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23.04.2020 91 0

Kritik an unvollständiger OECD-Berichterstattung

Der VDE-Ausschuss Studium, Beruf + Gesellschaft sieht in dieser Darstellung der OECD und der darauffolgenden Berichterstattung in den Medien genau die Verkürzung der Berufsbilder, die die Autoren für die Jugendlichen konstatieren.

Die OECD bleibt es schuldig Tätigkeiten zu benennen, die durch die Digitalisierung entstanden sein sollen. Da sich praktisch in allen Berufen Tätigkeiten durch die Digitalisierung ändern und geändert haben – auch bei den als „etablierte Berufe“ genannten – mutet der Fragestellung der Studie eher oberflächlich an. Sehr sinnvoll erscheint aber die Forderung der OECD nach einer besseren Berufsorientierung in den Schulen.

Unter den zehn am häufigsten genannten Berufen finden sich bei den 15-Jährigen, die vermutlich studieren werden (high performers), die Ingenieurberufe auf Platz 2 und die „Information and Communications Technology (ICT) professionals“ auf Platz 4. Beide Berufszweige stehen im Kern der Digitalisierung. Die Ingenieurberufe sind gegenüber dem Jahr 2000 sogar um drei Plätze aufgestiegen. 

Wenngleich sich die Situation speziell in Deutschland etwas anders darstellt, gilt auch hier: Zumindest bei den männlichen Jugendlichen sind Technikberufe beliebt. ICT professionals stehen auf Platz 1, Science and engineering professionals auf Platz 6 und Engineers auf Platz 8, wobei die anderen Plätze auch teilweise noch von technischen Lehrberufen eingenommen werden, weil Schüler aller Schulformen befragt wurden. Um diese Situation weiter zu verbessern, engagiert sich der VDE in der nationalen MINT-Initiative (MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Die eigentliche schlechte Nachricht: Bei den weiblichen Jugendlichen findet sich in Deutschland unter den ersten 10 überhaupt kein Technikberuf.

Die Aussagen der OECD relativieren sich weiter wenn man bedenkt, dass die Berufswahl im Alter von 15 lediglich bei den Lehrberufen nahezu abgeschlossen ist (Bewerbungsphase für die Lehrstellen), während die Entscheidung für ein Studienfach in der Regel erst nach weiteren 3 Jahren eines Reifungsprozesses fällt und dann in vielen Fällen zu Studienbeginn sogar noch einmal revidiert wird. Die Ingenieur- und Informatikfakultäten und -fachbereiche an den Hochschulen wären sehr erfreut, wenn die mit 15 genannten Präferenzen später zu entsprechenden Entscheidungen führen würden.


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