Kraftwerk Flingern II_Bild 1
2007 Norbert Gilson
31.07.2020

Kraftwerk Flingern II

Höherweg 100, 40233 Düsseldorf

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Beschreibung


erbaut: 1912-13

Im Herbst 1890 fiel der Startschuss für den Bau des ersten Düsseldorfer Elektrizitätswerks. Baugrundstück war der heute noch genutzte Standort am Höherweg in Flingern, auf einem Gelände neben der kurz zuvor neu errichteten städtischen Gasanstalt. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich für ein Gleichstromkraftwerk entschieden, das mit einer Grundausstattung von zwei Dampfmaschinen und zwei Gleichstromdynamos von jeweils 275 kW Leistung von der Nürnberger Firma  Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert & Co. errichtet wurde. Über Kabel wurden vom Kraftwerk aus drei mit Akkumulatorenbatterien ausgestattete Unterwerke in den Verbrauchsschwerpunkten der Innenstadt - auf der Bleich-, der Grün- und der Karlstraße - gespeist. Im Oktober 1891 konnte das Elektrizitätswerk seinen Betrieb aufnehmen.

Wegen des steigenden Bedarfs musste das Kraftwerk in schneller Folge erweitert werden und die Abgabe elektrischer Energie verzehnfachte sich bis zur Jahrhundertwende. Bei den weiteren Ausbauten nach 1900, unter anderem durch die Versorgung der Straßenbahn bedingt, wurde neben der Gleichstrom- nun auch die Drehstromerzeugung aufgenommen. Zum Antrieb eines Drehstromgenerators ging 1906 die erste Dampfturbine des Elektrizitätswerks von 2.000 kW Leistung in Betrieb. Bis 1912 folgten sechs weitere Turbinen, die nach und nach die Dampfmaschinen ablösten. Erst 1921 wurde im Düsseldorfer Kraftwerk die letzte Dampfmaschine stillgesetzt.

Die weiterhin hohen jährlichen Zuwachsraten des Stromverbrauchs machten um 1910 einen weiteren Ausbau der Betriebsmittel dringend erforderlich. Da die Erweiterungsmöglichkeiten des bestehenden Kraftwerks ausgeschöpft waren, errichtete man in unmittelbarer Nachbarschaft ein vollkommen neues Kraftwerk, die Zentrale II. Damals entstand die heute noch vorhandene Turbinenhalle (Foto). Das Kesselhaus war mit sechs Dampfkesseln bestückt, in der Turbinenhalle fanden zunächst zwei Turbogeneratoren von je 6.000 kW Aufstellung, einer von der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG), der andere von Escher Wyss & Cie. Ihren Betrieb nahm die neue Anlage im September 1913 auf. Brennmaterial des neuen Kraftwerks II war Ruhr-Steinkohle, die per Bahn angeliefert wurde. Kurze Zeit später kam ein weiterer Turbosatz von 22.000 kW elektrischer Leistung hinzu.

Da der Energiebedarf nach der Inflationszeit seit 1924 wieder stark anstieg, erfolgte 1927 eine erneute Erweiterung auf insgesamt 24 Kessel, die von der Düsseldorfer Vereinigte Kesselwerke AG sowie von der Düsseldorf-Ratinger Röhrenkesselfabrik Dürr & Co. geliefert wurden. Sie wurden in zwei neuen Kesselhäusern untergebracht. Die fünf neuen Turbosätze mit einer elektrischen Gesamtleistung von 58 MW stammten von der AEG und von Brown, Boveri & Cie. (BBC). Ab 1928 lieferte das Werk auch Fernwärme zur Beheizung umliegender Gebäude. Zwischen 1936 und 1940 wurden die Anlagen modernisiert. Ein Teil der alten Mitteldruckkessel wurden durch acht leistungsfähige Hochdruckkessel ersetzt, die drei zugehörige Dampfturbinen versorgten.

1972 war das Werk II stark veraltet und erfüllte die Anforderungen an einen wirtschaftlichen Betrieb nicht mehr. Eines der beiden Kesselhäuser wurde abgerissen, um dem Neubau eines Gasturbinenkraftwerkes Platz zu machen. Die verbliebenen Anlagenteile wurden zunächst als „Kalte Reserve“ betriebsbereit gehalten. In den 1990er-Jahren erfolgte dann die endgültige Außerbetriebnahme. Beim Rückbau erwies sich der Erhalt des zweiten Kesselhauses als finanziell nicht tragbar. Soe blieb vom Kraftwerk Flingern II das ehemalige Maschinenhaus sowie das Verwaltungsgebäude erhalten. Heute befindet sich hier der Sitz der Stadtwerke Düsseldorf.
 
Informationsstand: 31.12.2013
Schlagworte: Elektrizitätserzeugung; Steinkohlenkraftwerke; Stromerzeugung; Energie; Energy
Stichworte: Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert & Co.; Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft; AEG; Escher, Wyss & Cie.; Vereinigte Kesselwerke AG; Düsseldorf-Ratinger Röhrenkesselfabrik Dürr & Co.; Brown, Boveri & Cie.; BBC; Kraftwerk Flingern II

Quelle(n)

  • Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 1. Alte Länder, Stuttgart 1992 


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