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01.04.2015 Pressemitteilung 97 0

VDE|FNN veröffentlicht Anwendungsregel für sicheren und wirtschaftlichen Ausbau von 110-kV-Netzen mit Erdkabeln

VDE-Anwendungsregel „Integration von Kabeln in 110-kV Hochspannungsfreileitungsnetze“ (VDE-AR-N 4202) unterstützt Netzbetreiber und Genehmigungsbehörden. Neue Anwendungsregel tritt zum 1. April 2015 in Kraft und beschreibt vier mögliche technische Bauvarianten.

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Während die Erdverkabelung in der Höchstspannungsebene (den so genannten Stromautobahnen) derzeit noch in der Erprobung ist, wird sie in der Hochspannungsebene (110 kV) im Verteilnetz bereits eingesetzt. Hier sind die Verteilnetzbetreiber seit 2011 gesetzlich dazu verpflichtet, neue Netze als Erdkabel auszuführen, so lange die Kosten die von Freileitungen nicht um den Faktor 2,75 überschreiten. Diese gesetzliche Regelung führt dazu, dass der Anteil von Kabeln in den 110 kV-Netzen zunehmen wird. Viele der bestehenden Freileitungsnetze können jedoch nicht unbegrenzt mit Kabeln ausgebaut werden, denn Erdkabel besitzen andere technische Eigenschaften als Freileitungen. Die Erweiterung bestehender Netze mit Kabeln kann diese an ihre Belastungsgrenzen bringen. Die bei Fehlern auftretenden Erdschlussströme können dann zum Beispiel so groß werden, dass ein sicherer Betrieb des Netzes nicht mehr gewährleistet ist.

Vier mögliche Varianten
Hier setzt die neue VDE-Anwendungsregel „Vorgehensweise bei der Integration von Kabeln in 110-kV-Hochspannungsfreileitungsnetze“ (VDE-AR-N 4202) an. Sie beschreibt vier unterschiedliche Varianten, wie trotzdem Teilstücke als Kabel ausgeführt werden können. Sie reichen von der einfachen Integration von Erdkabeln in das bestehende Netz über die Aufteilung in Netzgruppen bis hin zum Einsatz eines Trenntransformators. Diese sind technisch und finanziell unterschiedlich aufwendig. Die Entscheidung für eine der vier Varianten ergibt sich aus den technischen Eigenschaften des bereits vorhandenen Netzes. Durch die Wahl der jeweils passenden Maßnahmen kann das Hochspannungsnetz weiter sicher betrieben werden.

Ziel: wirtschaftlicher und sicherer Ausbau der Verteilnetze
Die Anwendungsregel hilft zum einen den Netzbetreibern bei der Planung ihrer Netze. Zum anderen erhalten Genehmigungsbehörden bei der Entscheidung für oder gegen eine Ausbauvariante objektive und nachvollziehbare Bewertungsgrundlagen. Das kann Genehmigungsprozesse beschleunigen. Die neue Anwendungsregel ist Teil der Arbeiten des Forums Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) zur Sicherstellung des jederzeit sicheren Systembetriebs bei gleichzeitig steigender Aufnahme erneuerbarer Energien.

Die Anwendungsregel tritt zum 1. April 2015 in Kraft, ist Teil des VDE-Vorschriftenwerks und über den VDE-Verlag erhältlich: www.VDE-Verlag.de

Für die Redaktion: Bitte beachten Sie die beigefügten Bilder. Als Bildunterschrift bieten wir an:
Die neue VDE-Anwendungsregel zur Integration von Erdkabeln hilft beim wirtschaftlichen und sicheren Ausbau der Verteilnetze.
Grafik: VDE|FNN