Planungsgrundsätze Hochspannung
VDE|FNN
22.06.2017 Pressemitteilung 470 0

VDE|FNN: Einheitliche Planungsgrundsätze erleichtern Netzausbau in der Hochspannung

Drehscheibe Verteilnetz: In vielen Regionen Deutschlands müssen Hochspannungsnetze ausgebaut werden. Entwurf der Anwendungsregel „Planungsgrundsätze für 110-kV-Netze“ (E VDE-AR-N 4121) unterstützt bei wirtschaftlicher Planung des Hochspannungsnetzes. Änderungsvorschläge bis 9. August 2017 möglich

Das Verteilnetz entwickelt sich zunehmend zur Drehscheibe der Energiewende. Gerade die Hochspannungsebene (110 kV) wird durch ihre Schnittstellenfunktion zwischen unterlagerten Mittelspannungsnetzen und dem Höchstspannungsnetz immer wichtiger. Wesentlicher Treiber dafür ist der Ausbau erneuerbarer Energien. Durch diesen Ausbau müssen in vielen Regionen Deutschlands bestehende Hochspannungsnetze verstärkt oder ausgebaut werden.

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Bisher gab es für die Hochspannung, im Gegensatz zu den Höchstspannungsnetzen, noch keine einheitlich beschriebenen Planungsgrundlagen. Diese hat das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE|FNN) nun vorgelegt. Die Anwendungsregel „Planungsgrundsätze für 110-kV-Netze“ (E VDE-AR-N 4121) beschreibt erstmals bundesweit einheitliche Planungsgrundlagen für diese Netzebene. „Mit dieser Anwendungsregel lassen sich Hochspannungsnetze nachhaltig planen. Die beschriebenen Grundsätze sorgen für einen insgesamt wirtschaftlichen Netzausbau bei gleichzeitig weiter hoher Versorgungszuverlässigkeit“, so Heike Kerber, Geschäftsführerin VDE|FNN.

Der beschriebene Planungshorizont umfasst die langfristige Netzplanung, also zehn Jahre und mehr. Die Anwendungsregel definiert unter anderem folgende Planungsprinzipien:

  • Aktive Konzepte in der Planung berücksichtigen
  • Anwendung des NOVA-Prinzips (Netzoptimierung vor Verstärkung und Ausbau)
  • Versorgungszuverlässigkeit gewährleisten („(n-1)-Sicherheit“)

Aktive Konzepte umfassen zum Beispiel den witterungsabhängigen Freileitungsbetrieb, Spitzenkappung oder Lastmanagement. Damit lassen sich Betriebsmittel besser auslasten, vorhandene Infrastruktur wird besser ausgenutzt und der Netzausbaubedarf ggf. verringert bzw. verschoben.

Die Dimensionierung des Netzes erfolgt auf Basis prognostizierter Entwicklungen von Last und Erzeugung. Ergibt die Prognose, dass die Versorgung gefährdet ist, werden Maßnahmen nach dem NOVA-Prinzip geplant. Das bedeutet, dass Netzoptimierung vor Netzverstärkung und vor Netzausbau erfolgt.

Ziel der Planung ist es, das der Ausfall eines Betriebsmittels nicht zu einem unzulässigen Betriebszustand führt. Diesen Planungsgrundsatz nennt man „(n-1)-Prinzip“. Darüber hinaus definiert die Anwendungsregel spezielle Ausfallszenarien, für die selbst der gleichzeitige Ausfall mehrerer Betriebsmittel zu berücksichtigen ist. In der Summe sorgen alle drei Prinzipien dafür, dass die Kapazität des vorhandenen Netzes möglichst weitgehend genutzt werden kann und ein bundesweit einheitliches Verständnis für Mindestanforderungen zu Grunde liegt.

Die Anwendungsregel erleichtert die Arbeit der Netzbetreiber, weil sie auf sorgfältig abgestimmte, bundesweit einheitliche Planungsgrundlagen zurückgreifen können. Zudem lassen sich vorgeschlagene Planungsvarianten leichter nachvollziehen und kommunizieren. Die Anwendungsregel ist Teil der Aktivitäten von VDE|FNN, den jederzeit sicheren Systembetrieb bei steigender Aufnahme von Strom aus erneuerbaren Energien sicherzustellen. Am 28. Juni 2017 veranstaltet VDE|FNN in Berlin den Infotag „Netzplanung“ unter anderem zu dieser Anwendungsregel. Weitere Informationen dazu unter https://www.vde.com/fnn_info_netzplanung

Der Entwurf der Anwendungsregel „Planungsgrundsätze 110-kV-Netze“ ist über die Webseite von VDE|FNN (www.vde.com/de/fnn) verfügbar. Bis 9. August 2017 können Änderungsvorschläge abgegeben werden. Informationen hierzu unter www.vde.com/fnn-stellungnahme.