Telefunken GmbH_Bild 1
2010 Norbert Gilson
14.07.2020

Telefunken GmbH (Firmenzentrale)

Ernst-Reuter-Platz 7, 10587 Berlin-Charlottenburg

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik
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Das »Telefunken-Hochhaus« war bei seiner Eröffnung 1960 nicht nur das höchste Bürohaus Berlins, es war zugleich Symbol der Weltgeltung von Telefunken sowie der städtebaulichen Erneuerung Berlins im Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Der 1975 vollzogene Rückzug aus Berlin mit Verlegung des Firmensitzes nach Frankfurt am Main ist eine Station des »unaufhaltbaren Abstiegs« dieses ehemals bedeutenden, seit 1967 als AEG-Telefunken firmierenden Unternehmens der Elektroindustrie.

Beschreibung


erbaut: 1958-60
Architekten: Paul Schwebes, Hans Schoszberger
Ausführung: Dyckerhoff & Widmann AG


Die Richtlinien für das als Firmenzentrale der Telefunken GmbH neu errichtete Hochhaus waren durch einen Wettbewerb für die Neugestaltung des Ernst-Reuter-Platzes vorgegeben, den der Stadtplaner Bernhard Hermkes 1955 gewonnen hatte. Sein städtebaulicher Entwurf sah an der Ecke Ernst-Reuter-Platz / Otto-Suhr-Allee einen 22-geschossigen, scheibenförmigen Hochhausbau vor. Nach diesen Vorgaben entwarfen die beiden Architekten Schwebes & Schoszberger ein Hochhaus, das mit 80 m Traufhöhe damals das höchste Bürohaus Berlins war.

Auffälliges Gestaltungsmerkmal des Stahlbeton-Skelettbaus sind die vier, sich nach oben verjüngenden Stützen an den Längsseiten des Gebäudes. Die Fensterreihen werden durch waagerechte vorkragende Gesimse betont. Die Aufzugsanlagen wurden in der Gebäudemitte untergebracht. An den Gebäudeschmalseiten sind die Treppenhaustürme platziert. Die das Gebäude, vom Ernst-Reuter-Platz aus gesehen, links abschließende senkrechte dunkle Gebäudewange trug früher den Schriftzug »TELEFUNKEN«, der heute durch »TECHNISCHE UNIVERSITÄT« ersetzt ist.

Das neue Hochhaus löste den Firmensitz von Telefunken im ehemaligen Glühlampenwerk der  Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) in der Sickingenstraße in Moabit ab, wo die Firma seit 1952 residiert hatte. Das Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz nutzte Telefunken bis 1975. Inzwischen war die Telefunken GmbH  zum 1. August 1967 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und in einem längeren Prozess endgültig zum 1. Januar 1967 mit der AEG fusioniert worden. Das nun als  Allgemeine Elektricitätsgesellschaft AEG-Telefunken firmierende Unternehmen bestand aus den drei ehemaligen »Schwachstrom«-Geschäftsbereichen von Telefunken (Nachrichten- und Datentechnik, Bauelemente sowie Rundfunk, Fernsehen und Phono) und den früheren vier »Starkstrom«-Bereichen der AEG. 1975 wurde der ehemalige Firmensitz am Ernst-Reuter-Platz aufgegeben und zur AEG-Zentrale nach Frankfurt am Main verlegt. Das Hochhaus wurde an den Berliner Senat zur Nutzung durch die Technische Universität verkauft.

Informationsstand: 31.12.2014
Schlagworte: Elektroindustrie; Geschichte der Elektro- und Informationstechnik; Informations- und Kommunikationstechnik (IKT); Nachrichten- und Kommunikationstechnik
Stichworte: Paul Schwebes; Hans Schoszberger; Telefunken GmbH; Bernhard Hermkes; Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft; AEG; AEG-Telefunken AG; Allgemeine Elektricitätsgesellschaft AEG-Telefunken; Ernst-Reuter-Platz

Quelle(n)

  • Erdmann Thiele, Telefunken nach 100 Jahren. Das Erbe einer deutschen Weltmarke, Berlin 2003
  • Martin Wörner / Doris Mollenschott / Karl-Heinz Hüter, Paul Sigel, Architekturführer Berlin, 6., überarb. und erw. Aufl., Berlin 1991
  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Denkmaldatenbank, Eintrag 09020531




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