Monteure Fassade
SIEMENS
01.10.2013 Kurzinfo 53 0

Die Zukunft ist elektrisch

Energiewende, Elektromobilität, Industrie 4.0: Elektroingenieure gestalten unsere Zukunft. Und deren Job- und Karrierechancen sind glänzend. Dank der gewaltigen Trendthemen, mit denen sie beschäftigt sind, gilt das auch über die nächsten Jahre hinweg. Die Absolventen haben viele Optionen zur Höherqualifizierung: vom Master über MBA und Dr.-Ing. bis hin zur Professur.

Dominik Hirn hat mehrere Messkabel eines Oszilloskops an einen Elektromotor angeschlossen. Mit einer Leistung von 100 Watt ist es ein kleiner Motor, dessen Serienmodell später einmal Dunstabzugshauben oder Klimageräte antreiben soll. Der Motor war ursprünglich für den europäischen Markt und damit für eine Spannung von 230 Volt entwickelt worden. Nun wird er für den amerikanischen Markt auf 115 Volt angepasst. Der 26-jährige Elektroingenieur misst die Signale auf der Leiterplatte. Zuvor hatte Hirn den Motor mit einer Wärmebildkamera überprüft. Es ist ein Synchron-Motor mit Elektronik. Diese moderne Antriebsart hat gleich zwei Vorteile gegenüber konventionellen Motoren: Sie erzeugt weniger Wärme, dadurch geht weniger Energie verloren. Motoren sollen schließlich für Bewegung sorgen. Und sie lassen sich steuern. Das macht sie intelligent. Eine Dunstabzugshaube muss nicht immer auf vollen Touren laufen. Das spart Energie. Energieeffizienz ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit.

Elektromotoren machen das Leben angenehm. Sie lassen Zahnbürsten rotieren, treiben Rolltreppen an, bringen Förderbänder zum Laufen. Milliarden Motoren gibt es weltweit und sie verbrauchen gigantisch viel Strom: fast die Hälfte der weltweit erzeugten Elektrizität, schätzt die Internationale Energieagentur, Paris. Wenn in Deutschland die Energiewende gelingen soll, reicht es nicht allein, regenerative Energiequellen zu erschließen. Die Wende gelingt nur mit einer dauerhaften Senkung des Energiebedarfs, stand in einem offenen Brief an die Bundesregierung im Januar 2012, unterzeichnet von mehreren Energiewissenschaftlern. Die Technik dafür ist vorhanden, Dominik Hirn arbeitet daran bei ebm-papst in Mulfingen. Das kleine Städtchen liegt idyllisch im Hohenlohischen, nahe Schwäbisch Hall, und das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer von Ventilatoren und Motoren. Rund 1,4 Milliarden Euro hat es im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftet, die etwa 10.500 Mitarbeiter produzieren um die 60 Millionen Elektromotoren jährlich.
„Energieeffizienz treibt unsere Kunden um“, sagt Dr. Bruno Lindl, Geschäftsführer Forschung und Entwicklung bei ebm-papst. Ökologie sei zwar ein erstrebenswertes Ziel, aber erst in Verbindung mit der Ökonomie wird sie zum Selbstläufer. „Weil sich ein moderner Elektromotor mit EC-Technologie innerhalb eines Jahres durch weniger Energieverbrauch amortisiert, stellen wir eine zunehmende Nachfrage nach diesen Motoren fest.“ EC steht für Electronically Commutated, gemeint ist damit die Steuerbarkeit der Antriebe. Je nach Einsatzszenario lässt sich der Strombedarf durch moderne Motoren um 40 bis 50 Prozent reduzieren. Elektroingenieure wie Hirn tragen wesentlich dazu bei.

Man muss Projekte auch unter Zeitdruck managen können.

Dominik Hirn ist Absolvent eines kooperativen Studiengangs an der Reinhold Würth Hochschule in Künzelsau. Zunächst lernte er zwei Jahre lang den Ausbildungsberuf Elektroniker für Geräte und Systeme. Bereits gegen Ende des zweiten Lehrjahrs begann das Studium der Elektrotechnik. „Während der Semesterferien arbeitete ich bei ebm-papst, schrieb dort meine Bachelorarbeit und wurde während des Studiums finanziell unterstützt.“ Seit Oktober 2010 arbeitet Hirn als Elektronikentwickler in Mulfingen. Bestehende Produkte auf andere Märkte zu adaptieren, ist neben der Entwicklung von Neuprodukten eine seiner Aufgaben. Etwa 40 Azubis, wie Hirn einer war, hat das Unternehmen. „Damit machen wir uns ein Stück weit unabhängig vom Arbeitsmarkt“, sagt Lindl. Elektroingenieure sind sehr gefragt. Etwa 600 Techniker und Ingenieure arbeiten bei ebmpapst in Forschung und Entwicklung, davon ist jeder Dritte Ingenieur der Elektrotechnik. Deren Aufgaben teilen sich gleichermaßen auf in klassische Elektrotechnik, etwa die Auslegung von elektrischen Motoren und Elektroniker, die sich mit Leistungselektronik oder digitalen Technologien wie Embedded Systems beschäftigen. Die dritte Gruppe entwickelt Software. „Absolventen setzen wir entsprechend ihrer Studienschwerpunkte ein“, sagt Lindl.
Stressfähigkeit aufgrund des hohen Zeitdrucks und Projekte hinsichtlich Zeit und Kosten managen zu können, nennt Hirn als persönliche Skills, die er in seinem Job braucht. Fachlich müssten elektrotechnische Grundlagen wie Magnetismus, Schaltungstechnik und Leistungselektronik vorhanden sein. Hirn hat vor, sich im Projektmanagement weiterzuentwickeln. Die Chancen sind gegeben, denn nicht nur ebm-papst geht es wirtschaftlich gut. Laut dem Industrieverband ZVEI hatte die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie in Deutschland zum Jahresende 2011 rund 844.000 Beschäftigte, davon sind 176.000 Ingenieure. 28.000 neue Stellen sind im vergangenen Jahr entstanden. Der Umsatz lag 2011 bei 178 Milliarden Euro, das waren neun Prozent mehr als im Vorjahr. Zwei Drittel der Produkte gehen in den Export. Für 2012 prognostiziert der ZVEI ein Umsatzwachstum von fünf Prozent. Als Treiber dafür und Trendthemen nennt der Verband Elektromobilität, Embedded Systems, Gesundheitswirtschaft, Smart Grid und Energieeffizienz als Eckpfeiler der Energiewende.
Die Elektroindustrie Deutschlands ist stark mittelständisch geprägt. Etwa 90 Prozent der Unternehmen haben weniger als 500 Beschäftigte. Insgesamt besteht sie aus rund 4000 Unternehmen. Die meisten Beschäftigten gibt es im Branchensegment Automation (250.000), dann folgen elektronische Bauelemente (80.000) und Energietechnik (65.000). Laut ZVEI haben 2011 vor allem Batterien, Kabel und Drähte sowie Automation und Energietechnik überdurchschnittlich zum Wachstum beigetragen. Lediglich moderate Steigerungsraten gab es bei Elektrohausgeräten und in der Unterhaltungselektronik. In der Informations- und Kommunikationstechnik lag der Rückgang bei sieben Prozent. Verantwortlich dafür waren Preisrückgänge. Für 2012 geht der Industrieverband von einem moderaten Anstieg bei den Beschäftigten aus, insbesondere bei Fachkräften wie Ingenieuren.
 

Jung-Ingenieure dürften keine Probleme haben, einen Job zu finden.

Adecco Personaldienstleistungen hat exklusiv die Stellenanzeigen für Elektroingenieure im ersten Halbjahr 2012 ausgewertet. Der Stellenindex basiert auf 40 Tages- und Fachzeitungen. 2506 Angebote hatten die Unternehmen in den ersten sechs Monaten 2012 geschaltet. Das waren rund 750 weniger als im Vorjahresvergleich. Bei der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni 2012 exakt 10.833 Fachkräfte der Elektrotechnik arbeitslos gemeldet. Das waren rund 1000 mehr als im Vorjahr. Die geringe Arbeitslosenquote von etwa zwei Prozent bescheinigt dieser Berufsgruppe aber eher Vollbeschäftigung und die Bundesagentur für Arbeit teilt mit, dass „bei technischen Berufen Fachkräfteprobleme vor allem auf Ebene der Experten (Ingenieure) bestehen“. Die etwa 57.000 Studenten der Elektrotechnik/Elektronik dürften also keine Probleme haben, einen Job zu finden. Nach Angaben des statistischen Bundesamts haben 2010 rund 8100 Studenten ihr Studium in diesem Fach abgeschlossen.
Fast alle Mitgliedsunternehmen des VDE und Hochschulen stimmen der Aussage zu, dass Hochschulabsolventen und Young Professionals in der Elektro- und Informationstechnik gute Berufschancen haben, so das Ergebnis einer Anfang 2012 durchgeführten Verbandsumfrage. „Momentan sprechen Unternehmensvertreter oft davon, dass es an Elektroingenieuren für analoge Elektronik, insbesondere Leistungselektronik oder auch Entwicklern von Embedded Systems mangelt“, konstatiert VDE-Arbeitsmarktexperte Dr. Michael Schanz. Meldungen, nach denen der Bedarf zurückgeht, erreichen ihn nur selten. „Elektroingenieure im Jahr 2020 werden noch mehr in Teams und vermehrt mit Fachleuten aus anderen Disziplinen zusammenarbeiten“, prognostiziert Schanz. Elektromobilität und erneuerbare Energien seien hierfür treibende Kräfte.
Michael Martens erlebt heute schon, was der VDE-Arbeitsmarktexperte vorhersagt. Bei der Entwicklung, Produktion und dem Betrieb von Windkraftanlagen arbeiten Architekten, Bauingenieure, Meteorologen, Maschinenbau- und Elektrotechnik-Ingenieure Hand in Hand. Der 30-Jährige ist Ingenieur der Elektrotechnik und seit März 2009 beim Hersteller von Windenergieanlagen Enercon, Aurich, in der Hard- und Softwareentwicklung tätig. Aktuell ist es seine Aufgabe, zugekaufte Windmessgeräte in Anlagen zu integrieren. Die Geräte sollen Rotorblätter optimal in den Wind stellen. Im anderen Fall geht es um intelligente Stromnetze und die Entwicklung und Integration neuer Energiespeichersysteme. Bei viel Wind soll überschüssige Energie beispielsweise in Batterien gespeichert und bei Flaute in die Netze eingespeist werden.

Die Beschäftigung in der Windenergie wächst um ein Viertel.

Enercon wurde 1984 gegründet und hat neben dem Firmensitz in Aurich noch Produktionsstätten in Emden und Magdeburg. International ist das Unternehmen in Schweden, Brasilien, Portugal, Kanada und der Türkei vertreten und beschäftigt weltweit rund 13.000 Mitarbeiter. Durch den Neubau eines Forschungs- und Entwicklungszentrums in Aurich hat das Unternehmen einen hohen Bedarf an Entwicklungsingenieuren. Die Mitarbeiterzahl in dem Bereich soll fast verdoppelt werden. Bei Enercon entwickeln Elektroingenieure Generatoren, binden Windenergieanlagen intelligent in bestehende Netzstrukturen ein und kümmern sich um den reibungslosen Betrieb der Anlagen. „In der Windkraft steckt ein hohes Potenzial zur Stromerzeugung, und Enercon hat eine große Fertigungstiefe. Deshalb habe ich hier angefangen“, sagt Martens.
Windenergie liefert den größten Beitrag zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Die in Deutschland installierten Anlagen produzierten 2011 etwa 46,5 Milliarden Kilowattstunden Strom und deckten damit 7,2 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Nach Angaben der Agentur für Erneuerbare Energien hatte die Windenergie 2011 rund 101.000 Beschäftigte, das waren etwa 25.000 mehr als im Vorjahr. Tendenz: weiter steigend.

Autor:
Peter Ilg


Artikel aus dem VDE dialog 04/2012

Elektroingenieure Windkraft

Dominik Hirn (links) ist Absolvent eines kooperativen Studiengangs der Elektrotechnik, bei dem Theorie und Praxis von Anfang an eng miteinander verbunden sind. Michael Martens (rechts) integriert Messgeräte in Windkraftanlagen, um Rotorblätter optimal ausrichten zu können.

| ebm-papst Mulfingen GmbH (l.), Enercon GmbH (r.)

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