Junge Leute beim Lernen
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04.10.2012 Seite 25 0

Den Berufseinstieg intelligent planen

Absolventen des VDE YoungNet können sich in den Seminaren von Rainer Schmidt wichtige Tipps holen. Im Gespräch erklärt der Elektrotechniker die wichtigsten Meilensteine vom Studium bis zum Berufseinstieg.

Rainer Schmidt, Personalmarketing und Consulting
privat

Was sind die häufigsten „Fehler“ im Studium?

Ein gravierender Fehler ist es, das Lern- und Vorbereitungsverhalten von der Schule zu übernehmen. Denn während in der Schule alles immer wieder organisiert wiederholt wird, müssen sich die Studierenden nun selber um das Lernen kümmern. Und das rechtzeitig: Immer wieder wird das Studium unterschätzt. Wer erst einmal hinten dranhängt mit dem Lernen, für den wird das Semester unsagbar kurz und stressig und der mögliche Spaß am Studium bleibt dabei sicher auf der Strecke. Das gilt insbesondere für die Mathematik, deren Bedeutung für ein erfolgreiches Studium wohl den wenigsten bewusst ist. Viele vernachlässigen auch die Wichtigkeit sozialer Kontakte: Jeder sollte frühzeitig damit beginnen eine Lerngruppe zu bilden. Auch durch den Fachbereich finde ich in der Regel jede Menge Unterstützung.

Was ist am Studienende zu beachten?

Immer wieder beobachte ich Studierende, die sich erst ein halbes Jahr vor Ende des Studiums um ihre konkrete berufliche Zukunft kümmern. Die meisten unterschätzen die Voraussetzungen und glauben, mit dem Studium hätten sie die geforderte Qualifikation erreicht. Tatsächlich aber verfügen sie nur über eine Anhäufung von Wissen. Unternehmen stellen aber keine Wissensträger ein, sondern Menschen. Und diese unterscheiden sich vor allem durch ihre Fähigkeiten. Wer sein Studium bis dato also auch als Spielwiese für soziale Kompetenzen nutzt, wird erfolgreicher sein bei der Suche nach seinem „passenden“ Beruf.

Wie ist es in der Bewerbungsphase und bei der Wahl des Arbeitgebers?

Gehen Sie mit einem Konzept in die Bewerbungsphase. Sie müssen vorher festlegen, was sie eigentlich wollen. Welche Region? Welches Tätigkeitsfeld? Wie groß soll das Unternehmen sein? Wie sollen meine weiteren beruflichen Schritte aussehen? Kann ich mich in meinem Wunschunternehmen wohlfühlen? Es ist wichtig bei der Suche auf ein Netzwerk zurückgreifen zu können, um Meinungen und Erfahrungen auszutauschen. Der VDE und die Hochschulgruppen sind hier ideal.

Was ist mit dem Bewerbungsschreiben?

Schreiben Sie keine Bewerbung und führen sie möglichst kein Telefonat mit einem Personalverantwortlichen, wenn Sie nicht gut drauf sind. Und machen Sie sich klar, was Sie für Fähigkeiten haben, wo Ihre Stärken liegen. Das Feedback von anderen ist dafür wichtig. Beim Anschreiben sollten Absolventen argumentieren und auf Plattitüden wie flexibel, durchsetzungsfähig oder lernbegierig verzichten, wenn sie sie nicht durch Erfahrungen belegen können.

Warum der Aufwand?

Der Arbeitsmarkt für Elektroingenieure bietet auch so hervorragende Chancen auf einen Job? Stimmt. Sie werden in jedem Fall eine Anstellung bekommen. Aber eben nicht unbedingt diejenige, die Sie vielleicht gerne hätten.

Artikel aus dem VDE dialog 04/2012

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