Rundfunksendestelle Rehmate_Bild 1
2017 Norbert Gilson
25.02.2020

Rundfunksendestelle Rehmate

Liebenwalder Straße 5a, 16515 Oranienburg

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VDE Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Die Rundfunksendestelle Rehmate verweist zum einen auf die Bedeutung der weltweiten Rundfunkübertragungen per Kurzwelle von den Olympischen Sommerspielen 1936, zum anderen ist sie ein Dokument des Aufbaus des Rundfunks in der DDR, hier der Langwellenausstrahlung, zu Beginn der 1950er Jahre.

Beschreibung


erbaut: 1935-36 / 1952
Bauherr: Deutsche Reichspost

Die Rundfunksendestelle Rehmate, benannt nach einem nordöstlich der Sendestelle liegenden Gut, war Mitte 1936 betriebsfertig und diente als Reserveeinrichtung für die Sendestelle Zeesen, von der aus die Reportagen von den Olympischen Sommerspielen 1936 in alle Welt übertragen wurden. Damals wurden neun Kurzwellensender mit Leistungen von 150 W bis 100 kW installiert, die auf 26 verschiedene Antennen geschaltet werden konnten. Der größte Teil der Antennen bestand aus zwölf an 75 m hohen Türmen befestigten Strahlerwänden der Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH sowie aus sechs an 90 m hohen Türmen installierten Dipolquadratantennen. Nach dem Ende der Olympischen Spiele erhielten die Sender andere Aufgaben, unter anderem wurden sie vom Auswärtigen Amt für Funkverbindungen zu deutschen Botschaften in Übersee genutzt.

1945 wurde alle Sender von sowjetischen Truppen demontiert und abtransportiert. Die nicht demontierbaren Teile der Antennenanlage und ein Teil der Gebäude wurden gesprengt. Nach Gründung der DDR wurden die nach 1945 eingerichteten provisorischen und größtenteils veralteten Rundfunkstandorte nach und nach modernisiert. Für Rehmate fiel 1952 der Beschluss, hier einen neuen Langwellensender mit einer Leistung von 750 kW zu installieren. Die Sendestelle wurde jetzt unter dem Namen »Rundfunksendestelle Zehlendorf« reaktiviert. Noch 1952 wurden das Sendergebäude und Antennenhaus, die Pardunenfundamente sowie ein Dieselhaus und eine Trafostation neu errichtet. Den Auftrag zur Entwicklung und Fertigung der aus drei Senderbausteinen von je 250 kW Ausgangsleistung bestehenden Sendeanlage erhielt der VEB Funkwerk Köpenick. 1958 begann der Probebetrieb und 1959 wurde der reguläre Sendebetrieb aufgenommen, allerdings nur mit 500 kW, da für die Abstrahlung mit höherer Leistung keine geeignete Antenne zur Verfügung stand.

Das erste regulär ausgestrahlte Programm war das des Deutschlandsenders. Um sich in Namen eindeutig vom westdeutschen Deutschlandfunk abzusetzen, wurde der Programmname 1970 in »Stimme der DDR« geändert. Der Langwellensender Zehlendorf diente zugleich der Handelsmarine der DDR als weitreichender Funkstützpunkt, um Meldungen der Schiffspresse an die Schiffe des Kombinats »Seeverkehr und Hafenwirtschaft« abzusetzen. Dazu nutzte man das amplitudenmodulierte Zehlendorfer Trägersignal und prägte ihm per Phasenmodulation durch Umtastung des Trägers die Datenübertragung auf, deren Rate auf 200 bit/s kam.

Nach der deutschen Wiedervereinigung kam die Sendeanlage unter die Verwaltung der Telekom-Niederlassung Potsdam. Seit Jahresbeginn 1994 wurde von hier aus das Programm von DeutschlandRadio Berlin ausgestrahlt. Im Herbst 2017 war die Anlage nicht mehr in Betrieb und machte einen ziemlich desolaten Eindruck. Die brandenburgische Denkmalliste verzeichnete nach Stand zum Jahresende 2013 noch die folgenden Einrichtungen: drei Verwaltungsgebäude, Kultur- und Sozialgebäude, Senderhaus, „Dieselhaus”, Kühlturm, Tiefbrunnenanlage mit Pumpenhaus, Hauptantenne, Antennenreusenanlage mit Reusen und Antennenhäusern sowie Dreiecksflächenantennenanlage und schließlich die gepflasterter Zufahrtsstraße. Die gesamte Anlage ist von außen nur schwer einsehbar, jedoch muss stark bezweifelt werden, ob die Antennenanlagen noch vorhanden sind.

Informationsstand: 10.02.2018
Schlagworte: Sendeanlagen; Informations- und Kommunikationstechnik (IKT); Nachrichten- und Kommunikationstechnik
Stichworte: Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH; Deutsche Reichspost; Rundfunksendestelle Rehmate; Reserveeinrichtung; Sendestelle Zeesen; Olympische Sommerspiele 1936; Kurzwellensender; Strahlerwand; Dipolquadratantenne; Auswärtiges Amt; Demontage; Langwellensender; Rundfunksendestelle Zehlendorf; VEB Funkwerk Köpenick; Deutschlandsender; Stimme der DDR; Handelsmarine der DDR; Kombinat »Seeverkehr und Hafenwirtschaft«; Trägersignal; Amplitudenmodulation; Phasenmodulation; Umtastung; Datenübertragung; Wiedervereinigung; Deutsche Telekom AG; DeutschlandRadio Berlin; Denkmalliste
 

Quelle(n)

  • Gerd Klawitter [Hrsg.], 100 Jahre Funktechnik in Deutschland. Funksendestellen rund um Berlin, Berlin 1997
  • Dieter Fuhrmann / Constanze Schröder, Technikkarte. Technische Museen und Denkmäler in Brandenburg und Berlin, Berlin 2007
  • Denkmalliste des Landes Brandenburg, Landkreis Oberhavel, Id-Nr. 09165500 (Stand: 31.12.2013)


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