Geschäftsfrauen am Schreibtisch
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13.12.2006 Seite 55 0

Erfolgreicher Wiedereinstieg nach der Elternzeit

Ein Erfahrungsbericht.

Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenarbeiten – Ein Win-Win-Fall aus der Praxis

Anja Ringler, Projekteurin im Bereich Fahrzeugsteuerung für Lokomotiven bei der Siemens AG, Erlangen
Bernd O. Stottok, Gruppenleiter im Bereich Fahrzeugsteuerung für Lokomotiven bei der Siemens AG, Erlangen

 

Einleitung

In der heutigen Zeit sind die Diskussionen über die zunehmende Kinderlosigkeit, vor allem von Akademikerinnen, und den daraus resultierenden Problemen in unserer Gesellschaft in aller Munde. Die Gründe wie Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes, Selbstverwirklichung im Beruf und die zunehmende Kinderfeindlichkeit in Teilen der Gesellschaft sind hinlänglich bekannt.

Mit diesem Erfahrungsbericht soll als ein positives Fallbeispiel aufzeigt werden, wie gut Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenarbeiten können, wenn der zeitweise Ausstieg aus dem Beruf aufgrund der Geburt eines Kindes problemlos gelingen soll.

Im Jahr 2004 entschieden sich mein Mann und ich dafür, einem Kind das Leben schenken zu wollen. In meiner damaligen Tätigkeit war mir bewusst, dass sich Beruf und Familie nur schwer vereinbaren lassen würden. Ich stellte mich deshalb auf eine ungewisse Zukunft ein, suchte aber nicht aktiv nach einer neuen Tätigkeit. Als ich dann über einen Gruppenleiter, der früher ebenfalls in meinem Bereich gearbeitet hatte, das Angebot bekam, auf eine neue Stelle innerhalb des Unternehmens zu wechseln, die sowohl eine Weiterentwicklung in meiner beruflichen Laufbahn als auch eine bessere Möglichkeit für meine zukünftige Familienplanung darstellte, besonders durch das Bereitstellen eines Telearbeitsplatzes zu Hause neben meinem Arbeitsplatz in der Firma, entschloss ich mich zum Wechsel.

Meine möglichen neuen Vorgesetzten kannte ich aus schon aus verschiedenen Arbeitskreisen und Gesprächsrunden und wollte deshalb von Anfang an mit offenen Karten spielen, was meinen Kinderwunsch betraf. Ich beschloss deshalb, sie noch vor dem möglichen Wechsel über meine Planungen zu informieren. Es ist sicherlich etwas ungewöhnlich, bei einem Vorstellungsgespräch mitzuteilen, dass man unter Umständen demnächst als Arbeitskraft nicht mehr zur Verfügung steht. Ich hätte es aber als unfair meinen neuen Vorgesetzen gegenüber empfunden, wenn ich dies nicht erwähnt hätte, da meine Arbeitskraft ja voll eingeplant wurde, und ich hätte es auch anstandslos akzeptiert, wenn deswegen das Angebot zu einem internen Wechsel zurückgezogen worden wäre.

Zwar gibt es keine Verpflichtung, eine geplante Schwangerschaft oder einen Kinderwunsch bei einem Vorstellungsgespräch offenzulegen. Aber wenn die Zusammenarbeit für beide Seiten zufriedenstellend verlaufen soll und, wie in meinem Fall, der Wechsel nicht zwingend notwendig ist, hielt ich es für besser, ein solches Thema schon im Vorfeld zu klären.

Binnen einer viertel Stunde hatte ich per Email die Rückmeldung, dass der mögliche „Ausfall“ kein Problem darstelle; und ich war wirklich überrascht über diese schnelle und positive Reaktion.

Als dann, nachdem ich schon über ein Jahr in der neuen Position arbeitete, sicher war, dass ich tatsächlich Nachwuchs bekommen würde, planten meine Vorgesetzten und ich den zeitlichen Ausstieg und Wiedereinstieg gemeinsam:

  • Abbau des gesamten Resturlaubes und nahezu aller Überstunden, damit sich nach der Wiederkehr ein nicht zu großes Polster angesammelt haben würde.
  • Beantragung der Elternzeit von zwei Jahren. Rückkehr nach einem halben Jahr nach der Geburt mit 15 Stunden pro Woche und Option auf Telearbeit.
  • Nach einem Jahr wieder Volleinstieg und somit Beendigung der Elternzeit.
  • Mitnahme des Laptops nach Hause mit Firmenzugriff von daheim aus.

Gerade die Möglichkeit, weiter aktiv Emails und Besprechungsprotokolle lesen und mit den Kollegen kommunizieren zu können, halte ich für enorm wichtig. So fühlt man sich einerseits nicht ausgeschlossen und kann andererseits verfolgen, wie es in der Arbeit weitergeht.
Ohne dies hätte ich das Gefühl gehabt, den Kontakt zu verlieren und nicht mehr auf dem Laufenden zu sein.

Ein halbes Jahr nach der Geburt meiner Tochter bin ich nun, wie auch ursprünglich geplant, mit 15 Stunden in der Woche wieder in den Beruf eingestiegen. Ich befinde mich noch in Elternzeit und arbeite zwei volle Tage in der Woche. Meine Tochter ist in der Zeit bei den Großeltern untergebracht. Hätte ich diese Möglichkeit nicht gehabt, so hätte ich mir eine Tagesmutter gesucht, um trotzdem in den Beruf zurückkehren zu können.

Da der zeitliche Ausstieg relativ kurz war (in Summe mit Resturlaub, Mutterschutz und anteiliger Elternzeit zehn Monate), hatte ich, besonders bedingt durch unsere langen Projektlaufzeiten, nach meinem Rückkehr nicht das Gefühl, dass sich in der Arbeit viel verändert hat. Der Wiedereinstieg viel mir deshalb nicht schwer und ich war, abgesehen von einigen technischen Problemen mit meinem Laptop, nach einem Tag wieder arbeitsfähig. Mein Vorgesetzter hat glücklicherweise eine Aufgabe für mich gefunden, die ich ohne großen Zeitdruck eigenständig in diesen zwei Tagen pro Woche erledigen und auch noch von daheim mit meinem Firmenzugriff weiterführen kann, die Erstellung von Kundendokumentationen.

Alles in allem bin ich bisher sehr zufrieden, wie der zeitliche Ausstieg verlaufen ist, und froh, daß ich so unkompliziert wieder habe einsteigen können.

Resümee

Als Resümee kann ich festhalten, daß gewisse Randbedingungen gegeben sein müssen, damit solch ein Wiedereinstieg so positiv verlaufen kann wie bei mir:

  • Der Vorgesetzte muss ein Interesse an dem schnellen Wiedereinstieg der Mitarbeiterin haben. Die Elternschaft im allgemeinen verlangt von beiden Parteien eine gewisse Flexibilität. Es bleibt nicht aus, dass die Betreuung des Kindes nicht immer gewährleistet ist und deshalb die Arbeitszeiten einmal spontan umgeschichtet werden muss. Auch muss eine passende Aufgabe für die Mitarbeiterin gefunden werden, die diese ohne permanenten Termindruck abarbeiten kann.
  • Mutter und Kind müssen mit der Situation zurecht kommen. Ich gebe offen zu, dass mir die Trennung von meiner Tochter früh morgens nicht immer leicht fällt. Hätte es größere Probleme gegeben, wäre ich nicht um jeden Preis so zeitig wieder in den Beruf zurückgekehrt.
  • Der Teilzeit-Wiedereinstig muss sich finanziell lohnen. Wenn der Verdienst komplett für die Entlohnung einer Tagesmutter verbraucht wird, ist der Anreiz, wieder einzusteigen, gering.
  • Es gibt sicherlich noch immer Vorgesetzte, die auf die Schwangerschaft einer Mitarbeiterin eher negativ reagieren. Wenn das zu befürchten ist, so sollte man seinem Vorgesetzten so früh wie möglich die Schwangerschaft mitteilen. So kann der zeitliche Ausstieg für beide Seiten adäquat geplant werden.
  • Hinter all dem muss auch der Partner stehen und mithelfen. Da ich nur diese zwei Tage in der Woche habe, um meine Arbeitsleistung zu erbringen, bringt mein Mann an diesen Tagen unsere Tochter zu den Großeltern, damit mir diese Zeit morgens nicht verloren geht.

Ausblick

Im April 2007 planen wir, dass ich meine Elternzeit beende und wieder in Vollzeit in den Beruf zurückkehre. Mein Mann wird dann für ein halbes Jahr, so wie ich jetzt, zwei Tage Teilzeit in Elternzeit arbeiten. Auch hier sind die Vorrausetzungen durch seinen Arbeitgeber geschaffen worden. Da er „nur“ für ein halbes Jahr aussteigt, wurde sein Wunsch nach Teilzeit positiv aufgenommen.

Im Oktober 2007 wollen wir beide wieder in Vollzeit in den Beruf zurückkehren und unsere Tochter, die dann 1 ½ Jahr alt sein wird, in eine Kinderkrippe geben. Ob wir überhaupt einen Platz bekommen werden, wie viele Stunden wir sie abgeben können, und ob wir beide tatsächlich wieder komplett in Vollzeit einsteigen können, steht noch in den Sternen. Es ist auch müßig, sich heute schon darüber ausführliche Gedanken zu machen, denn das Leben mit Kindern zeichnet sich vor allem durch eine wunderbare Unplanbarkeit aus. Auch das habe ich erst lernen müssen! Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Zum Schluss

Dieser Erfahrungsbericht soll keine Mustervorlage darstellen, sondern nur einen möglichen Weg von sicher vielen aufzeigen. Es muss jedem Elternteil selbst überlassen bleiben, wie lange der zeitliche Ausstieg dauert. Ich habe mir lange überlegt so zeitig wieder in den Beruf einzusteigen im Hinblick auf die Entwicklung meiner Tochter. Mit einem Kind ist alles auch wesentlich einfacher planbar als mit mehreren Kindern.

Der Mutterschutz/die Elternzeit ist und bleibt ein finanzieller Einschnitt. Das Gehalt entwickelt sich in dieser Zeit nicht weiter, eventuelle Sonder- und Bonuszahlungen des Unternehmens werden teilweise nicht gezahlt. Das neue Elterngeld ist hier ein Schritt in die richtige Richtung. Wir bekamen noch Erziehungsgeld von monatlich 300 Euro und ich muss sicherlich nicht erwähnen, dass dieser Betrag bei weitem nicht ausreicht, um die finanzielle Einbuße auszugleichen.

Anja Ringler


Wissenswertes