Studentengruppe schaut auf Laptop
contrastwerkstatt / Fotolia
19.01.2021

„Nicht jedem Elektrotechnik-Trend hinterherlaufen!“

Prof. Dr. Michael Berger ist ehemaliger Vorsitzender des Ausschusses Studium Beruf + Gesellschaft des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) sowie wissenschaftlicher Leiter des Instituts für die Transformation des Energiesystems an der Fachhochschule Westküste in Heide. Mit studienwahl.de sprach er über die Berufschancen von Elektrotechnik-Absolvent*innen, Grundlagenwissen und totgesagte Batterien.

Kontakt

Stellv. Vorsitzender
Downloads + Links

studienwahl.de: Herr Prof. Berger, wo in unserem Alltag begegnet uns Elektrotechnik?

Michael Berger: Nahezu überall. Nehmen wir nur mal einen ganz normalen Morgen: Der Wecker spielt Musik, wir machen das Licht an und checken das Handy, stellen die Heizung höher, duschen mit warmen Wasser, stellen die Kaffeemaschine an, werfen einen Blick auf den Regenradar, fahren mit dem Navi zur Arbeit, halten an einer Verkehrsampel, schalten im Büro den Laptop ein, nutzen das Internet, machen eine Videokonferenz …

studienwahl.de: Das bedeutet, Gegenwart und Zukunft ohne Elektrotechnik sind undenkbar?

Michael Berger: Definitiv. Ohne Elektronik, Elektro- und Informationstechnik gäbe es beispielsweise auch keine Energiewende – Stichworte hier: Anlagensteuerung, Stromnetze, Elektromobilität, Messtechnik, Windenergie. Und auch keine Digitalisierung in Privat- und Arbeitsleben – Stichworte hier: Smartphones, Datenleitungen, hardwarenahe Programmierung, Clouds, Industrie 4.0.

studienwahl.de: Dann werden wohl zukünftig viele Experten*innen benötigt?

Michael Berger: Ja, die Berufschancen für Absolventen*innen sind rosig – egal, was sie in welcher Branche tun möchten. Überall wird gesucht, überall gibt es Engpässe. Das Gute: Die Studienwahl an sich ist noch keine endgültige Berufsentscheidung. Ein Technik-Studium macht flexibel und sichert die Studierenden für alle Eventualitäten in einer nahezu unübersichtlich vielfältigen Technik-Welt ab, indem es Grundkenntnisse in Physik, Mathematik und Informatik sowie ein Grundverständnis der Funktionsweisen von Geräten und Anlagen vermittelt. Außerdem erwerben Studierende die Fähigkeit zur Fehlersuche und Problemlösung und somit ein profundes Systemverständnis. Das alles ist zudem eine solide Grundlage, um sich später ergänzend wirtschaftliche Kenntnisse anzueignen und eventuell auch Führungsaufgaben zu übernehmen.

studienwahl.de: Wann sollte man sich spezialisieren und was ist derzeit besonders gefragt?

Michael Berger: Ganz wichtig: Nicht jedem Trend hinterherlaufen! Die Welt der Elektrotechnik wandelt sich ständig, man lernt sein ganzes Berufsleben weiter – und Totgesagtes kommt wieder, zum Beispiel die Batterien. Meistens wissen Abiturienten*innen gar nicht, was sich hinter speziellen Studiengangsbezeichnungen verbirgt. Ich rate: Vorher mal schnuppern, Praktika machen, Tage der offenen Tür nutzen, die Hochschulen besuchen. Wichtig aber ist es, wie erwähnt, erst einmal Grundlagenkenntnisse zu erwerben. Auch in Zeiten von Bluetooth muss man beispielsweise wissen, wie eine klassische Antenne funktioniert.


Dieser Beitrag ist auf dem Online-Portal studienwahl.de erschienen.