm gekoppelt wurden.
Die Forschungen der verschiedenen, in dem Gebäude untergebrachten physikalisch-technischen, physikalisch-chemischen, chemisch-technischen, metallographischen und ingenieurtechnischen Laboratorien haben insbesondere auf den Gebieten der Materialprüfung, der Werkstofftechnik, der Erforschung der Leitfähigkeit, der Elektroakustik und der Elektroosmose wissenschaftliche Bedeutung nicht nur für das Unternehmen, sondern für die gesamte Elektrotechnik erlangt.

Nachdem das Gebäude noch kurz vor Kriegsende Ende März 1945 durch Bombeneinwirkung stark beschädigt worden war, diente es nach provisorischer Wiederherstellung zunächst als Werksschulunterkunft und dann als Domizil für die Staatliche Ingenieurschule Gauß. 1964 wurde es zum Arbeiterwohnheim umgebaut, seit 1967 dann aber wieder vom Messgerätewerk als Verwaltungssitz und für die Unterkunft von Fertigungsabteilungen genutzt. Nach vorübergehender Stilllegung seit 1982 dient es heute als Wohngebäude.

Informationsstand: 31.12.2014
Schlagworte: Elektroindustrie; Elektrotechnik; Industry
Stichworte: Physikalisch-Chemisches Laboratorium; Hans Hertlein; Laborgebäude; Siemens & Halske AG; Siemens-Schuckertwerke GmbH; Materialprüfung; Werkstofftechnik; Leitfähigkeit; Elektroakustik; Elektroosmose; Werksschulunterkunft; Staatliche Ingenieurschule Gauß
 

Quelle(n)

  • Wolfgang Schäche (Hrsg.) / Manfred Strielinsky / Dietrich Worbs (Redaktion), Denkmalschutzkonzeption. Siemensbauten in Siemensstadt. Teil 1: Industriegebäude, Berlin 1994
  • Wolfgang Schäche / Wolfgang Ribbe, Die Siemensstadt. Geschichte und Architektur eines Industriestandortes, Berlin 1985
  • Landesdenkmalamt Berlin, Denkmalliste Berlin (Stand: 16.04.2013), Nr. 09085835

Bilder

Karte