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28.01.2013 Seite 1244 0

​Experten Karriere bei Siemens Corporate Technology

Experten und ihr spezifisches Know-how sind entscheidend für den nachhaltigen Erfolg von Siemens. Um die Bedeutung seiner „Key Experts“ entsprechend zu würdigen und deren Innovationskraft optimal zu entfalten, hat die Siemens AG 2006 auf Beschluss des Top Managements die Expertenkarriere in allen Bereichen mit hohem Anteil an technischen Mitarbeitern eingeführt. Damit wurde neben dem schon bestehenden Management und Projektmanagement ein weiterer Karrierepfad geschaffen, der Mitarbeitern mit herausragender technischer Expertise in strategisch wichtigen Schlüsseltechnologien eine attraktive Karrieremöglichkeit bietet.

Welche Zielsetzungen führten bei Siemens zur Einführung der Expertenkarriere? Oberstes Ziel war und ist es, die Attraktivität von Siemens als Arbeitgeber zu erhöhen. Gute und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen sind hierfür entscheidend. So bietet eine definierte Fachlaufbahn zum einen potenziellen neuen Mitarbeitern eine weitere Karriereoption, zum anderen stellt sie ein wichtiges Werkzeug für die Entwicklung und Bindung von fachlich exzellenten Mitarbeitern dar. Beides trägt dazu bei, die Innovationskraft und damit auch die Wettbewerbs-fähigkeit des Konzerns sicherzustellen.

Die Expertenkarriere bei Siemens Corporate Technology (CT), der zentralen Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Konzerns, umfasst vier Levels. Mit der Förderung in den außertariflichen Bereich einher geht die Ernennung zum „Senior“, auf den nächst höheren Stufen folgen „Principal“, „Senior Principal“ und schließlich „Chief“. Ein vergleichbares Titelsystem - mit identischen Bezeichnungen - gab es bei CT schon früher. Es diente vor allem der Anerkennung von Leistungsträgern und reflektierte deren Erfahrung und Bedeutung, nicht damit verbunden war jedoch eine besondere Rolle oder höhere Hierarchiestufe.

Dies hat sich mit Einführung der Expertenlaufbahn als offiziellem Karrierepfad geändert: Die Titel bezeichnen eine ausgewiesene Funktion mit entsprechendem Einfluss in der Organisation. Dies kommt in den Berichtsstrukturen, dem Gehaltsniveau und der erhöhten Sichtbarkeit der Key Experts innerhalb des Unternehmens zum Ausdruck. Letztere spiegelt sich z.B. durch die regelmäßige Teilnahme der Principals und Senior Principals in den entsprechenden Leitungskreisen der Corporate Technology wider.

Gleichzeitig tragen Key Experts auch mehr Verantwortung. Sie sollen über die Entwicklung von Roadmaps das langfristige Wachstum des Technologie-Portfolios von Siemens sicherstellen, sie beraten das Management bei strategischen Fragestellungen innerhalb ihres Kompetenzgebietes und sind für die aktive und systematische Entwicklung von Patentportfolios verantwortlich. Des Weiteren bauen Key Experts bei CT Netzwerke zu Universitäten und Forschungseinrichtungen auf und aus, nehmen Mentoring und Coaching Funktion für andere Mitarbeiter wahr und dienen als Multiplikatoren für die Weitergabe von Fachwissen an Kollegen. Der Anteil an administrativen Aufgaben ist möglichst gering; so haben Key Experts in der Regel keine Personal- und Budgetverantwortung; ihre Hauptaufgabe ist es, neue Produkte oder Lösungen zu entwickeln und Innovationen in Schlüsseltechnologien voranzutreiben.

Welche Eigenschaften müssen diese Mitarbeiter mitbringen? „Ein Key Experte ist mehr als ein exzellenter Forscher oder Technologe“, betont Dr. Christian Winkler, der die Expertenlaufbahn bei Corporate Technology mit eingeführt hat. Neben einer herausragenden technischen Expertise muss er eine Reihe weiterer Qualitäten mitbringen: Innovationsfähigkeit, Geschäftsverständnis, Kommunikationsfähigkeit, Internationalität sowie ein breites internes und externes Netzwerk. Je weiter ein Mitarbeiter in der Hierarchie aufsteigt, desto höher ist auch der Anspruch an nicht-technische Kompetenzen.

Das Anforderungsprofil eines Senior Principals lässt sich z.B. wie folgt zusammenfassen: Ein Senior Principal ist international als erstklassiger Experte innerhalb der Industrie und Wissenschaftsgemeinde anerkannt und arbeitet aktiv in Standardisierungsgremien mit. Er hat sowohl intern als auch extern sehr häufige Kontakte mit dem oberen Management und beeinflusst die Formulierung und Entwicklung der Technologiestrategie stark. Zudem arbeitet er sehr unabhängig, kann eine langjährige Erfahrung in diversen Bereichen und mit verschiedenen Märkten vorweisen und besitzt sowohl breite als auch tiefe Expertise auf für Siemens strategisch wichtigen Gebieten. Die Problemstellungen, mit denen sich ein Senior Principal befasst, sind in der Regel sehr komplex und analyseintensiv. Innovationsfähigkeit spielt eine entscheidende Rolle für diese Position.
Die Expertenkarriere ist in die Struktur der Organisation eingebettet. Vergleichbar der Managementkarriere gibt es daher eine definierte Anzahl von Stellen. Das Stellengefüge ist ein Ergebnis des Strategischen Personalplanungsprozesses bei CT und wird nach einem einheitlichen System auf Basis von Stellenprofilen evaluiert. Die Verfügbarkeit einer entsprechenden Expertenstelle ist somit eine weitere Voraussetzung für die Förderung in die Expertenlaufbahn. Geeignete Kandidaten werden von ihren Führungskräften in der jährlichen Personaldurchsprache präsentiert und im Hinblick auf die festgelegten Kriterien diskutiert. Der CT Managementkreis entscheidet dann über die Förderungen und verleiht den ausgewählten Kandidaten die offiziellen Titel in einem persönlichen Ernennungsschreiben.

Rückblickend haben sich folgende Aspekte als wichtig für den Erfolg und die Akzeptanz der Fachkarriere erwiesen: Entscheidend ist es, Wertunterschiede zu anderen Laufbahnen zu vermeiden; Expertenkarrieren müssen bezogen auf Gehalt, Zugehörigkeit zu Netzwerken und Aufmerksamkeit der Unternehmensspitze einer Managementkarriere gleichgestellt sein. Nur so erreichen sie eine hohe Anreizwirkung und ermöglichen es karrierewilligen Mitarbeitern, allein aufgrund ihres Talents und ihrer Neigungen frei zwischen den verschiedenen Karrierepfaden zu wählen. Auch ist es wichtig, erfolgskritische Schlüsselpositionen herauszuarbeiten, durch transparente Anforderungskriterien zu beschreiben und den auf diesen Funktionen tätigen Mitarbeitern ein attraktives Umfeld zu bieten.

Gut drei Jahre nach Einführung der Expertenkarriere fällt das Fazit bei Siemens Corporate Technology, der zentralen Innovationsschmiede des Konzerns, außerordentlich positiv aus. Die Expertenkarriere hat sich bewährt als eine attraktive und gleichwertige Entwicklungsmöglichkeit für Leistungsträger, die vorrangig fachlich tief arbeiten möchten und keine Tätigkeit im Linien- oder Projektmanagement anstreben. Sie stellt ein geeignetes personalpolitisches Entwicklungsinstrument dar, um nicht nur Management-Talente, sondern auch Fachexperten und Innovatoren angemessen zu fördern. Dr. Bernd Montag, CEO der Division Imaging & IT von Siemens Healthcare bringt die Bedeutung der Expertenkarriere innerhalb der Siemens AG so auf den Punkt: “Why Key Experts are so important? It’s simple: Innovation is the key to our success and Key Experts are key to innovation“.

Autorin: ​Maria Vogel

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