Steffen Krach, Sylvie Piela, Klaus-Dieter Lang

Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin, im Gespräch mit Moderatorin Sylvi Piela und Klaus-Dieter Lang, TU Berlin und Fraunhofer IZM (v.l.n.r.).

| Henning Schacht / VDE
04.11.2019 Veranstaltungsrückblick 565 0

MikroSystemTechnik Kongress 2019 : Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

Zum achten MikroSystemTechnik Kongress vom 28. bis 30.10. in Berlin fanden sich über 700 Experten aus Deutschland und Europa ein, um über aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen der Mikrosystemtechnik zu diskutieren. Der Kongress bot an drei Tagen ein breites Angebot an Keynotes, Vorträgen, Workshops und eine Ausstellung. Die Teilnehmer kamen unter anderem aus der Forschung und Entwicklung, der Industrie sowie der Politik. Vertreter mittelständischer Unternehmen stellten eine besonders große Besuchergruppe dar.

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Dr.-Ing. Ronald Schnabel
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Young Net Convention

Den Auftakt zum MikroSystemTechnik Kongress bildete die VDE Young Net Convention. Bereits am Sonntagabend trafen sich die Studierenden zu einer exklusiven Stadtrundfahrt durch Berlin sowie einem Get Together am Abend. Dort wurden Sie von VDE-Präsident Dr. Gunther Kegel begrüßt. Am Montag begann die Convention offiziell mit einem Impulsvortrag zum Thema „Verantwortung der IngenieurInnen (in) der Zukunft“. Es folgten Vorträge und Workshops zur Künstlichen Intelligenz, autonomen Systemen, der Zukunft von Medizintechnik und Energienetzen sowie zur Robotik. Im World Cafe Format diskutierten die Teilnehmer danach aktuelle Zukunftsfragen. Ein zentrales Thema war auch hier die Künstliche Intelligenz. Im anschließenden interaktiven Forum diskutierten die Young-Net-Mitglieder weiter und nahmen an einer spannenden Live-Umfrage teil, die per App alle Ergebnisse direkt auf der großen Leinwand anzeigte. Das Forum bildete den offiziellen Abschluss der Young Net Convention 2019. Viele der Teilnehmer hatten sich allerdings ebenfalls für den MikroSystemTechnik Kongress angemeldet und blieben deshalb vor Ort.

Mehr Relevanz für die Mikrosystemtechnik

Dr. Gunther Kegel

Dr. Gunther Kegel forderte mehr Unterstüzung von der Politik für die Mikrosystemtechnik in Europa.

| Henning Schacht / VDE

In seiner Eröffnungsrede zum MikroSystemTechnik Kongress 2019 ging VDE-Präsident Dr. Gunther Kegel auf die große Bedeutung der Mikrosystemtechnik ein. Schon jetzt sei die Abhängigkeit groß. Das zeige sich zum Beispiel in unserem Umgang mit Smartphone und Co., ohne die wir uns ein Leben kaum vorstellen können. Gefährlich sei es allerdings, so Kegel, wenn Technologie zu selbstverständlich wird und wir uns nicht mehr mit ihrer Bedeutung auseinandersetzen. „Wir wollen der Mikrosystemtechnik mehr Relevanz geben“, erklärte Kegel. KI, 5G und Smart Cities sind dabei nur einige der aktuellen und zukünftigen Einsatzgebiete.

Auch wirtschaftlich habe die Mikrosystemtechnik eine gewaltige Bedeutung. Allerdings sei ein Rückgang in den letzten Jahren sichtbar. Der Anteil Deutschlands in der Branche sinke. „Wir haben uns auf die Rolle des Zaungasts reduziert“, resümierte Kegel, „dabei hätten wir die besten Chancen." In Deutschland sei ein sehr großes Know-how vorhanden. In Zukunft gelinge der Erfolg aber nur durch die Kooperation mit anderen europäischen Ländern. Kegel fordert die Entwicklung einer europäischen Mikrosystemtechnik-Industrie. Wir dürfen nicht den USA, China und Russland das Feld überlassen. Als ein wichtiges Thema nannte Kegel Cybersecurity. Im Zuge immer häufiger vorkommender Cyber-Attacken und steigender Cyber-Kriminalität müsse die digitale Souveränität Europas und der Datenschutz sichergestellt sein.

Zum Abschluss betonte Kegel noch einmal, wie wichtig die Mikrosystemtechnik für Deutschland sei. Von der Politik erwarte er eine noch bessere Unterstützung und mehr Investition. Außerdem sprach er sich für eine bessere Förderung von Start-ups aus, denn hier entständen die so wichtigen neuen Ideen für die Zukunft.

Digitale Souveränität für Europa

Dr. Michael Meister

Dr. Michael Meister lobte den "Technologie-Standort Deutschland".

| Henning Schacht / VDE

Dr. Michael Meister, der Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, stellte die Digitalisierung in den Mittelpunkt seiner Rede zur Eröffnung des MikroSystemTechnik Kongresses. Er erklärte, dass die steigende Vernetzung und immer größer werdende Funktionalität zu neuen Entwicklungen führen, die oft die Software betreffen. Meister betonte aber: „Grundlage für Digitalisierung ist und bleibt die Hardware.“ Die Mikrosystemtechnik spiele daher eine entscheidende Rolle.

Es sei sehr wichtig, jetzt zu entscheiden, welcher Weg mit den neuen Technologien eingeschlagen werden soll und wie diese eingesetzt werden. Europa brauche dabei eine eigene Strategie, unabhängig von China und den USA. Europäische Souveränität und ein vertrauenswürdiger europäischer Datenraum müssen geschaffen werden, forderte Meister, der in diesem Punkt mit Kegel übereinstimmte. Die Digitalisierung selbst zu gestalten, sei jetzt Aufgabe Deutschlands und Europas. Die Politik habe das erkannt. Der Staatssekretär fügte hinzu, dass eine vernünftige Finanzierung für die Erreichung der Ziele unabdingbar sei. Deshalb investiere die Regierung vermehrt in Forschung und Entwicklung und habe das Budget dafür für die nächsten Jahre bereits angehoben.

Meister lobte, dass der „Technologie-Standort Deutschland“ bereits viel Wissen und Know-how einbringen kann. Er äußerte aber auch, dass mehr junge Menschen für MINT-Themen begeistert werden müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Die Politik arbeite hier gerne mit dem VDE zusammen, um den Nachwuchs zu finden, der die Digitalisierung in Deutschland mit voranbringen kann.

Start-ups als Zukunftschance

Peter Krause

Peter Krause betonte, dass die Digitalisierung ohne Sensoren nicht möglich sei.

| Henning Schacht / VDE

Im anschließenden Gespräch mit der Moderatorin Sylvi Piela sprach Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin, über die Forschung und Entwicklung in Berlin. Er betonte, dass das Land Berlin bereits viel investiere und berichtete, wie stark sich die Stadt in den letzten Jahren weiterentwickelt hat. Besonders die Start-up-Szene sei sehr gewachsen. Zusätzlich profitiere die Hauptstadt von den zahlreichen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Fachhochschulen. Berlin eigne sich also hervorragend als Standort für den MikroSystemTechnik Kongress.

Klaus-Dieter Lang, TU Berlin und Fraunhofer IZM, sprach ebenfalls über das Thema Start-ups. Er betonte „Wir müssen etwas für die Start-ups tun“ und wünsche sich neue Konzepte, um Start-ups besser zu unterstützen. Als positives Beispiel nannte er die Factory Berlin. Ein Containerdorf, das sowohl von den jungen Unternehmern als auch von der Stadt selbst sehr gut angenommen worden sei.

Direkt am Anschluss an das Gespräch mit der Moderatorin konnte sich Lang über eine besondere Auszeichnung freuen. Für seine Arbeit und sein großes Engagement in der Mikrosystemtechnik erhielt er den GMM-Award.

In der darauffolgenden Keynote sprach Peter Krause von der First Sensor AG über „Sensing Innovations – wie wir mit Sensoren die Zukunft gestalten“. Für die Sensorindustrie sieht er viele Wachstumsmöglichkeiten, die durch neue vernetzte Technologien entstehen. Diese eröffnen neue Geschäftsfelder und ermöglichen neue Businessmodelle. Krause warnte aber auch: „Wir müssen die Megatrends im Auge behalten.“ Als Beispiele nannte er Smart Factory, Smart Health, ADAS (Fahrerassistenzsysteme) und Green Mobility. Sensoren seien dabei die Key-Player. Ohne sie sei die Digitalisierung nicht möglich.

Invent a Chip - die Sieger 2019

IaC19-Sieger-Buehne-Gruppe

IaC-Sieger mit weiteren Akteuren auf der Bühne des MST-Kongresses 2019

| Henning Schacht / VDE
30.10.2019

Den Abschluss des Eröffnungsabends bildete die Preisverleihung des Schülerwettbewerbs Invent a Chip. VDE-Präsident Dr. Gunther Kegel und der Staatssekretär Dr. Michael Meister im Bundesministerium für Bildung und Forschung überreichten die begehrten Siegerpokale.

Der erste Preis ging in diesem Jahr an Finn Liebner vom Marie-Curie-Gymnasium in Kirchzarten mit seinem Projekt "Datenreiches Licht" bei dem er ein chipgesteuertes optisches Datenübertragungssystem für die Übermittlung von ASCII-Zeichen entwickelte.

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Quantentechnologie und 5G

MikroSystemTechnik Kongress 2019 - Ausstellung

Auf der Firmenausstellung des MikroSystemTechnik Kongress 2019 diskutierten die Experten zwischen den Vorträgen und Workshops weiter.

| Henning Schacht / VDE

Nach der Begrüßung zum Tag 2 des MikroSystemTechnik Kongresses durch Klaus-Dieter Lang übernahm Prof. Patrick Maletinsky das Wort. Das Thema Quantentechnologie stand im Mittelpunkt seiner Keynote. Besonders für die Mikrotechnik sei diese von großem Vorteil, da klassische Physik dort nicht anwendbar sei. Maletinsky sprach von einer zweiten Quantenrevolution, in der wir uns zurzeit befinden. Neue Technologien bieten zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel im Bereich des Quantum Computings oder in der Sensorik.

Die Quantensensorik steht im Mittelpunkt von Maletinskys Arbeit. Er befasst sich mit Quantentechnologie, die auf den Spins in Diamanten basiert. Diamanten besitzen sehr nützliche Eigenschaften, die der Forscher für sich nutzt. Besonders die Defekte in den Diamanten seien interessant für die Entwicklung von Quantum-Sensoren. Zudem lassen sich zum Beispiel Magnete so dünn wie ein Atom herstellen. Insgesamt biete die Forschung in diesem Bereich sehr großes Potenzial.

Der zweite Keynote-Speaker des Tages, Rainer Liebhart, wandte sich einem der großen aktuellen Trendthemen zu: 5G. Er sprach über die Vorteile wie zum Beispiel höhere Übertragungsgeschwindigkeiten, das Erreichen von neuen Frequenzbereichen und die Möglichkeit einer viel größeren Vernetzung.

Trotz der vielen Vorteile würde der 5G-Markt und die Entwicklung im Moment nur von wenigen Ländern angetrieben. Die USA und China führen den Markt mit großem Vorsprung an. Korea, Japan und Europa folgen. Allerdings befinde sich der Ausbau noch ganz am Anfang. Die zukünftigen Ziele: erhöhte Kapazität, mehr Nutzer pro Zelle, eine höhere Datenrate, bessere Konnektivität, eine bessere Latenzzeit und allgemein eine höhere Verlässlichkeit. Einige gute Beispiele in Europa, bei denen 5G bereits jetzt sinnvoll eingesetzt wird, gäbe es schon. Dazu gehöre das Projekt „5G Smart Sea Port“ in Hamburg. Der Hamburger Hafen wurde hier mit 5G intelligent vernetzt.

Nach dem gemeinsamen Start in den Kongress verteilten sich die Teilnehmer auf verschiedene Workshops, in denen sie diverse Mikrosystemtechnik-Themen aus Forschung, Entwicklung und Industrie präsentierten und diskutierten.

Künstliche Intelligenz optimal vernetzt

Nach der Begrüßung durch Prof. Joachim Burghartz vom IMS CHIPS und der Universität Stuttgart folgte am dritten Tag des MikroSystemTechnik Kongresses eine Keynote von Janusz Smilek von SAP.

Smilek sprach über das Internet of Things (IoT) und die Entwicklung neuer Produkte, bei denen der Kunde und seine User Experience im Vordergrund stehen. Die Herausforderungen dabei seien sehr vielfältig: Zum einen würde die Systemlandschaft immer komplexer, die Analyse der Daten funktioniere oft nicht effizient und die Integration verschiedener Geräte und Systeme sei mangelhaft. Insgesamt gäbe es bei der Umsetzung smarter Technologien noch viel Raum für Optimierungen. SAP habe eine Plattform entwickelt, die Sensorik nutzt, um Prozesse zu optimieren. Daten, Prozesse und Produkte werden dabei zu einem intelligenten System verknüpft. Auch Edge-Computing käme zum Einsatz. Smilek stellte die Plattform im Detail vor und gab einen Ausblick in die Zukunft.

Bei der Keynote von Dirk Michelsen, IBM Deutschland, stand das Thema Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt. Er sprach zu „AI in Space, on Earth and on the Edge“. Michelsen betonte, dass KI in fast allen neuen Technologien und Technologien der Zukunft vorkomme. Das Deep Learning über neuronale Netze sei dabei oft eine der Hauptkomponenten. Als Beispiel für Künstliche Intelligenz im All stellte Michelsen CIMON vor, den ersten KI-Roboter seiner Art. Er wird auf der Internationalen Raumstation (ISS) eingesetzt und unterstützt die Crew bei verschiedenen Arbeiten. Beispielhaft für KI „on earth“ präsentierte der Keynote-Speaker KIs, die für den Kundenservice, für die Datenanalyse -und Erfassung oder auch für Visual-Recognition-Programme eingesetzt werden.

Zum Abschluss seines Vortrags ging Michelsen noch auf das Thema Edge ein. Edge Computing habe sehr viele Vorteile, wie zum Beispiel eine sehr kurze Reaktionszeit und eine große Bandbreite. Zudem sei es sehr sicher und zuverlässig. Laut Michelsen sind KI und Edge Management der Schlüssel zum zukünftigen Erfolg zahlreicher Industrien.

Auszeichnungen und Ausblick

Team dayLight

Eines der beiden Sieger-Teams des Wettbwerbs COSIMA: dayLight - light up your life.

| Anja Rottke / VDE

Im Anschluss an die beiden Keynotes fanden an Tag 3 des Kongresses mehrere Preisverleihungen statt. Zuerst verlieh Dr.-Ing. Ronald Schnabel, Geschäftsführer der VDE/VDI-Gesellschaft Mikroelektronik, Mikrosystem- und Feinwerktechnik, den GMM-Preis und den Alfred-Kuhlenkamp-Preis. Es folgte die Preisverleihung an die Sieger des Studierenden-Wettbewerbs COSIMA. Der erste Preis ging an die Teams „dayLight“ (TU Darmstadt) und „Poced“ (Karlsruher Institut für Technologie und Universität Freiburg), über den zweiten Platz freute sich das Team „Smart Case“ (Universität des Saarlandes) und der dritte Platz ging an das Team „El Generatore“ (Karlsruher Institut für Technologie und Universität Freiburg).

Wie schon an Tag 2 nahmen die Experten danach an verschiedenen Workshops teil. Der Kongress endete am Mittwochnachmittag. Der nächste MikroSystemTechnik Kongress befindet sich allerdings bereits in Planung. Er wird im November 2021 in Stuttgart stattfinden. Weitere Informationen folgen.

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