Expertentagung von VDE u Hanns Seidel Stiftung am 13.07.2015

vlnr: Dr.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. M. Schanz (VDE-Ausschuss Studium Beruf und Gesellschaft), Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser (Institut für angewandte Arbeitswissenschaft), Lutz Stratmann (Landesminister Niedersachsen a.D.), Prof. Dr. Karlheinz Sonntag (Uni Heidelberg), Markus Blume (MDL Bayern)

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16.07.2015 Veranstaltungsinfo 125 0

2025: Kein Standort Deutschland?

High-Tech-Entwicklung in Zeiten des demographischen Wandels

Zur Entwicklung von Spitzentechnologien, gerade in der Hochtechnologie wie der Elektrotechnik und Informationstechnik, benötigt man sehr gut qualifizierte Mitarbeiter und erfahrene Experten. Der demographische Wandel fordert kreative Lösungsansätze, um den Fachkräftebedarf und damit die Innovationskraft auch in Zukunft zu sichern.
In ihrer gemeinsamen Tagung konnten der VDE-Ausschuss „Beruf, Gesellschaft und Technik“ und die Hanns Seidel Stiftung am 13. Juli im Konferenzzentrum München zusammen mit Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über diese Herausforderung diskutieren.
„Demographie ist ein Wandlungstreiber“: Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser, Direktor und geschäftsführender Vorstand des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. in Düsseldorf, fand klare Worte und skizzierte die Auswirkungen auf die Unternehmenskultur. Er zeigte auf, dass Unternehmen produktiver werden müssen - mit durchschnittlich älterer Belegschaft. Dabei stellte er klar, dass es keine Patentrezepte geben könne, die Personalarbeit müsse deshalb strategisch angelegt werden.
Markus Blume, Mitglied des bayerischen Landtages und seit 2011 der CSU-Wirtschaftskommission vorstehend, zeigte auf, dass Bayern grundsätzlich der demographischen Entwicklung gegenüber gut aufgestellt sei und durch den Einfluss von Industrie 4.0 auch und gerade Chancen zur Begegnung der Herausforderungen liegen. Sein Hauptaugenmerk lag darauf, dass Globalisierung und vor allem Digitalisierung die bisher erfolgreichen Methoden der Personalarbeit in Frage stellten. „Die Prämisse der Berechenbarkeit und Linearität“ wird laut Blume durch Diskontinuitäten und Disruptionen unwirksam und uns allen einen neuen Zugang zu wirtschaftlichen Denken und Handeln abfordern. Blume sieht eine Gefahr darin, dass wir auf diese neue Arbeitswelt nicht ausreichend vorbereitet sind, weil sie radikal im wahrsten Sinne des Wortes sein wird und wir den Ist-Zeitpunkt einfach weiter schreiben. „Unsere traditionelle, relevante Industrie ist aber keine „gmahte Wiesn“, gab Blume zu bedenken. Bei der Suche um eine lebensgerechte Arbeitswelt ging es Blume darum, „Chancen zu sehen, statt Angst zu säen“.
Dr.-Ing. Michael Schanz, Leiter der Geschäftsstellen der Fachausschüsse „Ingenieurausbildung“ sowie „Beruf-Gesellschaft-Technik“ im VDE, präsentierte in der Studie Elektroingenieur 55+, das der demografischer Wandel mittelfristig durch Zuwanderung und gestiegene Studierendenbereitschaft im Bereich der Elektroingenieure bis 2020 abgefedert werden kann, jedoch langfristig nicht zu schaffen ist.
Für Prof. Dr. Karlheinz Sonntag, und Inhaber des Lehrstuhls für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Heidelberg, macht die „wertschätzende Führungs-und Unternehmenskultur“ den Unterschied, nicht das Alter. Dazu gehöre ein präventiv ausgerichtetes Gesundheitsmanagement, Mitspracherechte bei der zeitlichen und inhaltlichen Gestaltung der Arbeit und vor allem die Akzeptanz, dass die individuellen Potenziale älterer Mitarbeiter - Erfahrungswissen, Expertise, Motivation und Eigenverantwortung – mit den Vorteilen der jüngeren Mitarbeiter kombiniert werden.
Lutz Stratmann, Landesminister a.D. und Geschäftsführer der Demografie-Agentur für die niedersächsische Wirtschaft GmbH, zeigte an mehreren Beispielen, dass der demografische Wandel ein Problem der kleinen und mittelständigen Unternehmen ist, der vor allem Unternehmen in ländlichen Räumen betrifft.
Im Fazit waren sich alle Teilnehmer einig, dass der demographische Wandel ein festes Datum ist, der auf lange Zeit auch unumkehrbar ist. Die Herausforderung wird sein, diesen Wandel vor dem Hintergrund neuer Herausforderungen kreativ und lebensgerecht zu gestalten.

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