eBook Reader mit Büchern
Eisenhans / Fotolia
30.09.2014 Kurzinformation 46 0

Technik, Technik, Technik!

Prof. Dr. Michael Berger wurde 1996 Professor für Elektronik an der FH Westküste (Fachhochschule für Wirtschaft und Technik) in Heide, Schleswig-Holstein, und ist dort Vizepräsident. Er hat an der Uni Dortmund Elektrotechnik studiert. Nach Promotion und Habilitation in Duisburg war er einige Jahre in der Industrie tätig. Seit 1981 macht er Studien- und Berufsberatung. Ehrenamtlich ist er unter anderem Bundesvorsitzender des Fachausschusses Ingenieurausbildung beim VDE.

Prof. Dr. Michael Berger

Prof. Dr. Michael Berger

| Angela Schmid

Die Abbrecherquote an deutschen Hochschulen ist hoch: Jeder vierte Bachelor-Student verlässt vorzeitig die Hochschule. Deshalb gilt: Augen auf bei der Studienwahl. Warum es sich lohnt, ein MINT-Fach zu studieren, was der Fachkräftemangel damit zu tun hat und wie wichtig MINT für die Wirtschaft ist, weiß Professor Michael Berger von der FH Westküste in Heide.

Herr Professor Berger, MINT-Absolventen sind als Arbeitskräfte ja heiß begehrt. Gilt das für alle MINT-ler oder für bestimmte Fächer mehr, für andere weniger?

Durchaus, es gibt weitaus mehr Ingenieurinnen und Ingenieure als die ganzen anderen Sparten zusammengenommen. Das spricht schon für sich. Im Bereich Biologie ist es eher schwierig, der Baubereich schwankt extrem.

Welche MINT-Fachkräfte haben dann die besten Karten auf dem Arbeitsmarkt?

Ganz klar: Kleines „m“, großes „I“, kleines „n“, großes „T“ – weniger Stellen für Mathematiker und Naturwissenschaftler, mehr im Informatik- und Ingenieurbereich.

Wie wird sich der Arbeitsmarkt im MINT-Bereich zukünftig entwickeln?

Deutschlands Wirtschaftskraft setzt auf kluge Köpfe, wir haben nicht viel mehr als unsere Fantasie und unsere Bildung. Daher ist es für mich keine Frage, wie es weitergeht: Invented in Europe.

Wenn jeder weiß, wie wichtig MINT ist – wie kommt es dennoch zum Fachkräftemangel?

Das verstehe ich auch nicht, für mich ist das eine höhere Form von Dummheit. Liebe Leute, schaut euch doch die Welt an: Technik, Technik, Technik. Neun Milliarden Menschen auf der Erde werden schon schwer zu verdauen sein, aber ohne Technik ein Ding der Unmöglichkeit. Also: Selber denken, auch bei der Berufswahl!

Was sind die Voraussetzungen für ein MINT-Studium?

Wissen zu wollen, wie und warum etwas Technisches funktioniert und wie man es verbessern kann. Motivation ist die Hauptsache, alles andere findet sich. Vorkenntnisse in Mathe, Physik, Informatik oder Chemie helfen natürlich. Aber da sind wir auch schon an einem wunden Punkt: Wer bei diesen Themen zu früh in der Schule ausgestiegen ist, macht dann bei der Wahl des Studienfachs schnell mal dicke Backen.

Stichwort richtiges Studienfach – wie soll das aussehen?

Unabhängig von der Studienrichtung würde ich unbedingt dazu raten, etwas anwendungsorientiertes zu studieren, beispielsweise Angewandte Mathematik, Wirtschafts- oder Technische Informatik.

Und nach dem Studium? In welchen Branchen kommen MINT-Absolventen beruflich unter?

Die Frage würde ich herumdrehen: Wo finden MINTAbsolventen keine Beschäftigung? Da fällt mir außer der Kirche eigentlich kein Bereich ein. Schwerpunkt ist natürlich das Entwickeln, Herstellen und Betreiben von Anlagen, Fahrzeugen oder Geräten. Aber ansonsten reicht das von der Verwaltung über Management, Bildung und Unternehmensberatungen bis in die Anwaltskanzleien. Ich kann mir keine weiter gefächerte Berufssparte vorstellen. Irgendwie geht alles.

Interview aus dem VDE dialog 04/2014

Wissenswertes