Karriere
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22.03.2013 Seite 17 0

Willkommen in der Berufswelt

Die beruflichen Chancen für Elektroingenieure sind so gut wie lange nicht. Umso wichtiger aber, bei der Suche nach dem Wunscharbeitgeber nichts dem Zufall zu überlassen und sich gezielt die Rosinen aus dem Job-Kuchen zu picken.

Die letzte Prüfung ist abgelegt, die finale Arbeit geschrieben. Die Pflicht ist absolviert. Das war’s also. Für rund 9.000 Absolventinnen und Absolventen der Elektrotechnik und Informationstechnik steht – wie in jedem Jahr – ein grundlegender Wechsel an: Sie tauschen ihre Immatrikulationsbescheinigung gegen einen Arbeitsvertrag. So weit, so gut, so schwierig. Denn nun beginnen die heiklen Fragen: Habe ich während meiner Hochschulausbildung die „richtigen“ Weichen gestellt? Die „passenden“ Praktika gewählt? Wie und vor allem: wo soll ich mich bewerben? Gespräche mit ehemaligen Lehrern, Freunden und Verwandten und nicht zuletzt Beratern können hier den oft entscheidenden Wink geben, um die passende Fachrichtung und das anzustrebende Tätigkeitsfeld zu finden und die Ausbildung daran auszurichten.

Hinzu kommt ein zweiter, zunehmend wichtiger Faktor: Die Soft Skills. Immer häufiger werden Ingenieure in den Vorstellungsgesprächen auch nach ihrer sozialen Kompetenz gefragt: Wer hier Konkretes berichten kann, ist denjenigen Kommilitonen gegenüber deutlich im Vorteil, die Soft Skills lediglich behaupten. Die Mitarbeit an Uni-Projekten, ehrenamtliches Engagement im Verein oder die Teilnahme an (nicht zwangsläufig technischen) Wettbewerben sind oft wichtige Pluspunkte.

Experten raten man dürfe auch das Kriterium Arbeitsmarkt nicht aus den Augen verlieren. Am einfachsten ist es, sich Internetstellenbörsen vorzunehmen und zu erkunden, wie oft bestimmte Fachrichtungen nachgefragt werden.

Doch selbst, wenn die Richtung klar ist: Wie weit soll ich gehen? Den Bachelor machen und dann einen (aufgrund der aktuellen Arbeitsmarktlage fast sicheren) Berufseinstieg wählen oder das Studium durch den Master ergänzen oder besser: „komplettieren“? Für etliche klassische Ingenieuraufgaben reicht der Bachelor in der Regel nicht aus. Beispielsweise in der Automobilindustrie oder bei Energieunternehmen dürfte es für Bachelorabsolventen kaum ein Problem sein, im Vertrieb oder im Einkauf eine geeignete Stelle zu finden. Für die Entwicklung von Fahrzeugen oder Energieanlagen werden normalerweise Ingenieure eingestellt, die den Master besitzen. Eine Ausnahme bilden lediglich diejenigen Unternehmen, die ihre Traineeprogramme speziell für Bachelorabsolventen ausgerichtet haben.

Aber auch die Wahl der Hochschule kann den späteren Werdegang entscheidend beeinflussen. Zum einen, weil sich die Konzepte und Studienordnungen der Universitäten und Fachhochschulen oftmals stark voneinander unterscheiden. Und zum anderen, weil Ruf und Standort einer Hochschule auch Auswirkungen auf die spätere Karriere haben können. Eine Empfehlung ist es deshalb, sich einzelne für den individuellen Werdegang interessante berufliche Biografien etwa über Xing etwas genauer anzusehen. Lassen sich unter Umständen bestimmte Hinweise herauslesen, aufgrund welcher Ausbildungsschritte und Qualifikationen einer bestimmten Position erreicht wurden? Sind bei meinem Wunsch-Unternehmen überdurchschnittlich viele Ingenieure aus einer bestimmten Hochschule vertreten? Wie viele haben promoviert?

Doch wie und wie schnell überhaupt kommt man an seinen Traumjob? Zunächst: Eine Bewerbung braucht Zeit. Von der Online- oder Printanzeige bis zum eigentlichen Entscheid können Monate vergehen. Die ersten Vorstellungsgespräche finden meist drei Wochen und spätestens zwei Monate nach Erscheinen der Anzeige statt. Dass das Internet bei Stellensuche und Bewerbung immer weiter an Bedeutung gewinnt ist offensichtlich: Alle namhaften Unternehmen verfügen mittlerweile über eigene Karriereseiten und fast jedes mittelständische Unternehmen rekrutiert seinen Nachwuchs ebenfalls online. Trotzdem empfehlen Fachleute immer wieder auch einen Blick in die einschlägigen Fachzeitschriften zu werfen oder Kontakte etwa über den VDE beziehungsweise das VDE YoungNet zu nutzen. Längst nicht „außer Mode gekommen“ sind auch Initiativbewerbungen. Immer noch gilt: Wer sich initiativ bewirbt, zeigt, dass er echtes Interesse hat und nicht jeden Job annimmt. Vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen haben Initiativbewerbungen deshalb gute Chancen. Doch unabhängig davon, ob man sich auf eine ausgeschriebene Stelle oder initiativ für eine Stelle interessiert: In der Regel kommt eine vorherige telefonische Kontaktaufnahme bei Personalverantwortlichen gut an. Der Bewerber oder die Bewerberin zeigt auf diese Weise Engagement und wirkt motiviert, zielstrebig und kommunikativ. Und er sticht aus der Masse der „anonymen“ Bewerbungen heraus. Zudem lässt sich auf diese Weise noch die ein oder andere Besonderheit herausfinden, auf die Personalentscheider Wert legen. Ein (vielleicht entscheidender) Tipp sind Empfehlungsschreiben, gerade weil diese in Deutschland noch recht selten sind. Sie können die Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben. Weil diese Zeugnisse nicht von einer Abteilung kommen, sondern von einer „neutralen“ Person mit (in der Regel) hohem beruflichen oder sozialen Status, gelten diese auch als besonders authentisch beziehungsweise ehrlich.

Dass zwei bis drei Praktika zu einem essenziellen Bestandteil der ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung geworden sind, hat sich längst herumgesprochen. Wer Praktika absolviert, kann seine eigenen Interessen überprüfen, seine Kompetenzen erkennen und einen Einblick gewinnen in den Berufsalltag potenzieller Positionen. Wichtig dabei: es sollte bei der Auswahl bereits eine Art „roter Faden“ erkennbar sein. Die Wahl eines Auslandspraktikums ist vor allem für eine spätere Position in einem internationalen Unternehmen maßgeblich, sofern der Student oder die Studentin beispielsweise im Vorstellungsgespräch nachweisen kann, dass er oder sie sich nicht nur mit der Technik, sondern auch mit Land, Leuten, Kultur und Sprache auseinandergesetzt hat.

Wissenswertes