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02.12.2015 Pressemitteilung 33 0

VDE|FNN-Fachkongress Netztechnik: Neue Lösungen für die Netze von morgen

800 Branchenexperten diskutieren beim Fachkongress Netztechnik in Nürnberg die Zukunft der Stromnetze. VDE|FNN-Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Küppers präsentiert Eckpunkte einer neuen Roadmap „Vom Netz zum System“

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Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE|FNN) hat heute auf dem Fachkongress Netztechnik in Nürnberg Eckpunkte seiner neuen Roadmap zur Weiterentwicklung der Netze vorgestellt. Sie umfasst Aktivitäten in drei Bereichen: „Vom Netz zum System“, „Sicherer Systembetrieb mit dezentralen Erzeugungsanlagen“ sowie „Sicherer Systembetrieb mit Informations- und Kommunikationstechnologien“. Diese drei Themen sind die zentralen Herausforderungen für die Ertüchtigung der Netze für ein Energiesystem, dass in erheblichem Umfang auf Erneuerbaren Energien basiert. Änderungen am Netz sowie den vielen daran angeschlossenen Anlagen lassen sich nicht von heute auf morgen umsetzen. Daher müssen die Arbeiten an dieser neuen Phase der Weiterentwicklung der Netze jetzt beginnen. Den Startschuss dazu gab Dr. Stefan Küppers, Vorstandsvorsitzender von VDE|FNN und Geschäftsführer Technik der Westnetz GmbH, heute in seiner Keynote auf dem 19. Fachkongress Netztechnik.

Vom Netz zum System
„Das Netz der Zukunft muss vor allem flexibler, kommunikativer und damit intelligenter sein als heute. Es muss auf sehr hohe Fluktuationen vor allem bei der Einspeisung vorbereitet sein, auch beim Verbrauch und künftig bei den aufkommenden Speichern“, so Dr. Küppers vor den 800 Fachbesucherinnen und Fachbesuchern. Das langfristige Ziel von 80 Prozent Erneuerbare Energien in den Netzen (Ziel der Bundesregierung bis 2050) wird an vielen Tagen Einspeisung sehr hoher Leistungen aus regenerativen Energiequellen bedeuten. Auch dafür müssen Netztechnik und Netzbetrieb vorbereitet sein.
Ein konkretes Arbeitsfeld für den Wandel „Vom Netz zum System“ sind mehr Flexibilitätsoptionen im Netz. Das intelligente Messsystem unterstützt diesen Prozess. Darüber sollen die vielen hunderttausend Erzeugungsanlagen in der Niederspannung nach Erfordernissen des Marktes und des Netzes einspeisen. VDE|FNN hat dazu netzbetriebliche Anwendungsfälle definiert und im April 2014 an das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) übergeben. Eine Bewertung durch die zuständigen Behörden BSI und Bundesnetzagentur steht noch aus. Dazu Dr. Küppers: „Wir begrüßen den von der Politik für 2017 geplanten Einstieg in das intelligente Messsystem. Politik und Behörden sollten jetzt aber weiter daran arbeiten, dass wir klare Rahmenbedingungen haben und der volkswirtschaftliche Nutzen des intelligenten Messsystems auch tatsächlich gehoben werden kann.“

Ein weiteres konkretes Themenfeld für den Wandel „Vom Netz zum System“ ist die Weiterentwicklung des Rollenverständnisses zwischen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern. Ein bereits weit fortgeschrittenes Projekt aus der neuen Roadmap dazu ist die neue VDE-Anwendungsregel „Kaskadierung von Maßnahmen für die Systemsicherheit von elektrischen Energieversorgungsnetzen“ (E VDE-AR-N 4140). Diese Anwendungsregel legt das Zusammenwirken der Netzbetreiber bei Störungen der Systemsicherheit fest. Ziel ist es, die Kaskade, die in kritischen Netzsituationen über alle Netzebenen hinweg ausgelöst werden muss, zu optimieren und Entscheidungszeiten zu verkürzen. Die Verantwortung für die Systemsicherheit liegt weiter beim Übertragungsnetzbetreiber. Sowohl für Übertragungs- als auch Verteilnetzbetreiber sind künftig aber umfassendere Informationspflichten gegenüber vor- und nachgelagerten Netzbetreibern vorgesehen. Der Entwurf der neuen Anwendungsregel wird am 18. Dezember 2015 veröffentlicht und der Öffentlichkeit zur Prüfung und Stellungnahme vorgelegt.

Sicherer Systembetrieb mit dezentralen Erzeugungsanlagen
Unter dem Thema „Sicherer Systembetrieb mit dezentralen Erzeugungsanlagen“ fasst VDE|FNN künftig alle Aktivitäten zusammen, die für ein von Erneuerbaren Erzeugern dominiertes Stromsystem notwendig sind. Ein wichtiges Projekt aus der neuen Roadmap ist hier die Überführung des technischen Teils der bisherigen Netzanschlussbedingungen hin zu bundeseinheitlichen Technischen Anschlussregeln in Form von VDE-Anwendungsregeln (TAR). Die Arbeiten daran haben für alle vier Spannungsebenen bereits begonnen. Diskutiert werden höhere Anforderungen an dezentrale Erzeugungsanlagen, so zum Beispiel das Durchfahren kurzzeitiger Spannungseinbrüche auch in der Mittelspannung. Bisher war das nur in der Hoch- und Höchstspannung der Fall. VDE|FNN erarbeitet dabei auch – nach Absprache mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – die nationale Umsetzung der europäischen Network Codes. Aktuell zum Beispiel des Network Codes „Requirements for Generators“, der voraussichtlich Anfang 2016 in Kraft treten wird. Die Veröffentlichung der vier neuen Anwendungsregeln ist für alle Spannungsebenen für 2016/2017 geplant.

Sicherer Systembetrieb mit Informations- und Kommunikationstechnologien
Das Netz der Zukunft muss flexibler sein, Informations- und Kommunikationstechnologien halten verstärkt Einzug in den Netzbetrieb. All dies soll sicher geschehen. Dieses Thema wird daher als dritte Säule in den Vordergrund gerückt. Dazu werden die Experten von VDE|FNN zunächst eine Studie durchführen, die klärt, welche Anforderungen an die IT-Sicherheit über netzbetriebliche Zeiträume (mindestens 15-jährige Betriebsdauer der Komponenten) mit Blick nach vorne notwendig bzw. erreichbar sind. Ziel ist es, Kriterien und Bedarf zum Schutz der verschiedenen IT-Systeme zu definieren. Aus Sicherheitsgründen waren bislang das Prozessnetz für den operativen Netzbetrieb und das Internet strikt getrennt. Geprüft werden muss, wo diese Trennung weiter unbedingt erforderlich ist.

Alte Roadmap abgeschlossen
Die Erstellung einer neuen Roadmap ist notwendig, weil die erste VDE|FNN-Roadmap zur Weiterentwicklung der Netze von 2012 abgeschlossen ist. Wichtige Meilensteine darin waren neue Technische Anschlussbedingungen für die Hochspannung (VDE-AR-N 4120), Hinweise zum Einspeise- und Blindleistungsmanagement sowie vier Studien zu künftigen Anforderungen an Erzeugungsanlagen. Diese Projekte sind mittlerweile abgeschlossen.

Der Fachkongress Netztechnik ist die größte bundesweite Fachveranstaltung zu Netztechnik und Netzbetrieb. Träger ist das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE|FNN). In 15 Fachvorträgen und fünf parallel laufenden Fachforen diskutieren Fach- und Führungskräfte von Netzbetreibern, Herstellern, Dienstleistern und Behörden noch bis zum 3. Dezember 2015 neueste Entwicklungen rund um Netztechnik und Netzbetrieb.

Über das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE|FNN):
Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE|FNN) entwickelt die Stromnetze vorausschauend weiter. Ziel ist der jederzeit sichere Systembetrieb bei steigender Aufnahme von Strom aus erneuerbaren Energien. VDE|FNN macht innovative Technologien in Form von VDE-Anwendungsregeln und technischen Hinweisen schnell alltagstauglich und systemkompatibel. Mitglieder sind über 420 Netzbetreiber, Stadtwerke, Hersteller, Anlagenbetreiber, Behörden und wissenschaftliche Einrichtungen.